Die Bergung nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen läuft noch immer. Beim Anheben eines der verunglückten Waggons wurde ein fünftes Todesopfer entdeckt.
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Die Bergung nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen läuft noch immer.

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Entsetzen nach Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen

Die Bergung nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen läuft noch immer – mittlerweile gibt es fünf Todesopfer. Ministerpräsident Söder, Bundesverkehrsminister Wissing und Bahnchef Lutz zeigten sich vor Ort bestürzt und dankten den Einsatzkräften.

Nach dem schweren Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen mit mehreren Toten und zahlreichen Verletzten gehen die Ermittlungen und Bergungsarbeiten an der Unfallstelle weiter. Am Samstagnachmittag wurde bei der Bergung eines der verunglückten Waggons ein fünftes Todesopfer entdeckt. Das teilte die Polizei mit.

Am Freitagmittag waren mehrere Waggons der Regionalbahn auf dem Weg nach München entgleist. Mehrere Doppelstock-Wagen des Zugs kippten um, rutschten eine Böschung hinab und blieben direkt neben einer Bundesstraße liegen. Die Ursache des Unglücks war auch am Tag danach noch unklar.

Söder dankt Rettungskräften für "hoch professionellen" Einsatz

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besuchte am Samstagvormittag die Unglücksstelle und sprach von schweren Stunden. Söder sagte: "Die Bilder verdeutlichen noch einmal die Dramatik und die besondere Schwere dieses Unglücks. Wir beten jetzt und hoffen sehr, dass wir unter dem Waggon keine weiteren Toten finden."

Der Ministerpräsident bedankte sich bei allen Einsatzkräften. Was sie – noch dazu in kürzester Zeit – geleistet hätten, sei "unglaublich, fast schon übermenschlich und hoch professionell". Er dankte Feuerwehr, Polizei, THW, Rotem Kreuz und der Bundeswehr und ausdrücklich auch allen Ehrenamtlichen für ihre "großartige Leistung".

Video: Ministerpräsident Söder am Unglücksort

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besuchte am Samstagvormittag die Unglücksstelle und sprach von schweren Stunden.
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besuchte am Samstagvormittag die Unglücksstelle und sprach von schweren Stunden.

Jetzt müsse ermittelt werden, was die Ursache für das Unglück war, so Söder. "Zunächst ist für uns aber wichtig, dass alle, die verletzt sind, bald wieder gesunden." Das gelte auch für alle, die das Unglück miterleben mussten: "Auch wenn sie nicht verletzt sind, haben sie womöglich Wunden an der Seele."

Vier Todesopfer weiblich, eins männlich

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte im Interview mit der Bayern 2-radioWelt, bei den Todesopfern handele es sich um erwachsene Frauen. Es würden noch etwa sieben Menschen vermisst. Es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass sich unter den umgekippten Waggons noch Tote befinden. "Der Waggon, der völlig verschrottet ist, muss auf die danebenliegende Bundesstraße gehoben werden, aber bislang ist das noch nicht gelungen". Zum Zeitpunkt des Interviews waren vier Leichen geborgen worden. Laut Polizeiangaben vom Samstagnachmittag handelt es sich beim fünften Todesopfer um eine männliche Person.

Ein Pressesprecher der Polizei sagte dem BR, über die jetzt noch Vermissten wisse man derzeit nichts. Es könne sein, dass die Personen – oder einige von ihnen – noch unter den drei entgleisten Waggons liegen. Es könne aber auch sein, dass sie nach Hause oder zu einem anderen Ziel gefahren sind. 44 Personen wurden laut Polizei verletzt. Drei von ihnen gehe es sehr schlecht, so der Sprecher.

Die Bergung der entgleisten Waggons mit Kränen gestaltet sich weiter schwierig. Die drei umgestürzten Waggons seien ineinander verkeilt, so der Polizeisprecher, und stünden daher unter starker Spannung, die sich bei einer Bergung lösen könne. Ein besonders leistungsfähiger Kran aus Norddeutschland ist auf dem Weg an die Unglücksstelle. Er wird über die Schienen antransportiert.

