Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Zum Verkauf: Leerstehende Pfarrhäuser in Bayern | BR24

© BR

Die Kirchen in Bayern zählen immer weniger Mitglieder - und so braucht es auch immer weniger Pfarrer und Pfarrhäuser. Für junge Familien sind es Traumimmobilien: Große Häuser, meist im Ortskern. So manches alte Pfarrhaus steht nun zum Verkauf.

15
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Zum Verkauf: Leerstehende Pfarrhäuser in Bayern

Die Kirchen in Bayern zählen immer weniger Mitglieder - und so braucht es auch immer weniger Pfarrer und Pfarrhäuser. Für junge Familien sind es Traumimmobilien: große Häuser, meist im Ortskern. So manches alte Pfarrhaus steht nun zum Verkauf.

15
Per Mail sharen
Teilen

Eigentlich sind es Traumimmobilien: große Häuser im Ortskern, mit einer eigenen Geschichte. Viele der altehrwürdigen Pfarrhäuser stehen unter Denkmalschutz. Doch sie werden oft nicht mehr gebraucht, weil - im Gegensatz zu früher - der Pfarrer längst nicht mehr dort wohnt. Wenn das Pfarrhaus stark sanierungsbedürftig ist, dann muss sich die Diözese schon genau überlegen, ob sich dieser finanzielle Aufwand lohnt. Und so kommt es, dass ehemalige Pfarrhäuser zum Verkauf stehen.

Das katholische Pfarrhaus von St. Michael in Igenhausen

Im Zentrum von Igenhausen: Nur wenige Meter von der katholischen Kirche St. Michael entfernt liegt das Pfarrhaus. Ein weißes, zweistöckiges Gebäude mit Spitzdach, umgeben von einem riesigen Garten. Jetzt steht das 200 Jahre alte Pfarrhaus im Landkreis Aichach-Friedberg zum Verkauf. 174 Quadratmeter Gesamtwohnfläche auf zwei Stockwerken.

Der Kirchenpfleger Matthias Schweizer hat es schon einigen Interessenten gezeigt. Der letzte Pfarrer ist 1974 ausgezogen, zuletzt lebte hier eine Familie zur Miete. Im Erdgeschoss geht Matthias Schweizer durch das ehemalige Wohnzimmer. Und er beschreibt die Immobilie - wie ein Makler:

"Früher war hier der Essbereich. Mit Blick in den Süden. Rein von der Küche her. Dann hier im Anschluss der Wohnbereich, mit einer Couchgarnitur hier in der Ecke. Gegenüber hier im Eck der Kachelofen - und vor allem im Winter ergab das eine sehr angenehme Atmosphäre." Matthias Schweizer, Kirchenpfleger, Kirchenverwaltung Igenhausen

Das alte Pfarrhaus - ein Schnäppchen mit Renovierungsbedarf

Für knappe 200.000 Euro steht das Haus zum Verkauf, ein Schnäppchen. Doch schon auf den ersten Blick fällt auf: Die Heizung muss komplett erneuert werden. Schwarze Flächen an den Wänden weisen darauf hin, dass die Innenräume neu verputzt und gestrichen werden müssten.

Kirchenpfleger Schweizer geht zurück in den ersten Raum gleich neben der Eingangstür, wirft einen nostalgischer Blick zurück und sagt: "Dieser Raum wurde auch vom Kirchenchor genutzt. Für die Vorbereitung der Sonntagsmessen oder wenn Feierlichkeiten anstanden, dann hat man sich hier vorbereitet."

Die Igenhausener Kirchengemeinde würde es gerne sehen, wenn hier eine Familie wieder Leben in das Pfarrhaus bringen und es vielleicht sogar selbst renovieren würde.

Allein die Diözese hat 16 Pfarrhäuser im Angebot

Derzeit plant die Diözese Augsburg, 16 solche Gebäude zu verkaufen, denn deren Erhalt ist teuer. So muss sie schon jetzt Prioritäten setzen, schließlich ist absehbar: Die Kirchensteuereinnahmen werden in Zukunft geringer ausfallen. Das ist Michael Schmid, Diözesankonservator der Diözese Augsburg, sehr bewusst.

