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Gemeinde Zandt ist Vorbild für den Artenschutz | BR24

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Das Volksbegehren Artenvielfalt hat viel bewegt. Jetzt beschäftigt sich sogar der Landtag mit einem Gesetzentwurf. In der Oberpfalz war man dem Thema aber voraus: Zandt im Kreis Cham startete schon vor zwei Jahren eine Initiative.

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Gemeinde Zandt ist Vorbild für den Artenschutz

Das Volksbegehren Artenvielfalt hat einiges bewegt in Bayern. Jetzt beschäftigt sich sogar der Landtag mit einem Gesetzentwurf. In der Oberpfalz war man dem Thema aber voraus: Zandt im Landkreis Cham startete schon vor zwei Jahren eine Initiative.

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Das Thema Artenschutz bewegt die Menschen in Bayern, aktuell sogar den Landtag. Manch einer sorgt sich aber schon länger um Bienen und Insekten. So hat die kleine Oberpfälzer Gemeinde Zandt im Landkreis Cham schon vor Jahren damit begonnen: 2013 fingen dort Jäger mit ersten Blühflächen auf ungenutzten Ackerflächen an - eigentlich, um zu verhindern, dass Rehe junge Bäume im Wald verbeißen. 2017 starteten Gemeinde, Gartenbauverein, Landwirte und Privatleute die große Initiative "Zandt, die blühende Gemeinde".

"Es sind jetzt 56 einzelne Flächen zwischen zehn Quadratmetern und zwei Hektar. Die Dynamik, die wir jetzt in den letzten zwei Jahren bei dem Thema erfahren haben, ist immens." Hans Laumer, Hauptinitiator

Initiator musste Gartenbesitzer bremsen

Es ist nicht damit getan, Samentüten mit Blühmischungen zu kaufen wie der bekannten "Veitshöchheimer Bienenweide". Hans Laumer, der hauptberuflich als amtlicher Wildlebensraumberater Bauern über Naturschutzprogramme berät, musste erstmal einige Gartenbesitzer bremsen. Es kamen Fragen wie: "Wo gibt es das Saatgut? Ich streue da gleich was auf meine Rasenfläche drauf." Laumer:

"Das musste man den Leuten erklären, dass man sagt: Nein, Du, wir müssen da erst umstechen, weil das Gras so eine starke Konkurrenzkraft hat vom Wachstum her." Hans Laumer, Hauptinitiator

Inzwischen fräst Hans Laumer ehrenamtlich mit seinem Sohn Rasenflächen auf, um sie vorzubereiten für ihr neues Leben als Blumenwiese. Landwirte lassen langweilige Löwenzahnwiesen mit Wildkräutersamen "impfen". Der Bauhof pflanzt Blühsträucher und sät Blumenwiesen in neuausgewiesenen Baugebieten und es wird weniger gemäht.

Dieser Mut zur Unordnung war gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile wissen die meisten der knapp 2.000 Einwohner, dass zum Beispiel in langen, dürren Sonnenblumenstängeln Eier, Larven und Puppen von Schmetterlingen überwintern.

Imker profitieren ebenfalls

Auch Imker wie Matthias Heigl lernten durch die Aktion, die jedes Jahr ausgeweitet wird, noch was dazu. Er hat privat einen Streuobstgarten angelegt und eine Blühfläche vor seinem Haus, nicht nur für seine eigenen Bienen:

"Ich habe meine Sinne dafür geschärft, was eigentlich im Garten so los ist. Es gibt zig verschiedene Wildbienenarten. Zuerst - wenn man nicht genau hingeschaut hat - mag man meinen: Das ist eine Honigbiene. Aber dabei schauen die ganz anders aus." Matthias Heigl, Imker
© BR/Renate Roßberger

Imker Matthias Heigl bei seinen Schützlingen

Bürgermeister ist stolz

Längst holen sich andere Gemeinden Rat aus Zandt. Bürgermeister Ludwig Klement ist stolz, dass man lang vor Unterschriftenaktionen und Schlagzeilen einer der Vorreiter in Bayern war:

"Momentan ist natürlich durch das Volksbegehren etwas in Gang gekommen, was so niemand richtig geahnt hat. Endlich wird mal was getan - für die Natur und für das Auge." Ludwig Klement, Bürgermeister von Zandt

Touristen können sich ein Bild machen

Das Hotel Früchtl hat sogar einen eigenen natürlichen Bereich im Hotelgarten. Dort wachsen Senfpflanzen und Malven, blühender Schnittlauch und Bienenfreund neben der Terrasse mit den Gästetischen schön wild durcheinander.

© BR/Renate Roßberger

Die Hoteliers Gabi und Daniel Früchtl vor ihrer Blühwiese