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Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken will in Zukunft den Gender-Stern verwenden.

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    Zentralkomitee der deutschen Katholiken stimmt für Gender-Stern

    Eine geschlechtergerechte Sprache mit Verwendung des Gendersterns will das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in Zukunft verwenden. Die Vollversammlung der katholischen Laienvertreter stimmte dem Antrag mit über 60 Prozent der Stimmen zu.

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    Von
    • Andrea Neumeier
    • BR24 Redaktion

    Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) verwendet in Zukunft geschlechtergerechte Sprache und will dafür auch den Gender-Stern nutzen. Bei der ZdK-Vollversammlung am vergangenen Samstag sprachen sich knapp über 60 Prozent der Mitglieder für "Geschlechtervielfalt in Wort und Schrift" aus. Der Antrag war von verschiedenen Gruppierungen eingebracht worden, wie dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB).

    Über 60 Prozent stimmten für den Antrag

    86 Mitglieder stimmten für den Antrag, 54 stimmten dagegen und drei Personen enthielten sich. "Es ist zwar keine breite, aber doch eine deutliche Mehrheit", freut sich die Münchner Stadträtin Gudrun Lux, die auch im Zentralkomitee der deutschen Katholiken sitzt und den Antrag mit eingebracht hat.

    Sprache müsse an Realität angepasst werden

    Gudrun Lux hofft, dass der Beschluss auch eine Signalwirkung nach außen und möglicherweise einen Einfluss auf andere Institutionen hat. "Die Welt ist nicht schwarz-weiß und unterteilt sich nicht nur in Männer und Frauen", sagt sie. Und diese Realität müsse Sprache abbilden. Männer, Frauen, aber auch Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen lassen, seien "Teil der Schöpfung Gottes" und müssten deswegen auch sprachlich mit einbezogen werden, so Lux.

    "Jetzt war die Zeit einfach reif. Die Gruppe der Antragsteller*innen war groß und das zeigt die Grundstimmung, dass wir als Gesellschaft dafür bereit sind", sagt sie.

    Genderstern stärke nicht Gleichberechtigung von Frauen

    Trotzdem wurde bei der Vollversammlung heftig über den Antrag gestritten. Karlies Abmeier, Diözesanratsvorsitzende des Erzbistums Berlin, ist eine der Gegnerinnen des Antrags gewesen: "Ich bedaure die Entscheidung. Das ZdK hat wichtigere Probleme als die Einführung des Gendersterns", sagte Abmeier dem BR. "Ich habe nichts gegen eine gendersensible Sprache und schon gar nichts gegen die Gleichberechtigung von Frauen. Ich sehe aber nicht, dass diese durch die Einführung des Gendersterns gestärkt wird", begründet Abmeier ihre Entscheidung. Aufgabe von Sprache sei Verständlichkeit, Vorlesbarkeit, grammatische Korrektheit und Eindeutigkeit, meint Abmeier. Diese Kriterien erfülle der Genderstern nicht, meint sie.

    Auch auf Twitter wird über die Entscheidung diskutiert

    Bei der Diskussion soll von Teilnehmern auch von einer "Vergewaltigung der deutschen Sprache" und von einer sich etablierenden "Sprachpolizei" soll gesprochen worden sein. Auch auf Twitter erregte das Thema schnell die Gemüter. Die Publizistin Birgit Kelle twitterte unter #gendergaga: "Ich will diesen Unsinn nicht mit Kirchensteuern finanzieren müssen." Ein Kommentator unter dem Tweet des ZdK schreibt: "Habe gehofft, dass gerade die katholische Kirche bei #gendergaga der Fels in der Brandung ist."

    Einige Kommentatoren nehmen das Thema nicht ganz so ernst und reißen Witze: "Bin gespannt die erste gendergerechte Bibel zu lesen", oder "Also ab jetzt haben wir eine Priester:in? Wenn ihr also schon keine Frauen zur Priesterweihe zulasst, dürfen wir sie jetzt wenigstens so nennen."

    "Das wird #Jesus sicherlich gefallen"

    Andere freuen sich über die Entwicklung: "Hauptsache, die Herren der Schöpfung fühlen sich nicht durch das entfallende generische Maskulinum diskriminiert." Eine Userin fordert: "Als erstes muss dann aber der Name geändert werden. Zentralkomitee der deutschen Katholik*innen." Und ein Kommentator ist sich sicher: "Das wird #Jesus sicherlich gefallen."

    In der Praxis bedeutet das Ja zu geschlechtersensibler Sprache, dass das ZdK bei schriftlicher Kommunikation künftig den Gender-Stern verwendet. Im mündlichen Sprachgebrauch soll eine inklusive Formulierung genutzt werden, indem man zum Beispiel bei der Position des Gender-Sterns eine kurze Pause einlegt.

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