Im Schweinfurter Klärwerk läuft derzeit ein Pilotprojekt zum Thema Nutzwasser.
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Zum Weltwassertag: Pilotprojekt im Klärwerk Schweinfurt

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Zum Weltwassertag: Pilotprojekt im Klärwerk Schweinfurt

In Unterfranken läuft ein Pilotprojekt zum Nutzwasser, das das Klärwerk der Stadt Schweinfurt zusammen mit der TU München seit April 2021 durchführt. Ziel ist es, dem künftigen Wassermangel auf der fränkischen Trockenplatte effektiv entgegenzuwirken.

Im Rahmen des Pilotprojektes werden im Klärwerk Schweinfurt aus konventionell gereinigtem Abwasser des Klärwerks Nutzwasser gewonnen, mit dem man bedenkenlos städtische Parkanlagen, Sportplätze und landwirtschaftliche Flächen bewässern kann. Bisherige Analysen zeigen: Das Nutzwasser weist weitestgehend keine Schadstoffe sowie keine Viren und Bakterien auf. Das betrifft auch die damit bewässerten Pflanzen und Böden, so Markus Büttner, Umweltingenieur bei der Stadtentwässerung Schweinfurt.

Aus Abwasser wird Nutzwasser

Mit dem Nutzwasser könne man sogar Gemüse bewässern, das später roh verzehrt werde. "Unser Ziel ist es, das Nutzwasser günstiger anbieten zu können als Trinkwasser", sagt Büttner. Dazu laufen derzeit noch Auswertungen. Konkrete Ergebnisse liegen deshalb noch nicht vor. "Ich bin mir sicher, dass das Nutzwasser zukünftig von vielen Kommunen, die von verstärkter Trockenheit betroffen sind, zur Bewässerung verwendet wird." Was noch fehlt, ist aber eine gesetzliche Regelung für den Nutzwassereinsatz. Die könnte im Lauf des Jahres erfolgen. "Die Bewässerung mit dem aufbereiteten Nutzwasser ist bisher nur im Zuge des Projektes möglich", erklärt der Umweltingenieur.

Reinigung in drei Stufen

Bei dem Pilotprojekt wird ein kleiner Teil des gereinigten Abwassers in drei Behandlungsstufen nutzbar gemacht. Auf dem Schweinfurter Klärwerksgelände fließt es zunächst in den ersten Container mit der sogenannten Ultrafiltration. Dabei wird das gereinigte Abwasser durch extrem feinporige Filter gepresst. Kleinste Teilchen, die man mit dem bloßen Auge nicht mehr sieht, bleiben darin hängen. Anschließend fließt das Wasser in den zweiten Container, zur sogenannten Ozonierung. Dabei wird reaktionsfreudiges Ozon in das Wasser eingegast. Das Ozon knackt schwerabbaubare Verbindungen wie Medikamentenrückstände. Im Anschluss kann ein biologischer Aktiv-Kohlefilter diese kleinen Teilchen aus dem Wasser entfernen. Das Ozon wirkt darüber hinaus desinfizierend und sorgt für eine zusätzliche Barriere gegenüber möglichen Krankheitserregern. Weitere Bakterien und Viren macht UV-Licht unschädlich. Das geschieht im dritten Container. Dort fließt das Wasser abschließend durch ein Rohr mit einer UV-Lampe. "Nach diesen drei Reinigungsstufen erhält man zwar kein Trinkwasser, aber hygienisch einwandfreies Wasser", erklärt Büttner.

Zusammenarbeit mit TU München

Das Projekt läuft seit April 2021. Die Technischen Universität München (TUM) rief es federführend ins Leben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert es. Projektleiter Jörg Drewes ist Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der TUM. "Hier betreten wir Neuland", sagte Drewes im Sommer 2022. Insofern sei das Projekt seiner Meinung nach in dieser Ausgestaltung einmalig in Deutschland. Für das Pilotprojekt wurden auf dem Schweinfurter Klärwerksgelände ein Gewächshaus für Gemüse und Freilandflächen errichtet. Dort laufen mit dem Nutzwasser zahlreiche Bewässerungstests. Auch die Bewässerung von Bäumen und eines benachbarten Sportplatzes wurde erprobt.

Akuter Wassermangel in der Region

Büttner bestätigt, dass die Niederschläge der letzten Jahre zu gering waren. Darum seien die Grundwasserpegel sehr niedrig. Zudem befürchtet er, dass sich die Situation mit zu wenig Regen sogar noch verschärfen könnte. Die Grundwasserpegel würden dann noch weiter absinken. Deswegen werde es womöglich zu einem Wassermangel kommen, denn alle Verbraucher bedienen sich hauptsächlich aus dem Grundwasser. Damit die Trinkwasserversorgung "in Engpässen" dauerhaft und sicher gewährleistet bleibe, müssten andere Verbraucher ihren Wasserbedarf deutlich reduzieren. Die Folge sei beispielsweise, dass die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen oder städtischem Grün verringert werde. In trockenen Sommern könnten Pflanzen verdursten und es drohten Ernteausfälle, so Büttner.

Eigene Wasserleitung geplant

Damit das Nutzwasser die Verbraucher erreicht, plant die Schweinfurt Büttner zufolge die Errichtung einer separaten Transportleitung, die als "pipe-in-pipe"-Lösung in bereits bestehende Abwasserkanäle integriert wird. Das Nutzwasser könne auf diese Weise in einem zusätzlich errichteten Speicherbauwerk zentral zur Verfügung gestellt und für die Bewässerung städtischer Grünflächen eingesetzt werden. Die Transport- und Speicherinfrastruktur werde unabhängig betrieben, da eine Vermischung von Trink- und Nutzwasser nicht erfolgen darf.

Vorbild für andere Regionen

Das Schweinfurter Nutzwasserprojekt läuft noch bis April 2024. Das Klärwerk Schweinfurt reinigt die Abwässer der Umgebung – also von rund 80.000 Menschen und der Industrie. Im gereinigten Abwasser sind unter anderem noch krankmachende Viren und Bakterien. Es fließt in den Main und wird dort so stark verdünnt, dass es für die Umwelt unbedenklich ist.

Das Nutzwasser-Pilotprojekt zum Thema "Wasser aus Abwasser" könnte zum Vorbild für andere Städte und Kommunen werden. "Das Nutzwasser ist auf der fränkischen Trockenplatte besonders wichtig", betonte Büttner. "Hier zählt jeder Tropfen." Die sogenannte fränkische Trockenplatte ist eine Region, in der sehr wenig Regen fällt. Die Landschaft mit Schweinfurt im Zentrum ist von mehreren Mittelgebirgen wie dem Spessart und der Rhön umgeben.

Pilotprojekt im Klärwerk Schweinfurt zum Thema Nutzwasser, dass gemeinsam mit der TU München durchgeführt wird.
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Pilotprojekt im Klärwerk Schweinfurt zum Thema Nutzwasser, dass gemeinsam mit der TU München durchgeführt wird.

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