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Zahnärztin zu neun Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt | BR24

© BR/Andreas Wenleder

Weil sie ihren Lebensgefährten getötet hat, ist eine Zahnärztin aus Laberweinting am Regensburger Landgericht jetzt zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Frau hatte auf Notwehr plädiert.

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Zahnärztin zu neun Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt

Weil sie ihren Lebensgefährten getötet hat, ist eine Zahnärztin aus Laberweinting am Regensburger Landgericht jetzt zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Frau hatte auf Notwehr plädiert.

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Am Ende eines publikumsträchtigen Prozesses am Landgericht Regensburg ist eine Zahnärztin aus Grafentraubach bei Laberweinting (Lkr. Straubing-Bogen) für die Tötung ihres Mannes zu einer neunjährigen Haftstrafe wegen Totschlags verurteilt worden.

Die Angeklagte nahm das Urteil anfangs ruhig zur Kenntnis, musste aber anschließend bei der Begründung der Entscheidung mit Tränen kämpfen.

Richter glaubten nicht an Notwehr

Das Gericht habe die Angeklagte als beeindruckende Frau kennengelernt, die ihr Leben selbstständig in die Hand genommen hat, aber auch ihr Umfeld ohne Rücksicht belügen konnte, so der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Die Aussage der Frau, sie habe in Notwehr gehandelt, glaubten ihr die Richter nicht.

Kein Akt der Selbstverteidigung aus Sicht des Gerichts

Die heute 61-Jährige hatte gegenüber der Polizei zugegeben, ihren Mann im November 2018 mit einer Folterdrahtschlinge erdrosselt zu haben. Sie gab aber an, dass sie zuerst mit der sogenannten Garrotte bedroht worden war. Im Kampf habe sie sich befreien können und schließlich ihren Mann mit der Drahtschlinge töten können. Diese Version sei nicht glaubhaft, so das Gericht.

Für die Richter stand fest, dass es sich nicht um einen Akt der Selbstverteidigung gehandelt hat. Sie habe ihren Ehemann erdrosselt und die nackte Leiche nach Tschechien gebracht. Dort habe sie erfolglos versucht die Leiche zu entzünden. Auch die Zahnprothese ihres Mannes hatte sie entfernt, womöglich um eine Identifizierung zu erschweren. Anschließend habe sie versucht die Tat zu verschleiern und sich nach dem Fund des Opfers als trauernde Witwe ausgegeben. Sie habe mit 60 Jahren nochmal durchstarten wollen, ihr Mann stand ihr dabei im Weg, so der Vorsitzende Richter.

Widersprüchliche Aussagen

Die Tat habe sie bereits Tage zuvor vorbereitet und entsprechende Internetsuchen durchgeführt. Etwa, wie ein menschlicher Körper mit in Öl getränkten Tüchern entzündet werden könne. Für eine Notwehrsituation gebe es keine Anhaltspunkte. Außerdem habe sie sich in verschiedenen Aussagen zur Tatnacht selbst widersprochen.

Unklar, ob die 61-Jährige Hilfe hatte

Das Motiv der Tat könne letztendlich nicht vollständig geklärt werden, so der Richter. Ein Mordurteil wegen Habgier, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, lehnten das Schwurgericht deshalb ab.

Die Richter schlossen in der Urteilsbegründung nicht aus, dass die 61-Jährige beim Transport der Leiche an die deutsch-tschechische Grenze Hilfe bekommen hat. So könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Gärtnerehepaar der Eheleute daran beteiligt war. Gegen die beiden möglichen Helfer ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits.

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