BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Zu Besuch in der Kerzenwerkstatt in Fürth | BR24

© BR

Die Tage werden wieder früh dunkel, die Abende länger. Die ideale Zeit fürs Kerzengeschäft. Normalerweise zieht Claudia Mallmann aus Fürth mit ihren Kerzen von Markt zu Markt. Aber die fallen dieses Jahr alle aus und sie muss umdenken.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Zu Besuch in der Kerzenwerkstatt in Fürth

Die Tage werden kürzer, die Abende länger. Die perfekte Jahreszeit für das Kerzengeschäft. Claudia Mallmann aus Fürth fertigt seit etlichen Jahren Kerzen an und verkauft diese normalerweise auf Weihnachtsmärkten. Wegen Corona musste sie umdenken. 

Per Mail sharen

In Claudia Mallmanns Kerzenwerkstatt ist alles im Fluss. Zwischen 60 und 72 Grad muss das Bienenwachs heiß sein, damit es zu einer Kerze verarbeitet werden kann. Mit einer Kanne holt die Fürtherin das flüssige Wachs aus einem Topf. Dann gießt sie es über eine schmale Rinne in eine tannenzapfenförmige Silikonform, in die vorher der Docht eingesetzt wurde. Der Docht sei das Wichtigste an Kerzen, erklärt Claudia Mallmann, während sie die Silikonform mit einer Wäscheklammer an eine Leine zum Austrocknen hängt.

Das Geheimnis einer Kerze ist der Docht

Der Docht nämlich ist dafür zuständig, dass die Kerze gleichmäßig abbrennt. Ist der Docht zu lang, rußt die Kerze. Ist er zu kurz, lässt sie sich nicht anzünden. Außerdem gibt es viele verschiedene Arten von Dochten: Rund und flach, gewachst und ungewachst können sie sein. Welcher Docht für welche Kerze passt, erklärt Claudia Mallmann normalerweise in Workshops in ihrer Werkstatt. Hier empfängt sie gerne Schulklassen, die bei ihr das Kerzentauchen lernen können. Wegen Corona aber hat sie die Workshops eingestellt.

Weihnachtsmarktverkauf ist wegen Corona nicht möglich

Und auch der Kerzenverkauf auf Weihnachtsmärkten ist coronabedingt passé. "Ich musste tatsächlich umdenken. Ich habe jetzt die Kerzenwerkstatt etwas umgestaltet. Normalerweise stehen hier Paletten mit ganz vielen Kisten für die Weihnachtsmärkte. Jetzt habe ich alle Kerzen mal ausgepackt, um zu zeigen, was es hier gibt und werde wahrscheinlich hier jetzt auch die Kerzen verkaufen können", erzählt sie.

In der Kerzenwerkstatt gibt es viele unterschiedliche Kerzen

Von der Kerzen-Manufaktur zum Ladengeschäft: Für ihre zukünftige Laufkundschaft hat Claudia Mallmann ein breitgefächertes Angebot in der Fürther Südstadt geschaffen: Nach Zimt duftende Gewürzkerzen, bunten Windlichter und pastellfarbene Lotuskerzen zieren die deckenhohen Regale in der Werkstatt.

Beim ersten Lockdown lief die Produktion noch auf Hochtouren

Im März beim ersten Lockdown standen sie hier noch zu dritt und produzierten Kerzen in allen möglichen Varianten, erzählt Claudia Mallmann. Jetzt ist nur noch sie übrig. Staatliche Hilfe aber will sie nicht beanspruchen. Sie habe im vergangenen Jahr auf den Weihnachtsmärkten ganz gut verdient, damit komme sie erst einmal über die Runden. “Es sind jetzt andere Sachen, die man machen kann“, sagt sie. So fertigt sie jetzt eben viele individuelle Kerzen, anlassbezogen. Zum Beispiel für Geburtstage oder für Restaurants.

Kerzen gießen, tauchen oder ziehen – Claudia Mallmann fertigt Kerzen aus Leidenschaft

Seit den 1980-er Jahren schon beschäftigt sich Claudia Mallmann mit dem Herstellen von Kerzen. Was als Studentenjob begann, wurde schnell zum Hauptberuf. Die Leidenschaft für das Produkt ist geblieben. Das sieht man auch, wenn man Claudia Mallmann beim Ziehen filigraner Stabkerzen zuschauen kann. Langsam und vorsichtig taucht sie einen langen weißen Docht immer wieder in einen großen runden Topf, der mit heißem flüssigem Bienenwachs gefüllt ist. “Man kann jetzt nicht rasch hintereinander eintauchen, sondern man muss es vorher abkühlen lassen, sonst hält die nächste Schicht nicht, und man sieht, wie etwas wächst“, erklärt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Schicht um Schicht schließt sich das Wachs um den Docht. Was entsteht, ist so viel mehr als eine neue Kerze. Für Claudia Mallmann ist es ist auch ein Symbol für Hoffnung und Besinnlichkeit. Ein wunderbares Zeichen – gerade in dieser außergewöhnlichen Vorweihnachtszeit.

© BR/Nicole Schmitt

Claudia Mallmann fertigt Kerzen in ihrer Manufaktur in Fürth.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!