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125. Todestag von Sigmund Schuckert: Die Suche nach dem Antrieb | BR24

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Sigmund Schuckert beleuchtete zum ersten Mal die Kaiserstraße, ließ die Nürnberger mit der Straßenbahn fahren und kümmerte sich als "Vater Schuckert" um seine Mitarbeiter. Er war ein Pionier der Industrialisierung.

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125. Todestag von Sigmund Schuckert: Die Suche nach dem Antrieb

Er beleuchtete zum ersten Mal die Kaiserstraße, ließ die Nürnberger mit der Straßenbahn fahren und kümmerte sich als "Vater Schuckert" um seine Mitarbeiter. Über einen Pionier der Industrialisierung zwischen Erfindergeist und Unternehmertum.

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Die Adlerstraße 1876: Das Kriegerdenkmal, das bis heute am Köpfleinsberg steht, soll eingeweiht werden. Der perfekte Anlass für den jungen Elektrotechniker Sigmund Schuckert, um seine Erfindung vorzuführen – eine selbstgebaute Bogenlampe. Nächtelang tüftelte er an den Dynamos. Dann, an einem Septemberabend zischt es, stinkt nach Gummi und zum ersten Mal flackert ein Licht auf. Die Vorführung wurde ein publikumswirksamer Erfolg.

Vom Ein-Mann-Betrieb zur Fabrik

Dabei fing das alles erst drei Jahre zuvor in einer kleinen Werkstatt in der Nürnberger Schwabenmühle an, in der Schuckert im Jahre 1873 noch Nähmaschinen reparierte. 1890 war bereits ein Industriebetrieb mit über tausend Mitarbeitern daraus geworden. Schuckert selbst ging wie seinen Maschinen wohl nie der Antrieb aus.

"Fleiß und Ausdauer führen stets zum sicheren Ziel"

Geboren wurde Sigmund Schuckert 1846 mitten in der damaligen Handwerkerhochburg, in der Nürnberger Johannesgasse in der Altstadt. Sein Vater war Fassmacher und so sollte es auch Sigmund werden. Der junge Schuckert aber war ehrgeizig. Bereits in der Schule schrieb Schuckert in Schönschrift in sein Heft: "Ich will mit allem Fleiße dafür sorgen, dass meine Schrift in jedem Monat besser wird. Fleiß und Ausdauer führen stets zum sicheren Ziel."

Auf der Walz bis in die USA

Schuckert machte also eine Lehre zum Feinwerkmechaniker bei Friedrich Heller. Der schrieb 1864 in Schuckerts Arbeitszeugnis, er habe sich "durch akkurate und sehr saubere Arbeit ausgezeichnet". Mit dieser Empfehlung in der Tasche ging Schuckert auf die Walz. Nach Stationen in ganz Deutschland brach er nach New York auf. Er schaffte es in den engsten Kreis von Thomas Alva Edison, dessen größte Erfindung die Kohlenfadenglühlampe war. Sein Motto: "Eine kleine Erfindung alle zehn Tage, eine große alle sechs Monate".

Sein Durchbruch: Die dynamoelektrische Maschine

1873 kehrte Schuckert nach Nürnberg zurück: Mit dem Wissen von neun Jahren Walz und 800 Dollar Ersparnis gründete er seine eigene Werkstatt. Dort reparierte er hauptsächlich Nähmaschinen, tüftelte aber auch weiter mit Elektrizität. Nur ein Jahr nach der Gründung seiner Werkstatt erhielt er das Patent für die "dynamoelektrische Maschine". Eine Erfindung, die auch außerhalb Nürnbergs für Ansehen sorgte, sagt Schuckerts Biografin Daniela Stadler vom Stadtarchiv Nürnberg:

"Da hat er sicherlich Maßstäbe gesetzt. Er hat Ideen aufgegriffen und auch weiterentwickelt und hatte diesen Willen, die Dinge stets zu verbessern".

In den darauffolgenden Jahren installierte Schuckert deutschlandweit die erste elektrische Straßenbeleuchtung in der Nürnberger Kaiserstraße. Drei Bogenlampen strahlten von 1882 an in der Nürnberger Kaiserstraße. Er beleuchtete König Ludwigs Schloss Linderhof und sogar den Moskauer Kreml. Auch die Münchner und die Nürnberger Straßenbahnen stammten aus Schuckerts Fabrik. Großaufträge, die Sigmund Schuckert natürlich nicht mehr im Ein-Mann-Betrieb stemmen konnte: Schon 1890 beschäftigte er 1.100 Mitarbeiter.

Ein Fabrikherr mit Herz

Schuckert entwickelte sich zum Unternehmer mit weltweiten Aufträgen – doch wie war das Elektrotechnik-Genie persönlich? "Er war ein geselliger Mensch", sagt Biografin Daniela Stadler. "Das hat sich auch im Umgang mit den Arbeiterinnen und Arbeitern geäußert". Denn: Für Sigmund Schuckert war die hohe Anzahl der Beschäftigten eine bedrückende Zahl, da er nicht mehr all seine Mitarbeiter kannte. "Vater Schuckert, wie seine Mitarbeiter ihn nannten, ließ sich etwas einfallen, um für das Wohl seiner Mitarbeiter zu sorgen: Er führte eine Betriebskrankenkasse, eine Pensionskasse und den 10-Stunden-Tag ein, noch bevor es gesetzliche Regelungen dafür gab. Nicht nur beruflich, sondern auch privat war Sigmund Schuckert die Kontaktpflege wichtig. "Er soll bei Feiern auch Gedichte zum Besten gegeben haben", erzählt Daniela Stadler.

Schuckerts Werk wirkt bis heute

Im Alter von 47 Jahren starb Schuckert am 17. September 1895 an einem schweren Nervenleiden. Nach seinem Tod fusionierte die Firma "Schuckert & Co." mit Siemens. Die Siemens-Schuckert-Werke blieben weltbekannt - bis 1966 "Schuckert" aus dem Firmentitel getilgt wird und unter der Siemens AG vereint wird. Schuckerts Erbe aber sind nicht nur die Schuckertwerke: Sein Vermögen vermachte Schuckert der Stadt Nürnberg, die nach seinem Willen eine Stiftung einrichtete. Die "Sigmund-Schuckert-Stiftung" unterstützt noch heute Schüler, Auszubildende und Studierende – vielleicht ja das Startkapital für den nächsten Nürnberger Pionier.

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Sigmund Schuckert mit dem späteren Teilhaber der Schuckertwerke Alexander Wacker.

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Aus der kleinen Werkstatt wurden große Fabrikhallen: Arbeiterinnen der Schuckertwerke in Nürnberg um 1900.

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Das Fabrikgelände in der Landgrabenstraße in Nürnberg um 1900.

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1891 stellte Sigmund Schuckert seine "elektrische Personenbahn" auf der Mainufer-Ausstellung in Frankfurt vor.

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Damit liefen die Bogenlampen in Schloss Linderhof: eine Gleichstrom-Flachringmaschine von Schuckert 1878.

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