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Nürnberg: Widerstand gegen Sanierung der Zeppelintribüne | BR24

© dpa/pa

Steinerne Tribüne auf dem Nürnberger Zeppelinfeld

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Nürnberg: Widerstand gegen Sanierung der Zeppelintribüne

Seit Jahren wird in Nürnberg darüber diskutiert, ob die Sanierung der Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände durchgeführt werden soll. Der Freistaat beteiligt sich mit rund 21,3 Millionen Euro. Doch es gibt erneut Widerstand.

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Die Stadt Nürnberg will die Bauten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, speziell der Zeppelintribüne und des Zeppelinfeldes, erhalten, um einen wichtigen Lernort der deutschen Geschichte zu schaffen. Seit Jahren plädiert etwa der fränkische Schriftsteller Reinhard Knodt für einen Verfall der Tribüne. Heute äußern sich Politiker der Stadt und des Landes zur Sanierung und - vor allem - noch einmal zu den Kosten.

Kosten stehen fest - Bund und Land unterstützen

Der Erhalt von Zeppelinfeld und -tribüne soll voraussichtlich 85 Millionen Euro kosten. Bereits im vergangenen Jahr sagte der Bund dafür eine Zahlung in Höhe von 42,55 Millionen Euro zu. Die Förderung läuft über neun Jahre. Der Bund übernimmt damit die Hälfte der für die Instandhaltung veranschlagten Kosten. 800.000 Euro sollen bereits in diesem Jahr fließen.

Der Freistaat Bayern beteiligt sich mit rund 21,3 Millionen Euro. Die Zusage erfolgte heute bei einer Pressekonferenz mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) - vorbehaltlich der Zustimmung des bayerischen Landtags. OB Maly sprach von einer damit gegebenen wesentlichen Voraussetzung für das von der Stadt Nürnberg weiter ausgebaute Konzept der Geschichtsvermittlung und der nach vorne gerichteten Bildungsarbeit.

Besonderer Lernort der Geschichte

Maly sieht in der finanziellen Förderung der Sanierung durch den Bund auch eine nötige Unterstützung bei der Mitverantwortung im Umgang mit den Bauten des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes als nationales Erbe.

"Der Erhalt der Bauten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, speziell der Zeppelintribüne und des Zeppelinfeldes, als wichtiger Lernort der deutschen Geschichte ist ein besonderes Anliegen der Stadt Nürnberg und wird, je weniger Zeitzeugen über die NS-Zeit berichten können, immer bedeutender für die Vermittlung historisch-politischer Bildung." Stadt Nürnberg

Die Stadtverwaltung Nürnberg strebt weder den bewussten Verfall noch eine Rekonstruktion des Geländes an. Stattdessen soll der heutige Zustand bewahrt werden, um auch kommenden Generationen die Chance zur Auseinandersetzung zu belassen und einer möglichen Mystifizierung entgegenzuwirken. Die Stadt sieht konkret weitere Erklär-Tafeln vor und vor allem die Öffnung bisher verschlossener Bereiche. So soll einer der 34 Feldtürme sowie der Mittelbau zugänglich gemacht werden. Eine Mischnutzung als Ort für Freizeit- und Sportaktivitäten soll ebenfalls erhalten bleiben.

Gegner der Sanierung plant Bürgerbegehren

Reinhard Knodt verweist seit langem auf rund 140 bis 150 Unterzeichner der "Initiative für den Verfall der Tribüne". Zu viel Aufmerksamkeit widme man seit Jahren diesem ungeliebten Monument. Nun plant er ein Bürgerbegehren gegen die Instandsetzung der maroden Steintribüne und des Zeppelinfeldes. An Maly hat er bereits einen offenen Brief geschickt.

Der fränkische Schriftsteller wünscht sich statt aufwendiger Renovierung ein erweitertes Naturerholungsgebiet, so wie es ursprünglich einmal war. Auch Norbert Frei, Professor für Geschichte an der Universität Jena und ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte in München sprach sich für einen "kontrollierten Verfall" des Zeppelinfelds aus.

Schäden an der Zeppelintribüne sind groß

Nach Angaben der Stadt Nürnberg sind 60 Prozent der Steine an den Fassaden und 80 Prozent der Natursteinblöcke an den Stufen der Zeppelintribüne zerstört. Einzelne Decken im Gebäude müssen durch provisorische Holzkonstruktionen gestützt werden. Mit Zäunen werden Passanten vor herabfallenden Steinbrocken geschützt. Manche Bereiche der Tribüne sind aus Sicherheitsgründen nicht mehr betretbar.

Nach jüngsten Schätzungen besuchen mehr als 300.000 Menschen aus aller Welt jährlich das Gelände, um sich einen unmittelbaren Eindruck von der erhaltenen Propagandaarchitektur der Nationalsozialisten zu verschaffen.

Die Geschichte des Zeppelinfeldes

Das Zeppelinfeld ist so groß wie zwölf Fußballfelder und bot Adolf Hitler für seine Masseninszenierungen spektakuläre Effekte, wie einen Lichtdom mit 150 Scheinwerfern, die senkrecht in den Himmel strahlten. Es wurde von Albert Speer für 200.000 Menschen entworfen.

Den Namen erhielt die Zeppelinwiese durch die Landung eines Luftschiffs im Jahre 1909. Zu jener Zeit diente das Feld als Sport- und Volkspark mit Kleingartenkolonien und einem öffentlichen Bad.

1935 entstand dann nach den Plänen des Architekten Speer das jetzige Zeppelinfeld mit der steinernen Tribüne und der "Führerkanzel“. Nach Ende des Krieges diente das Gelände bis 1995 der US-Armee als Sport- und Paradeplatz.