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Zahnarzt will Mitarbeiter zur Corona-Impfung zwingen | BR24

© BR/ Mölkner-Kappl

Empörung in Pfaffenhofen: Ein Zahnarzt will seine Mitarbeiter zur Impfung gegen das Coronavirus zwingen, um so die Patienten zu schützen. Er macht ihnen Druck – und direkt Termine im Impfzentrum. Es gibt Kritik: Darf er das?

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Zahnarzt will Mitarbeiter zur Corona-Impfung zwingen

Empörung in Pfaffenhofen: Ein Zahnarzt will seine Mitarbeiter zur Impfung gegen das Coronavirus zwingen, um so die Patienten zu schützen. Er macht ihnen Druck – und direkt Termine im Impfzentrum. Es gibt Kritik: Darf er das? Und drängelt er sich vor?

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Von
  • Axel Mölkner-Kappl
  • Veronika Beer

Einen Sturm der Entrüstung hat ein Pfaffenhofener Zahnarzt bei Impfgegnern ausgelöst. Er wollte laut "Pfaffenhofener Kurier" seine Mitarbeiter zur Impfung gegen das Covid-19-Virus zwingen. Der Zahnarzt hatte für die Mitarbeitenden seiner Praxis Termine im Impfzentrum Pfaffenhofen bekommen. Und er soll seinem Personal per "WhatsApp" mitgeteilt haben: "Es werden alle Mitarbeiter und Zahnärzte geimpft. Wer die Impfung nicht möchte, wird ohne Gehalt von der Arbeit freigestellt."

Mitarbeiter zwingen, Patienten vor Corona schützen

Er wolle das tun, um seine Mitarbeiter und auch die Patienten vor Infektionen zu schützen. Ein Sprecher des Landratsamtes Pfaffenhofen bestätigte dem Bayerischen Rundfunk, dass Mitarbeiter der Praxis tatsächlich im zuständigen Impfzentrum geimpft wurden.

Shitstorm gegen Zahnarzt

Bei etlichen Menschen hat der Zahnarzt – wie zu erwarten – eine Welle der Entrüstung, einen "Shitstorm" ausgelöst. Bei Facebook kann man lesen, das sei "widerlich" und "Zwang zum Mord", solange der Impfstoff nicht erforscht sei. Der Mann solle sich schämen, und man solle ihn ins Ausland vertreiben, schreiben Facebook-Nutzer. Auch überregionale Medien wie RTL oder die Bild-Zeitung hatten über den Zahnarzt aus Pfaffenhofen berichtet.

Die Polizei bestätigte dem Bayerischen Rundfunk, dass sie bei einer Streifenfahrt vor dem Haus des Zahnarztes den Vertreter einer überregionalen Zeitung angetroffen habe. Allerdings sagte der Sprecher der Polizei, dass nach ihrer Einschätzung akut keine Gefährdung für den Zahnarzt vorliege. Eine Anzeige wegen Nötigung sei – allerdings von außerhalb – eingegangen, der man von Amts wegen nachgehe.

Aerosole: Zahnärzte und Mitarbeiter besonders gefährdet

Kritik kommt auch aus einem anderen Lager: Manche werfen dem Arzt vor, dass er und seine Mitarbeiter noch gar nicht zur Impfung dran wären und er sich vorgedrängelt habe. Der Sprecher des Landratsamtes Pfaffenhofen weist diesen Vorwurf allerdings zurück. Denn der Leiter des Pfaffenhofener Impfzentrums habe Zahnärzte nach der Impfverordnung so eingestuft, dass sie sofort geimpft werden können. Denn Zahnärzte und ihre Mitarbeiter seien wegen der Aerosole bei der Behandlung in der Praxis besonders gefährdet.

Verdi: Keine Impfpflicht, keine Konsequenzen

Nach Ansicht von Verdi Bayern kann der Zahnarzt seine Mitarbeitenden allerdings nicht zur Impfung zwingen. Hans Sterr, Sprecher von Verdi, sagte, dass es dafür eine Impfpflicht bräuchte. Der Zahnarzt dürfe seinen Mitarbeitern auch nicht mit Konsequenzen drohen. Er könne nicht-geimpfte Mitarbeiter allerdings vom Kundenkontakt ausschließen und ihnen intern andere Aufgaben erteilen.

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