BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Zentralratspräsident Schuster: "Manche haben nichts begriffen" | BR24

© BR

Der wachsende Antisemitismus hierzulande bereite ihm Sorge. Das sagte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der Rundschau. Hassmails erhalte selbst auch. Verantwortlich dafür sei aber nur eine kleine Minderheit.

44
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Zentralratspräsident Schuster: "Manche haben nichts begriffen"

Anlässlich des heutigen Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus in Würzburg hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, betont, wie wichtig die Erinnerungskultur aus seiner Sicht ist.

44
Per Mail sharen
Von
  • Margit Ehrlich

Gerade seit "von Seiten einer Partei eine Wende der Erinnerungskultur um 180 Grad" betrieben werde, sei das Gedenken umso wichtiger, sagte Schuster im Rundschau Magazin im BR-Fernsehen.

Sophie-Scholl-Vergleiche - "Geschichte nicht begriffen"

Im Zusammenhang mit Corona-Demonstrationen habe er sogar erlebt, dass sich Protestierende mit Sophie Scholl verglichen hätten. Das bedeute, dass manche jungen Menschen "nichts gelernt, die Geschichte nicht begriffen" hätten. Dass die antisemitischen Straftaten in Deutschland zunähmen, mache ihm Sorgen, so Schuster weiter.

Deshalb sei es wichtig, immer wieder auf Jahrestage, wie etwa jetzt anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945, hinzuweisen.

Schuster lobte in diesem Zusammenhang auch das Denkmal für die Deportierten vor dem Würzburger Hauptbahnhof. Menschen, die daran vorbeigingen, seien oft nicht darauf gefasst und würden überrascht. Er hoffe, dass das dazu führe, dass der ein- oder andere dadurch darüber nachdenke.

Schuster bekommt immer wieder Hassmails

Auch er selbst bekomme immer wieder Hassmails, erklärte Schuster. Er glaube aber, dass Menschen, die Hassmails schreiben oder Hassposts im Internet hinterlassen, in Deutschland noch in der Minderheit seien.

Mit einem Gedenkakt hat der bayerische Landtag heute in Würzburg zusammen mit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Der Gedenkakt fand am Denkort Deportationen vor dem Würzburger Hauptbahnhof statt, der 2020 eröffnet wurde - ein dezentrales Mahnmal, das aus symbolischen Gepäckstücken der Deportierten besteht.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) erinnerte daran, dass die Deportation der mehr als 2.000 jüdischen Frauen, Kinder und Männer aus Unterfranken von 1941 bis 1944 offen geschah, für jeden sichtbar. Nur drei Prozent der Deportierten hätten überlebt.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!