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Wie klingt der Sound der Zukunft? Diese Frage beschäftigt die AudioLabs Erlangen seit zehn Jahren.

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Zehn Jahre AudioLabs Erlangen – Tüfteln am Klang der Zukunft

Wie klingt der Sound der Zukunft? Diese Frage beschäftigt die AudioLabs Erlangen seit zehn Jahren. Die Forschungseinrichtung entwickelt Technik, die unseren Alltag beeinflusst – egal ob beim Telefonieren, Musik hören oder Fernschauen.

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Von
  • Daniel Peter

Egal ob besserer Klang beim Telefonieren dank EVS (Enhanced Voice Services) oder die Entwicklung des neuen Audiostandards MPEG-H für zum Beispiel mehr Möglichkeiten beim Fernseh schauen – in den "International Audio Laboratories Erlangen" oder kurz AudioLabs, wird seit rund zehn Jahren geforscht, wie der Sound der Zukunft klingen kann. Viele der dort entwickelten technischen Errungenschaften spielen in unserem Alltag eine große Rolle.

Verknüpfung von Forschung und Praxis

Zum Semesterbeginn 2010, vor rund zehn Jahren, startete eine Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die sich zum Ziel gesetzt hatte, an neuen Technologien zur Verarbeitung von digitalen Multimedia-Inhalten zu forschen. Mit rund 60 Millionen Euro an Lizenzerlösen von mp3- Patenten, die das Fraunhofer IIS zur Verfügung gestellt hatte, waren die AudioLabs auch finanziell gut ausgestattet.

Das Besondere der Kooperation zwischen Universität und Fraunhofer-Institut ist die Verknüpfung von Forschung und gleichzeitiger Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis. So spiele das Fraunhofer-Institut eine große Rolle bei der Umsetzung der Technologien und führe sie zur Anwendungsreife. Die Universität sei wichtig bei der Grundlagenforschung sowie Ausbildung des Nachwuchses, so Professor Jürgen Herre von den AudioLabs. Bei der Forschung und Entwicklung arbeite man auch international mit Wissenschaftlern zusammen.

Grundlagenforschung für die Technik von morgen

In den zehn Jahren ist das Team der AudioLabs auf 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsen, außerdem gibt es inzwischen sechs Professoren, die nicht nur forschen, sondern auch Studierende unterrichten. Zu Beginn lag der Forschungsschwerpunkt auf dem Bereich Verarbeitung von Musik- und Sprachsignalen. Inzwischen sind viele weitere Bereiche dazu gekommen, darunter unter anderem die Musikanalyse und Semantische Audiosignalverarbeitung.

Musikerkennung und Audiostandard MPEG-H

Diese Forschung dient beispielsweise dazu, später eine App entwickeln zu können, die Lieder auch erkennen kann, wenn sie zum Beispiel von einer Coverband gespielt werden. Dies ist bisher mit gängigen Apps noch nicht möglich. Außerdem wird im Bereich Audio- und Multimedia geforscht und entwickelt. So konnte schon der neue Audiostandard MPEG-H an den AudioLabs mitentwickelt werden, der es beispielsweise ermöglicht, beim Fernsehschauen Tonspuren wie Sprecher oder Kommentator lauter zu stellen beziehungsweise die Sprache zu verändern, sofern dies von den Sendern angeboten wird.

Große Projekte für die Zukunft

Zu den größten Erfolgen der AudioLabs gehört auch die Entwicklung der EVS-Sprachkodierung (Enhanced Voice Services), die heute Standard ist bei vielen Smartphones und Netzbetreibern. Dank dieser Technologie sind Telefongespräche in besserer Qualität als früher möglich. Schon jetzt wird an einer Weiterentwicklung des EVS-Standards gearbeitet, sagt Bernhard Grill, Institutsleiter am Fraunhofer IIS. Außerdem soll es bald ein Forschungsprojekt geben, bei der digitale Signalverarbeitung und Künstliche Intelligenz (KI) miteinander verknüpft werden. Damit sollen Probleme der Signal- und Tonanalyse behoben werden, die bisher nicht zu lösen waren. Zum Beispiel würden Sprecherkennungsdienste noch besser werden. Gerade in einer lauten Umgebung, bei der viele Menschen sprechen, würden diese Dienste bisher oft versagen, so Berhard Grill. Auch dieses Problem soll in den AudioLabs gelöst werden.

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