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Zu viel Müll in Bayern: Verbrennungsanlagen am Limit | BR24

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Das Wirtschaftswachstum, zu wenig Mülltrennung und der Trend zu Einwegprodukten - das alles führt dazu, dass ein Großteil der bayrischen Müllheizkraftwerke an der oder über ihrer Kapazitätsgrenze arbeitet.

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Zu viel Müll in Bayern: Verbrennungsanlagen am Limit

Der Wirtschaftsboom und eine unzureichende Mülltrennung haben nach Ansicht der bayerischen Entsorgungsunternehmen zu einem Engpass bei der Müllverbrennung geführt. Darüberhinaus sind die Probleme mindestens so vielfältig wie das Einsparpotenzial.

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Das Wirtschaftswachstum, zu wenig Mülltrennung und der Trend zu Einwegprodukten - das alles führt dazu, dass ein Großteil der bayerischen Müllheizkraftwerke an der oder über ihrer Kapazitätsgrenze arbeitet. So berichten es Verantwortliche aus der Entsorgungswirtschaft laut der Deutschen Presse-Agentur.

Immer mehr Müll in Bayern

14 Müllverbrennungsanlagen gibt es im Freistaat, sie alle werden von Kommunen betrieben. Jedes Jahr steigen die Müllmengen um zwei bis drei Prozent. Laut Gesetz muss vorrangig der Hausmüll entsorgt werden. Das führt dazu, dass mehrere Anlagen keine Gewerbeabfälle mehr annehmen, besonders für Handwerker eine schwierige Lage, weil sie ihren Müll nicht mehr loswerden.

Brexit könnte Müllbranche entlasten

Ein No-Deal-Brexit, ein Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union ohne vertragliche Regelungen, gilt für die meisten dies- und jenseits des Ärmelkanals als besonders unheilvoll. Nicht so in der Müllbranche. Denn der nach Deutschland aus dem Ausland importierte Müll kommt zum Großteil von der britischen Insel. "Die haben selbst zu wenig Verbrennungsanlagen und sind aus purer Not heraus bereit, ordentliche Preise für die Entsorgung zu bezahlen", sagt der Geschäftsführer des Verbands der bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS), Rüdiger Weiß. In der Branche gebe es bei einigen die stille Hoffnung, dass ein No-Deal-Brexit eine Entlastung an der Müll-Front bringe.

Biomülltonnen könnten viel Müll einsparen

Zudem würden noch immer in einigen Landkreisen Küchen- und Gartenabfälle nicht getrennt erfasst - trotz der nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz eigentlich geltenden Verpflichtung. "Allein durch die Einführung von Biomülltonnen in diesen Gebieten könnten in Deutschland vier Millionen Tonnen Müll eingespart werden - in Bayern wären das etwa 0,8 Millionen Tonnen", sagt Weiß.

Kunststofffolien der Landwirtschaft in der Kritik

Enormes Einsparpotenzial ergäbe sich auch, wenn die in der Landwirtschaft eingesetzten Kunststofffolien, etwa auf Spargelfeldern, wiederverwendet würden. Ganz zu schweigen von den 2,8 Milliarden Einwegbechern, die laut Umweltbundesamt jedes Jahr im Müll landen. "Braucht es die wirklich oder könnte man die nicht ganz verbieten oder wenigstens verteuern?", fragt der Müllmanager.

Bayerische Müllverbrennungsanlagen störanfällig

Sorgen bereitet den Entsorgern außerdem der Klärschlamm. Die 2017 in Kraft getretene neue Düngeverordnung schreibt höhere Grenzwerte vor. Das heißt, die Bauern dürfen deutlich weniger Klärschlamm auf ihren Feldern ausbringen, der Rest wird verbrannt.

Und, die Müllverbrennungsanlagen im Freistaat sind dem Verband der Entsorger zufolge vergleichsweise alt und deshalb störanfällig. Für Revisionsarbeiten stünden deshalb einige von ihnen immer wieder still. Die anderen müssen einspringen.