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Zugunglück Aichach: Nicht allen reicht Stellwerks-Modernisierung | BR24

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Zwei Tote und dreizehn Verletzte: Das ist die traurige Bilanz eines Unfalls am Bahnhof des schwäbischen Aichach vor einem Jahr.

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Zugunglück Aichach: Nicht allen reicht Stellwerks-Modernisierung

Nach dem tödlichen Zugunglück von Aichach wird jetzt das Stellwerk dort modernisiert. Die Bayerische Regiobahn begrüßt das, doch Hinterbliebenen gehen die Pläne nicht weit genug.

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Dass die Deutsche Bahn ältere Stellwerke technisch erneuern will, wird positiv aufgenommen bei der Bayerischen Regiobahn (BRB). Sie hatte den Regionalzug betrieben, der vor einem Jahr in Aichach auf einen Güterzug aufgefahren war. Ein BRB-Sprecher hat jetzt im BR-Interview die Modernisierungsinitiative der DB gelobt – aber auch als „sehr, sehr nötig“ bezeichnet.

Höchste Eisenbahn für die Modernisierung

Die Eisenbahn sei zwar eines der sichersten Verkehrsmittel, aber eine Modernisierung sei erforderlich. Dem Sprecher zufolge wünscht sich die BRB, dass das Stellwerk in Aichach bei Augsburg als eines der ersten nachgerüstet wird. Die DB will in den nächsten fünf Jahren bundesweit rund 600 Stellwerke modernisieren. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten an etwa 50 Standorten beginnen.

Bisher Kontrolle auf Sicht

Wie ein Konzernsprecher dem BR sagte, zählt unter anderem das Stellwerk in Aichach dazu. Die neue Technik sei schon an zwei Standorten erprobt worden. Einer von ihnen sei das oberbayerische Utting. Zurzeit werden die Tests dem Sprecher zufolge ausgewertet, die Ergebnisse sollen in Kürze vorliegen: „Da es sich um eine neu entwickelte Technik handelt, gehen wir selbstverständlich bei diesem Thema auf ‚Nummer sicher‘.“ Bisher kontrollieren die Fahrdienstleiter in älteren Stellwerken auf Sicht, welche Gleise frei sind. In Zukunft soll ihnen moderne Technik dabei helfen. Konkret soll zum Beispiel mithilfe eines sogenannten Achszählers elektronisch ermittelt werden, ob ein Gleis frei oder belegt ist.

Kritik von Hinterbliebenen des Zugunglücks

Kritikern gehen die Pläne der Deutschen Bahn nicht weit genug. Zu ihnen zählt Daniel Scheerer, dessen Mutter vor einem Jahr beim Zugunglück von Aichach ums Leben gekommen ist. Aus seiner Sicht ändern die DB-Pläne nichts an den Ursachen des Problems. Die sieht Scheerer darin, dass die Bahn zu viel Geld für Milliardenprojekte wie Stuttgart 21 ausgebe und zu wenig für die Sicherheit.

Petitionen geplant

Deshalb will der 51-Jährige zwei Petitionen starten, wie er dem BR sagte: eine mit dem Ziel, dass Stellwerke künftig flächendeckend auf dem Stand der Technik sein müssen. Die andere mit dem Ziel, das Netz der Deutschen Bahn zu verstaatlichen und so mehr Investitionen in die Sicherheit zu ermöglichen. Die DB gehört dem Bund, hat aber die Rechtsform einer Aktiengesellschaft.

Zwei Tote beim Zugunglück von Aichach

Vor einem Jahr, am 7. Mai 2018 war am Bahnhof von Aichach eine Regionalbahn der BRB ungebremst auf einen stehenden Güterzug gefahren. Der 37 Jahre alte Lokführer des Regionalzugs und eine 73 Jahre alte Passagierin kamen ums Leben. 13 Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Der verunglückte Regionalzug wurde von der Bayerischen Regiobahn betrieben, das Stellwerk gehört der Deutschen Bahn.