Video: Bergungsarbeiten gestalten sich als schwierig

Stephen Jaklitsch vom THW im Interview mit BR24
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Die Bergungsarbeiten gestalten sich als schwierig

Wissing und Bahnchef Lutz versprechen Aufklärung

Nach dem die Bergung eines Waggons abgeschlossen war, traten Verkehrsminister Wissing, Bahnchef Lutz und der Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Manfred Hauser, sichtlich mitgenommen vor die Kameras. Von weiteren Opfern gehe man zwar derzeit nicht aus, so der Polizeipräsident. Abschließend könne dazu aber noch nichts gesagt werden. Bundesverkehrsminister Volker Wissing sagte: "Wir stehen tief bewegt an dieser Unfallstelle. Das Ausmaß ist dramatisch." Seine Anteilnahme gelte den Opfern, den Verletzten und ihren Familien. Er habe sich mit den Einsatzkräften und den Fachkräften der Bahn eng ausgetauscht, so Wissing weiter. Das "dramatische Ereignis" werde umfassend untersucht und aufgeklärt, erst dann könne man Schlüsse daraus ziehen.

"Tief betroffen und bestürzt" zeigte sich Bahn-Chef Richard Lutz: "Unsere Gedanken, unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gilt den Opfern und den Hinterbliebenen." Er bedankte sich bei den Hilfs- und Rettungskräften, "vor allem auch den Ehrenamtlichen, die in schwieriger Situation Außergewöhnliches geleistet und Menschenleben gerettet haben". Wie genau die Strecke freigeräumt wird, wie lange sie gesperrt sein wird und wie lange die Bergungs- und Aufräumarbeiten dauern, konnte Lutz noch nicht sagen.

Video: Bundesverkehrsminister Wissing und Bahnchef Lutz am Unglücksort

Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Bahn-Chef Richard Lutz haben die Unglücksstelle in Garmisch-Partenkirchen besucht. Mit dabei: Manfred Hauser, Polizeipräsident des Präsidiums Oberbayern Süd.
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Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Bahn-Chef Richard Lutz haben die Unglücksstelle in Garmisch-Partenkirchen besucht.

Die Polizei rechnet mit langanhaltenden Ermittlungen. Neben der Bergung der Opfer und Versorgung der Verletzten stehen nun die Untersuchungen zur Unglücksursache im Mittelpunkt. Man stelle sich auf "langwierige Ermittlungen" ein, sagte ein Polizeisprecher.

Laut Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) waren am Unglück weder ein zweiter Zug noch ein anderes Fahrzeug beteiligt. In der radioWelt ergänzte Bernreiter, man müsse "davon ausgehen, dass irgendeine technische Ursache entweder am Fahrzeug oder am Gleis die Ursache" sei. Die Strecke war nach Angaben eines Bahnsprechers mit elektronischen Stellwerken und moderner Sicherungstechnik ausgerüstet.

Verkehrsprobleme wahrscheinlich bis Wochenmitte

Das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen kündigte an, dass bis zum Ende der Bergungsarbeiten voraussichtlich Mitte nächster Woche auch der Autoverkehr in der Region von Behinderungen betroffen sein werde. So soll weiterhin der Verkehr von der Autobahn 95 großräumig umgeleitet werden, die Fernstraße bleibt in Richtung Süden gesperrt.

Münchens Kardinal Reinhard Marx sagte am Freitagabend, er sei "schockiert und traurig, dass bei diesem schlimmen Unfall Menschen aus der Mitte des Lebens gerissen, getötet oder teilweise schwer verletzt wurden". Der Verlust, den die Angehörigen der Verstorbenen zu erleiden hätten, sei "schwer erträglich und mit Worten nicht begreifbar zu machen".

Video: BR24live vom Samstag, 4. Juni, 13.00 Uhr

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Die Bergung nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen läuft noch immer.

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