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Zerstören und gleich wieder aussäen: Der Irrsinn um Grünland | BR24

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Grünlandumbruch ein Problem in der Landwirtschaft

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Zerstören und gleich wieder aussäen: Der Irrsinn um Grünland

Wenn Weidebetriebe Ackerflächen in Weiden umwandeln und dort Rinder grasen lassen, verliert der Grund nach fünf Jahren als Grünland den wertvollen Ackerstatus. Um das zu verhindern, pflügen die Bauern um – um gleich danach wieder neu Gras auszusäen.

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Vergangene Woche hat Landwirt Markus Dillinger aus Saal an der Donau im Landkreis Kelheim eine Weide umgewälzt. Er findet das zwar - gelinde gesagt - Schwachsinn. Doch ihm bleibe nichts anderes übrig, sagt er. So wurde innerhalb eines halben Tages aus der grünen Wiese eine erdig-braune Fläche.

Letztes Jahr hat Dillinger auf Weidehaltung umgestellt. Das war schon lange sein Traum und er merkt, dass es den Tieren dadurch besser geht. Um seinen Hof herum sind Äcker. Damit die Kühe dort fressen können, hat er auf den Ackern Gras angepflanzt. Und da beginnt das Problem.

EU-Regel birgt Probleme

Denn eine EU-Regel sagt: Wächst auf einem Acker länger als fünf Jahre nur Gras, verliert der Acker seinen wertvolleren Ackerstatus und wird automatisch zu Dauergrünland. Heißt: Die Fläche muss für immer Grünland bleiben und darf nie wieder als Acker genutzt werden. Doch Dillinger will sich die Möglichkeit offenhalten, auf der Fläche zum Beispiel auch Mais, Getreide oder Kartoffeln anpflanzen zu können. Schließlich wisse man ja nie wie sich die Landwirtschaft und die Nachfrage in den nächsten Jahren entwickelt.

"Wenn ich diese Fläche ins Dauergrünland fallen lasse, dann ist die Fläche anstatt 100.000 Euro pro Hektar nur noch 30.000 Euro wert. Wenn es eine Eigentumsfläche ist, dann habe ich das verloren. Wenn es eine Pachtfläche ist, kann es passieren, dass mich der Verpächter verklagt." Markus Dillinger, Landwirt

Ein Betrieb aus Passau soll bereits zu 60.000 Euro Schadensersatz verurteilt worden sein, weil er den Ackerstatus verfallen hat lassen. Und die einzige Möglichkeit um Ackerstatus zu behalten, ist das Umpflügen – alle fünf Jahre.

Umpflügen hat keinerlei Vorteile

Dillinger ärgert das, weil die bis dahin aufgebaute Humusschicht zerstört wird, Stickstoff und CO2 freigesetzt wird. Außerdem hat er durch das Umpflügen einen Maschinenverschleiß und er verbraucht viel Diesel.

Erst Gras zerstören und direkt danach wieder neu ansäen

Zudem muss er neues Saatgut kaufen. Er darf nämlich direkt nach dem Umpflügen wieder neues Gras aussähen. Schließlich soll bis zum Weideaustrieb im Frühjahr wieder genug Gras für seine Kühe gewachsen sein. Das Zerstören und neu Aussäen geht mit seinem Traktor in einem Aufwasch. Dillinger schätzt, dass ihn diese Aktion über 500 Euro pro Hektar kostet.

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Wenn Weidebetriebe Ackerflächen in Weiden umwandeln und dort Rinder grasen lassen, verliert der Grund nach fünf Jahren als Grünland den wertvollen Ackerstatus. Um das zu verhindern, pflügen die Bauern um – um gleich danach wieder neu Gras auszusäen.

Erosionsschutz durch Wiesen

Ein Gutachter vom Amt für Landwirtschaft überprüft, ob auch wirklich die Weide zerstört wurde. Kein Grasbüschel darf mehr verwurzelt sein. Käme jetzt ein Starkregen, würde diese Fläche keinen Erosionsschutz mehr bieten. Das beunruhigt auch den Bürgermeister von Saal an der Donau, Christian Nerb (Freie Wähler). Seine Gemeinde konnte sich durch die Wiese bisher Rückhaltemaßnahmen zum Schutz vor Überschwemmung sparen. Christian Nerb wäre dafür, dass für Landwirte wie Markus Dillinger Ausnahmen gemacht werden, sodass sie nicht umbrechen müssen.

Keine Änderung der EU-Regel in Sicht

Doch erst Anfang August hat die Bundesregierung mitgeteilt, dass sich an der EU-Regelung wohl nichts ändern wird. Denn die EU will, dass es mehr Dauergrünland gibt, da es ökologisch wertvoller ist als Äcker.

Markus Dillinger und die anderen Bauern, die Weidehaltung auf einem Acker betreiben, setzten jetzt auf die Bayerische Politik und hoffen, dass für sie eine Ausnahme eingeführt werden könnte und sie nicht mehr umpflügen müssen. Der Agrarausschuss im Bayerischen Landtag will demnächst über die Sache sprechen.

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Ein Gutachter überprüft, ob die Grasnarbe zerstört wurde. Kein Grasbüschel darf mehr verwurzelt sein.

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VORHER: So sah die Weide vor dem Umpflügen aus

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NACHHER: So sieht die Weide nach dem Umpflügen aus

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Das Zerstören und das neu Ansäen geht in einem Aufwasch.

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Damit bis zum Frühling wieder Gras auf der Fläche wächst, wird direkt nach dem Zerstören wieder neues Gras angesät.

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