BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Bayern macht 300 Millionen Euro für Automobilindustrie locker | BR24

© BR

Die Autobranche ist in Bayern eine der wichtigsten. Deshalb will der Freistaat sie bis 2023 mit zusätzlichen 225 Millionen Euro fördern. Das Geld soll der Branche helfen, den technologischen Wandel zu bewältigen.

61
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Bayern macht 300 Millionen Euro für Automobilindustrie locker

Die Autoindustrie ist eine Schlüsselindustrie in Bayern. Beim zweiten bayerischen Autogipfel ging es heute um Zukunftskonzepte. Die Staatsregierung will viel Geld in die kriselnde Branche stecken - die IG Metall ist trotzdem enttäuscht.

61
Per Mail sharen
Teilen

Stellenabbau bei BMW und Audi, der Zulieferer Continental schließt sein Werk in Roding mit 500 Mitarbeitern bis 2024 – die schlechten Nachrichten reißen derzeit in der Automobilbranche nicht ab. Hinzu kommt die Konkurrenz durch neue Hersteller wie den E-Auto-Bauer Tesla aus den USA, der jüngst ankündigte, in Deutschland eine Fabrik für Fahrzeugakkus zu errichten. Höchste Zeit also, alle Auto-Akteure in Bayern zusammenzutrommeln, findet die Staatsregierung und lud ein zum zweiten "Zukunftsforum Automobil".

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) stellen klar, was sie von den Ergebnissen des Zukunftsforums erwarten – eine Zukunft für die Automobilindustrie innerhalb der bayerischen Landesgrenzen. Und so kündigt die Staatsregierung an, mehr als 300 Millionen Euro für den Umbau der Industrie in die Hand zu nehmen.

225 Millionen Euro davon sind neue Gelder, die am Tisch zwischen Staatsregierung, den Autobauern Audi, BMW und MAN, sowie den Zulieferern, Betriebsräten, der IG Metall und dem Verband der Bayerischen Metall und Elektroindustrie vereinbart wurden. Fast die Hälfte davon soll in die Förderung von neuen Fahrzeugtechnologien fließen wie die Kombination von Elektro- und Wasserstofftechnik, CO2-neutrale Kraftstoffe sowie vernetztes Fahren. Und auch den Diesel hat Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger noch nicht abgeschrieben:

"Auch das Batterieauto ist nicht emissionsfrei unterwegs, wenn man misst, wo der Strom herkommt, wo die Komponenten herkommen." Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister

7.000 neue Ladestationen bis Ende 2020

Neben neuen Technologien will die Staatsregierung auch in Pilotprojekte investieren, die Plug-In-Hybrid-Autos weiter testen und die den Verkehr digital lenken können sollen. Auch 7.000 neue Ladestationen für E-Autos stehen in der Gemeinsamen Erklärung. Bislang gibt es laut bayerischem Verkehrsministerium in Bayern 3.455 öffentlich zugängliche Ladestationen – für rund 30.400 E-Autos.

BMW-Chef Oliver Zipse begrüßt die politische Unterstützung und bekennt sich zu den BMW-Standorten in Bayern. Die Modelle i4 und iNext werden hierzulande gebaut:

"Wir haben mittlerweile die komplette Wertschöpfungskette für die Elektromobilität hier in Deutschland und in Bayern aufgebaut. Alle BMW Group-Werke sind für E-Modelle, Plug-in-Hybide und effiziente Verbrenner gleichzeitig ausgerüstet. Unsere Batteriemodule fertigen wir selbst, unter anderem im Werk in Dingolfing." BMW-Chef Oliver Zipse

Weiterbildungsoffensive für 50.000 Mitarbeiter

Rund 150 Millionen Euro sollen künftig in die Förderung von neuen Fahrzeugtechnologien fließen - wie die Kombination von Elektro- und Wasserstofftechnik, synthetische Kraftstoffe sowie vernetztes Fahren.

Ein weiterer Teil der gemeinsamen Erklärung zwischen Staatsregierung, Autoherstellern, Zulieferern und Arbeitnehmervertretern ist eine Weiterbildungsoffensive für mehr als 50.000 Beschäftigte in der Automobilbranche. Mehr als 70 Millionen Euro lässt sich die Staatsregierung die Qualifizierungen kosten. Diese sind laut Ministerpräsident Markus Söder eng mit dem Wohlstand verknüpft, darum brauche es "mehr Speed und mehr Spirit" beim Umbau der Industrie, so Söder.

"Ich halte es für elementar wichtig, dass wir auch in Genehmigungsverfahren Beschleunigung schaffen - wenn es zum Beispiel um KI geht, autonomes Fahren oder die Zulassung neuer Modelle." Markus Söder, Ministerpräsident

IG Metall reagiert zurückhaltend

Sabina Jasula vom Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen beschreibt die Situation für die vielen kleinen Zuliefererfirmen als herausfordernd, das Ziel bleibe aber, die Arbeitsplätze nachhaltig in Deutschland zu sichern. Deshalb begrüßt sie die Weiterbildungsoffensive, die beim Zukunftsforum vereinbart wurde.

Wasser in den Wein des Automobil-Treffens goss der Bezirksleiter der IG Metall, Johann Horn. Er traut den Zukunftsverheißungen der Unternehmen nicht und nennt die Ergebnisse durchwachsen.

Wie gut die bayerischen Automobilfirmen den Wandel hinbekommen, ist also noch nicht ausgemacht. Die heutigen Abmachungen sollen in den kommenden drei Jahren umgesetzt werden. Bis dahin, fürchtet Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, könnte noch das eine oder andere Unternehmen aufgrund der schlechten Auftragslage weitere Stellen abbauen.

© BR

Der Freistaat soll Autoland bleiben – so das Fazit nach dem zweiten Zukunftsforum Automobil in der Münchner Akademie der Wissenschaften. Dafür will Bayern mehr als 300 Millionen Euro für die Automobilindustrie in die Hand nehmen.