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Zu schweres Mathe-Abitur? Lehrerverband rät zu Gelassenheit | BR24

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Nach Kritik über angeblich zu schwere Aufgaben beim Mathe-Abitur hat das bayerische Kultusministerium noch nicht über das weitere Vorgehen entschieden. Unterdessen wurde im Internet eine Petition gestartet.

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Zu schweres Mathe-Abitur? Lehrerverband rät zu Gelassenheit

Nach den heftigen Schülerprotesten gegen das vermeintlich zu schwere Mathe-Abitur rät der Deutsche Lehrerverband zu Gelassenheit. Auch der Bayerische Philologenverband zeigt sich überrascht über die Reaktionen. Die Ergebnisse seien völlig im Rahmen.

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In der Diskussion über das Mathe-Abitur mahnt der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, Michael Schwägerl, zur Ruhe. "Das Gefühl, dass die Abiturprüfung, die man gerade geschrieben hat, die schwerste ist, ist verständlich. Und es ist klar: die eigene ist immer die schwerste", sagte er der radioWelt am Morgen auf Bayern2. Die Erfahrung der Vorjahre zeige jedoch, dass der Durchschnitt im Mathe-Abitur in den letzten Jahren konstant war und sich jeweils nur um wenige Hundertstel-Noten unterschieden habe. Schwägerl erwarte in diesem Jahrgang somit keine signifikante Abweichung von diesem Durchschnitt.

In mehreren Bundesländern, auch in Bayern, hatten sich Schüler über den Schwierigkeitsgrad der Mathe-Aufgaben beschwert und mit Online-Petitionen an ihre Kultusministerien gewandt. In der Petition wird kritisiert, dass das Niveau der Prüfungen stark schwanke.

Bis zu 20 Prozent anspruchsvollere Mathe-Aufgaben normal

Schwägerl, dessen Verband Gymnasiallehrer in Bayern vertritt, verwies auf folgenden Punkt: "Ein zumutbarer Anteil von problemorientierten, vielleicht auch anspruchsvolleren, nicht Standardaufgaben, der ist ja vorgesehen. Der ist natürlich nicht komplett festgelegt – aber ein Anteil von zehn, 20 Prozent auf alle Fälle." Schließlich strebten die Abiturienten ja die Allgemeine Hochschulreife an. Und dazu bedürfe es mehr als einer simplen Reproduktion nach Rezept, sagte Schwägerl.

Er sei "wirklich überrascht über diese Reaktionen". Aber natürlich könne man den Schwierigkeitsgrad des Mathematik-Abiturs überprüfen. Die letzte Entscheidung, ob die Benotung verändert wird, fällt nach seinen Worten der Kultusminister.

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Michael Schwägerl, Präsident des Bayerischen Philologenverbandes, reagiert zurückhaltend auf Forderungen, die Noten des Mathe-Abiturs in Bayern anzupassen. Er habe von Kollegen gehört, die Aufgaben seien machbar gewesen.

Lehrerverband: Schnellkorrektur ohne Auffälligkeiten

Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, rät zu Gelassenheit. Bei vielen Mathematikaufgaben werde bei der Fragestellung von den Schülern ein gewisses Textverständnis vorausgesetzt. Das bereite vielen Schülern jedoch Probleme, erklärte Meidinger, der selbst Gymnasiallehrer und Schulleiter am Robert-Koch-Gymnasium in Deggendorf ist.

"Im Internet lassen sich Erregungen momentan sehr schnell mobilisieren. Bei Abiturprüfungen gibt es immer Schwankungen. Bisher gibt es aber keine Anzeichen, dass die Aufgaben insgesamt zu schwer waren. Erste Rückmeldungen von Lehrern nach einer Schnellkorrektur zeigen, dass die Ergebnisse des Mathe-Abiturs im Rahmen seien." Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, im Bayerischen Rundfunk

BLLV: "Eklatant viele" Schüler sind nicht fertig geworden

Der Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband ist anderer Meinung. Die Schüler hätten nach Ansicht mehrerer Lehrer zu wenig Zeit bei der Bewältigung der Prüfungen in Mathematik gehabt, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. So habe es in einem Teil der Prüfung sehr viel Text gegeben, der zum Teil auch unnötig gewesen sei. "Eklatant viele" Schüler seien deswegen nicht rechtzeitig fertig geworden.

Fleischmann erklärte, dass es außerdem mehr Hürden in den Rechenaufgaben gegeben habe als in den Jahren zuvor. Selbst Mathelehrer hätten keine einzige Aufgabe im Kopf rechnen können, was bisher teilweise immer möglich gewesen sei.

Piazolo: Ruhe bewahren und Fokus auf nächste Prüfungen richten

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) appellierte an die Schüler, sich auf die kommenden Aufgaben zu konzentrieren. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sagte er: "Das Abi in Mathe ist jetzt gelaufen, die anderen Prüfungen kommen noch. Es ist auch ganz wichtig, da Ruhe zu bewahren und den Fokus auf die nächsten Prüfungen zu richten."

Der Politiker der Freien Wähler kündigte an, dass die Mathe-Tests zeitnah überprüft werden – allerdings nicht von ihm selbst, weil er das nicht beurteilen könne: "Das sind Spezialisten im Bereich Mathematik, das sind unsere Ministerialbeauftragten, das sind auch diejenigen, die korrigieren. Und dann werden wir das intensiv, auch schon heute, miteinander besprechen und die Ergebnisse auswerten."

Piazolo: Petition ernst nehmen, Ergebnisse auswerten

Piazolo versicherte, die Petition ernst zu nehmen. "Wir schauen uns die Aufgaben nochmals an, wir gucken, wie die Bewertungen sind und dann wird entschieden – je nachdem, wie auch die Noten ausfallen." Wenn es hier keine großen Abweichungen gegenüber den Vorjahren geben sollte, dann gäbe es keinen Bedarf, etwas zu ändern. "Wenn es anders sein sollte, denken wir darüber nach", sagte der Minister.

Petition mit mehr als 50.000 Unterschriften

Schüler mehrerer Bundesländer wehren sich gegen angeblich zu schwere Abiturprüfungen im Fach Mathematik. In Bayern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und dem Saarland sowie in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt beschwerten sie sich mit Online-Petitionen darüber. Allein die bayerische Petition wurde bislang mehr als 50.000-mal unterschrieben.

"Wir Abiturienten bitten darum, den Notenschlüssel des Mathematik-Abiturs in Bayern 2019 zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen." Aus der Petition

Begründet wird dies mit Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen habe. Dies betreffe vor allem Geometrie und Stochastik. Kultusminister Michael Piazolo hat angekündigt, den Bewertungsschlüssel fürs Mathe-Abitur zeitnah und sorgfältig überprüfen zu wollen.

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Kultusminister Piazolo rät nach dem vermeintlich zu schweren Mathe-Abitur: "Ruhe bewahren!"