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Bildrechte: MEV/Bernd Müller

Der Mangel an Halbleiterkomponenten auf dem Markt trifft Autobauer wie BMW besonders stark. Das Unternehmen hat nun reagiert - die Produktion am Standort Dingolfing wird gedrosselt.

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Zu wenig Chips - BMW drosselt Produktion am Standort Dingolfing

Der Mangel an Halbleiterkomponenten auf dem Markt trifft Autobauer wie BMW besonders stark. Das Unternehmen hat nun reagiert - die Produktion am Standort Dingolfing wird ab der kommenden Woche gedrosselt.

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Von
  • Kilian Neuwert
  • BR24 Redaktion

Der Autobauer BMW wird seine Produktion am Standort Dingolfing (Lkr. Dingolfing-Landau) in der kommenden Woche drosseln. Vom 14. bis 18. Juni solle vorübergehend nur im Einschichtbetrieb produziert werden, teilt das Unternehmen mit. Normalerweise wird in Dingolfing in zwei Schichten gearbeitet.

Fehlende Computerchips

Als Grund für die kurzfristige Umstellung der Produktion nennt BMW Engpässe bei Bauteilen. Konkret bei Halbleiterkomponenten, also Computerchips. Diese sind derzeit weltweit ebenso gefragt wie knapp. Die Autos, die wegen der Änderungen nicht produziert werden können, sollen der Mitteilung zufolge im Laufe des Jahres gefertigt werden.

In Dingolfing unterhält BMW seinen größten Produktionsstandort in Europa. Nach Unternehmensangaben werden dort täglich etwa 1.500 Autos gebaut. In der Region ist BMW der größte Arbeitgeber. Über 18.000 Menschen arbeiten im Werk.

Auch andere Werke betroffen

Von der aktuellen Situation ist aber nicht nur der niederbayerische Standort betroffen: Auch im BMW-Werk Regensburg werden in der kommenden Woche einzelne Schichten entfallen, wie eine Sprecherin auf Nachfrage erläuterte. Arbeiter werden zunächst Überstunden abbauen. Man versuche aber "jede Schicht zu retten", sagte die Sprecherin. In Regensburg fertigt BMW unter anderem die Modelle X1 und den 1er.

Werk in Landshut spürt kaum Auswirkungen

Im Landshuter BMW-Werk werden unterdessen nur geringe Auswirkungen der Situation erwartet. Anders als an den beiden anderen ostbayerischen BMW-Standorten werden dort Fahrzeugkomponenten und keine kompletten Autos gefertigt. Die rund 3.600 Mitarbeiter arbeiten unter anderem an Motoren oder Fahrwerken. Diese werden später an einem anderen Standort verbaut. Kleinere Anpassungen in einzelnen Produktionsbereichen sind einer Unternehmenssprecherin zufolge zwar auch in Landshut nicht auszuschließen, umfangreiche Änderungen seien derzeit aber nicht geplant.

Probleme auch in der jüngsten Vergangenheit

In der Vergangenheit musste BMW seine Fahrzeugproduktion bereits einmal an zwei Standorten komplett aussetzen. Ende April standen die Bänder in Regensburg und im englischen Oxford für zwei beziehungsweise drei Tage still. Nach Unternehmensangaben vom April handelte es sich zu diesem Zeitpunkt um den ersten Produktionsstopp bei BMW, weil Chips fehlten. Zuvor waren bereits andere Autohersteller betroffen - etwa Audi und Daimler.

Boom bei Chipherstellern

Beobachter führen die Lieferengpässe auf die weltweit stark gestiegene Nachfrage nach Computerchips zurück. Die Chip-Industrie erlebt derzeit einen Boom, kann die Bedürfnisse ihrer Kunden aber nur unzureichend bedienen. Die Produktionskapazitäten reichen derzeit offenbar nicht aus, der Aufbau neuer Fabriken gilt als äußerst komplex, teuer und zeitintensiv. Im Zuge der Corona-Pandemie kam es zudem zeitweise zu Fertigungsausfällen an Standorten oder zu Unterbrechungen der Lieferketten. Eine Kältewelle in den USA legte unterdessen Werke lahm. Auch das führte zu einer Verschärfung der Situation.

Vor allem Elektroautos brauchen Chips

Als Gründe für die gestiegene Nachfrage gelten zum einen der größere Bedarf an Chips in modernen Fahrzeugen – insbesondere in Elektroautos. Zum anderen werden Halbleiter auch für Alltagsgeräte vom Mobiltelefon bis zur Spülmaschine benötigt. Hersteller solcher Geräte hatten auch im vergangenen Jahr groß eingekauft und den Markt auf diese Weise leergefegt, während Autokonzerne ihre Bestellungen mitunter reduziert hatten. Beobachtern zufolge geschah dies, weil die Fahrzeug-Verkaufszahlen während der ersten Corona-Welle 2020 einbrachen und parallel dazu gespart wurde wo möglich.

Unterhaltungsindustrie gegen Autobauer

Verschärft wird die Konkurrenzsituation dadurch, dass die Hersteller von Kommunikations- und Unterhaltungselektronik inzwischen zu so etwas wie den Premium-Kunden der Chip-Industrie geworden sind. Sie nehmen laut Analysten mehr und teurere Chips ab als die Autoindustrie.

Der Mangel kann teuer werden

Die Automobilindustrie könnten die Engpässe in diesem Jahr international noch teuer zu stehen kommen. Zumindest dann, wenn eine Prognose der Unternehmensberatung Alix Partners zutrifft. In einer auf aktuellen Daten basierenden Analyse kommen die Berater zu dem Schluss, dass 2021 fast vier Millionen Fahrzeuge weniger produziert werden könnten, weil die Halbleiterversorgung offenbar schlechter ist als zunächst angenommen. Das entspricht Alix Partners zufolge einem Wert nicht produzierter Fahrzeuge von rund 91 Milliarden Euro – fast doppelt so viel wie von der Unternehmensberatung noch Ende Januar geschätzt.

BMW betont hingegen, die für die diesjährige Produktion benötigten Chips rechtzeitig bestellt zu haben. Man sei in Kontakt mit den Lieferanten und erwarte eine vertragsgerechte Lieferung, heißt es in einer Mitteilung.

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