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Zeitungsverlage hoffen auf Fördergelder aus Berlin | BR24

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Die Bundesregierung will die Zeitungsverlage mit 40 Millionen Euro unterstützen. Mit dem Geld soll sichergestellt werden, dass auch in ländlichen Gegenden Abonnenten zum Frühstück ihre Heimatzeitung zugestellt bekommen.

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Zeitungsverlage hoffen auf Fördergelder aus Berlin

Die Bundesregierung will die Zeitungsverlage mit 40 Millionen Euro unterstützen. Mit dem Geld soll sichergestellt werden, dass Abonnenten auch in ländlichen Gegenden wie in der Region Hochfranken zum Frühstück ihre Frankenpost zugestellt bekommen.

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Von
  • Marc Neupert

Willi Wunderlich (64) und seine Frau Heidrun (62) haben im Jahr 1996 begonnen, in ihrer Heimatgemeinde Töpen im Landkreis Hof die Frankenpost auszutragen. Seitdem klingelt bei den beiden jeden Morgen um halb vier der Wecker. Gegen vier Uhr liefert ein Fahrer die Zeitungen aus der Druckerei in Hof, eine halbe Stunde später machen sich beiden auf dem Weg zu ihrer Tour. 60 Ausgaben der Frankenpost haben sie an Werktagen auszuliefern, am Wochenende sind es ein paar Exemplare mehr.

Da auf ihrer Route auch Adressen liegen, die außerhalb Töpens liegen, nehmen die beiden das Auto. Heidrun Wunderlich sitzt hinterm Steuer, ihr Mann schnappt sich die Zeitungen und macht sich auf den Weg zu den Briefkästen.

Kontinuierlicher Rückgang der Auflage

Das frühe Aufstehen macht den Wunderlichs nichts aus. Sie genießen es, zu so früher Stunde in Töpen unterwegs zu sein und freuen sich Tag für Tag über den Sonnenaufgang. In den vergangenen Jahren stellten Willi und Heidrun Wunderlich fest, dass die Zahl der Zeitungsexemplare, die sie zustellen mussten, immer weiter schrumpfte. Der Frankenpost-Verlag spricht von einem durchschnittlichen Rückgang der gedruckten Zeitungen um drei bis vier Prozent in den vergangenen Jahren.

So geht es aktuell den meisten Zeitungsverlagen in Deutschland. Willi Wunderlich überraschen diese Zahlen nicht:

"Wenn jemand stirbt oder wegzieht, kommt niemand nach. Das Zeitungsabonnement wird gekündigt. Da kommt auch nichts mehr nach. Die jungen Leute lesen keine gedruckten Zeitungen mehr - die holen sich ihre Nachrichten aus dem Internet. Neue Zeitungsabonnenten sind da selten. In den vergangenen Jahren hat sich allein in unserem Zustellungsbereich die Zahl der Abos um 20 Stück reduziert." Willi Wunderlich, Zeitungszusteller

Willkommenes Hilfsprogramm aus Berlin

Die Wunderlichs befürworten, dass die Bundesregierung den Verlagen 40 Millionen Euro Förderung für die Zeitungszustellung angekündigt hat. Sie wissen, dass damit sichergestellt werden soll, dass die Verlage ihre Blätter auch in die hintersten Winkel Deutschlands austragen lassen können. Dadurch wäre auch die Zustellung in Töpen gesichert. Für Willi Wunderlich macht das Hilfspaket der Regierung durchaus Sinn, vor allem im Hinblick auf Senioren, die ihre Informationen nicht aus digitalen Medien beziehen.

"Es gibt ja noch viele ältere Leute, die seit jeher Zeitung lesen und die gerne Zeitung lesen. Ich finde, da wäre es schon besser, wenn sichergestellt ist, dass diese Menschen ihre gedruckten Exemplare auch weiterhin zuverlässig zugestellt bekommen." Willi Wunderlich, Zeitungszusteller

Noch kann das Geld nicht fließen

Noch sind die 40 Millionen Euro Fördermittel eingefroren. Damit sie fließen, muss das Bundesministerium für Arbeit und Soziales allerdings erst ein Gesamtkonzept für die Subventionsmaßnahme vorlegen. Unter anderem soll es die Förderung auf fünf Jahre begrenzen. Noch gibt es dieses Konzept jedoch nicht. Und selbst wenn es schon vorliegen würde – der Zeitungsverlegerverband BDZV sieht dringenden Nachbesserungsbedarf.

Denn neben rückläufigen Auflagenzahlen von Tageszeitungen und Veränderungen der Strukturen, die durch den digitalen Wandel bedingt sind, haben die Verlage auch mit steigenden Kosten durch den Mindestlohn zu kämpfen. Dieser gilt seit 2018 auch für Zeitungszusteller.

Nachbesserungsbedarf schon vor der Auszahlung

Die derzeit geplante Förderung durch den Bund sei deshalb bei weitem nicht ausreichend, heißt es auf Seiten der Verlage. Bei einer Gesamtsumme von 40 Millionen Euro würde die Förderung pro ausgetragener Zeitung bei weniger als einem Cent liegen. Die durchschnittlichen Vertriebskosten pro Exemplar dagegen beliefen sich auf mehr als 50 Cent.

Serge Schäfers, der Geschäftsführer des Frankenpost-Verlags in Hof, hofft deshalb, dass der Bund sein Förderprogramm noch einmal nachbessert:

"Im Rahmen einer Krise, wie es jetzt bei Corona der Fall ist. Da macht das dann schon Sinn für die Zustellung. Aber andere europäische Länder fördern da schon deutlich stärker. Wir freuen uns, wenn es eine Förderung gibt. Aber wir müssen durchaus nochmal über die Höhe sprechen." Serge Schäfers, Geschäfsführer des Frankenpost-Verlags

Zeitungsverlage wünschen sich deutlich höhere Förderung

Den Verlegern schweben rund 700 Millionen Euro Fördermittel vor. Damit könnte die Zeitungszustellung in ländlichen Regionen wie auch der Gegend rund um das oberfränkische Töpen in den kommenden Jahren gesichert werden. Willi und Heidrun Wunderlich sind optimistisch, dass der Bund die zugesagten Fördermittel noch aufstockt – und hoffen, noch möglichst lange die druckfrische Frankenpost in ihrer Heimatgemeinde austragen zu können.

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