"Wenn man sehr, sehr hohe Summen investieren muss in ein Bauwerk, das eigentlich nicht mehr so dringend benötigt wird, sondern nur noch ganz selten, dann steht das sicher in keinem Verhältnis dazu, dass man parallel viele Kirchen und Kapellen unterhalten muss." Michael Schmid, Diözesankonservator Augsburg

Der Priestermangel führt dazu, dass immer mehr Pfarreien zu Pfarreiengemeinschaften zusammengelegt werden. Die Planungen der Diözese Augsburg reichen bis zum Jahr 2025. Es werden also noch weitere Immobilien frei. Ließe sich dadurch die Wohnungsnot lindern?

"Manchmal sind leider gerade in weit abgelegenen Gegenden manche Pfarrhöfe schon länger leerstehend. Sie sind zum Teil in einem Zustand, in dem man sie nicht gern verkaufen möchte. Wo es dann schwierig wird. Aber es gibt durchaus einzelne Fälle, in der Nähe vom Ammersee, wo man in einzelnen Gegenden, die durchaus sehr gefragt sind, ein entsprechendes Objekt dann verkaufen kann." Michael Schmid, Diözesankonservator Augsburg

Nach gut zwei Jahren Suche: Traum- und Pfarrhaus gefunden

Hochdorf liegt fast 40 km weiter, auch im Landkreis Aichach-Friedberg. Vor einigen Jahren schon hat die Diözese Augsburg das ehemalige Pfarrhaus verkauft. Jetzt gehört es der Familie Meggle. Bevor ihre drei Kinder auf die Welt kamen, haben Gwendolin und Simon Meggle in München gewohnt. Zweieinhalb Jahre haben sie nach ihrem Traumhaus gesucht.

"Und dann haben wir uns halt beworben bei der Diözese um das Haus. Und als wir es dann von innen gesehen haben, war der Fall eigentlich schon am Tag der Besichtigung klar, dass wir es haben wollen." Simon Meggle, Käufer eines alten Pfarrhauses

Die sechsjährige Lorena und der vierjährige Dominikus spielen im geräumigen Garten. Sie haben fast einen kleinen Spielplatz für sich, mit Schaukel und Sandkasten. Das Pfarrhaus wurde 1733 erbaut. Ein fast schon herrschaftlicher Bau, mit zwei Stockwerken und acht großen Zimmern, der Innencharakter stammt aus der Gründerzeit.

Spannende Zeiten während der Renovierung

In München hätten sich die Meggles für den Kaufpreis vielleicht eine kleine Wohnung leisten können. Aber: Schimmel, Wasserschäden, verrostete Heizungsrohre - sie mussten nochmal Zeit und Geld investieren. Ohne die Unterstützung von Familie und Freunden hätten die jungen Eltern die Renovierung nicht geschafft.

"Stunden gezählt haben wir nicht, aber es waren viele Stunden. Und es waren gerade hier unten wegen Feuchtigkeit große Putzschäden. Da haben wir viel neu verputzt, haben auch die Bordüre zu großen Teilen neu gemacht. Mit alten Schablonen, die wir vom Kirchenmaler bekommen haben." Gwendolin Meggle

Ihr Mann ergänzt: "Spannend war auch, an welcher Stelle das nächste Mal Wasser aus der Heizung rinnt, weil halt in den Jahren zuvor nichts mehr dran gemacht worden ist. Da hatten wir einige Überraschungen." Doch die Meggles haben das alte Gemäuer in ein Schmuckstück verwandelt, es innen mit Kachelöfen und Antiquitäten eingerichtet.

Simon Meggle spielt gut Klavier und auch Orgel. Und jetzt hat er eine neue Aufgabe übernommen. Wenn Not am Mann ist, springt er als Organist beim Gottesdienst ein.

Für ihn ist das ja kein Problem, denn die Kirche ist ja gleich nebenan.