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Zerstörung von Biberdämmen ist kein Kavaliersdelikt | BR24

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Biberdämme zu zerstören ist eine Straftat.

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Zerstörung von Biberdämmen ist kein Kavaliersdelikt

Er ist streng geschützt – wird aber auch von vielen gehasst: der Biber. Im Landkreis Dillingen etwa, werden immer wieder Dämme und Bauten zerstört. Dafür drohen bis zu 50.000 Euro Geldbuße oder sogar eine Freiheitsstrafe.

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Leonhard Schaudi ist ehrenamtlicher Biberbeauftragter im Landkreis Dillingen - und er hat gut zu tun. Denn während sich die einen um das Tier bemühen, wird es von anderen gehasst. Denn der Biber kann großen Schaden anrichten. Davon sind meist Landwirte betroffen.

Im Landkreis ist das Tier seit Jahren aktiv. Deshalb dürfen Biberdämme an besonders betroffenen Stellen zerstört werden, nicht aber der Biber-Bau. Den Unterschied muss ein Experte wie Schaudi beurteilen.

"Alles platt gemacht"

Wegen eines konkreten Falls wurde er von einem Anwohner kontaktiert. Doch viel erkennen kann Schaudi nicht mehr: "Da wurde großflächig einplaniert. Ich kann jetzt nicht sagen ob das eine Burg gewesen ist. Weil das ist alles einfach bloß platt."

Ein Baggerfahrer hat ganze Arbeit geleistet: Die gesamte Uferzone ist niedergewalzt. "Also wenn die tatsächlich den Bau so zugepflastert haben und das seit zwei Wochen, dann ist der da drin verhungert, die ganze Familie", erklärt Schaudi.

Zerstörung von Biberdämmen gefährdet auch andere Lebewesen

Deshalb ermittelt jetzt die Polizei – wie auch am Nebelbach in Unterliezheim: Dort hat jemand ebenfalls mutwillig einen Biberbau zerstört – wohl aus Angst vor Überschwemmungen. In diesem Fall besonders schlimm: Dort lebt nicht nur der Biber, sondern auch die strengstens geschützte Bachmuschel und im Sommer trocknet der Bach oft fast aus.

Mit dem Biberdamm hätte für die Muschel wertvolles Wasser gestaut werden können, erklärt Schaudi. Doch weil dieser jetzt nicht mehr existiert, "sind die Muscheln zum Sterben verurteilt", erklärt er. Deswegen sei es wichtig, dass ein neuer Damm entstehe.

Entschädigungsfonds für Biber-Opfer

Daran arbeitet der Biber schon, so leicht lässt er sich nicht vertreiben. Eine Solche illegale Zerstörungsaktion hat also keinen langfristigen Erfolg und bringt nur Probleme mit sich, wenn man erwischt wird. Es drohen bis zu 50.000 Euro Strafe, oder bei vorsätzlichem Handeln sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Und doch passiert es immer wieder, weil viele den Nager loswerden wollen. Um die 500 Tiere, schätzt die Untere Naturschutzbehörde, gibt es im Landkreis Dillingen: Sie sorgen für überschwemmte Felder, unterhöhlen Wege, nagen Bäume an.

Wie im Wald von Josef Straub bei Pfaffenhofen. An die 200 etwa zehn Jahre alten Bäume hat der Biber gefällt. Für solche und andere Schäden gibt es in Bayern einen Biber-Entschädigungsfonds von 450.000 Euro. Doch die reichen nicht aus. Im Jahr 2018 konnten nur 71 Prozent der Schäden erstattet werden.

Im Zweifel die Behörden rufen

Schaudi kennt die Probleme – dass der Biber Schaden anrichtet, ist ihm bewusst. Trotzdem: Es ist ein streng geschütztes Tier. Wenn es wirklich Probleme gibt, dann rät Schaudi allerdings, ihn oder das Landratsamt zu kontaktieren – damit man nicht mit dem Gesetz in Konflikt gerät.

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