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Zahlenspiel oder logische Erklärung? Inzidenzen in Unterfranken | BR24

© BR/ Carolin Hasenauer

Seit Wochen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Stadt und Landkreis Würzburg nicht nur unter der kritischen Marke von 200, sondern sogar unter 100. Woran das liegen könnte und welche Konsequenzen es hat.

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Zahlenspiel oder logische Erklärung? Inzidenzen in Unterfranken

Seit Wochen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Stadt und Landkreis Würzburg nicht nur unter der kritischen Marke von 200, sondern sogar unter 100. Woran das liegen könnte und welche Konsequenzen es hat.

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Von
  • Carolin Hasenauer

Die Sieben-Tage-Inzidenzrate liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts in der Stadt Würzburg bei 84,4 und im Landkreis bei 81,9. Zahlen, die sich seit Wochen auf diesem niedrigen Stand halten. Wir haben nachgefragt: Welche Erklärungen gibt es dafür? Was kann man daraus lernen? Es sind keine letztgültigen Erklärungen, aber Ideen.

Präventiv testen deckt Corona-Infizierte auf

Mehr als ein Drittel der Würzburger aus Stadt und Landkreis lassen sich anlasslos testen, also präventiv, auf Wunsch. Wie sich bisher herausstellte, waren aus dieser Gruppe immer etwa fünf Prozent der Getesteten Corona-positiv. Das heißt, das Gesundheitsamt konnte diese Menschen dann zu einem frühen Zeitpunkt kontaktieren, bevor sie das Virus weitertrugen.

Kurze Wege zum Testzentrum

Auch die kurzen Wege zum Testzentrum auf der Würzburger Talavera spielten hierbei eine große Rolle, meint Paul Justice, Leiter der Würzburger Testzentren: "Auf dem Land sind die Wege länger bis zum nächsten Testzentrum oder zur nächsten Testmöglichkeit und im Zweifelsfall auch weniger gut angebunden. Da überlegt man sich vielleicht zwei Mal, ob man die Strecke fährt."

Hygienekonzepte in Heimen wurden überarbeitet

Ein weiterer Punkt: In Würzburg waren zwei Seniorenheime schwer betroffen, es gab viele Tote. Später gab es auch einen größeren Ausbruch in einer Ochsenfurter Einrichtung. Justice betont, dass man daraus seitens des Gesundheitsamtes und der zugehörigen Task Force viel gelernt habe: "Mittlerweile werden die Pflegekräfte zwei Mal pro Woche auf Corona getestet, präventiv, und es gibt komplexe Hygienekonzepte."

Seniorenheime sind ein großer Knackpunkt

Vor einem Corona-Ausbruch in einem Senioren- oder Pflegeheim sei man aber nie gefeit, so eine Sprecherin des Gesundheitsamts. "Die niedrige Inzidenz aktuell hat auch viel mit Glück zu tun", so die Sprecherin.

Und auch Prof. Dr. Lars Dölken, seit 2015 Inhaber des Lehrstuhls für Virologie und Chef der Virusdiagnostik an der Universität Würzburg, sagt: "Wenn in einem Heim ein großes Infektionsgeschehen auftritt, sind die Inzidenz-Zahlen ganz schnell wieder oben. In Seniorenheimen etwa infiziert im Zweifelsfall eine Person 20 weitere. Eine über 80-Jährige zuhause infiziert im Schnitt drei weitere." Für den Virologen Dölken heißt das also ganz klar, dass die Heimbewohner zuallererst geimpft werden müssen.

Hohe Sterblichkeit im Landkreis Main-Spessart

Ein Blick in den Nachbarlandkreis: Main-Spessart hat zwar ebenfalls eine der niedrigsten Inzidenzen in ganz Bayern, aber macht jetzt Schlagzeilen mit der höchsten Sterberate deutschlandweit. Jeder siebte mit Corona infizierte Mensch ist dort daran gestorben - bayernweit nur jeder 45.

Knackpunkte sind auch hier die Seniorenheime: Im Landkreis Main-Spessart waren bisher viel mehr Alten- und Pflegeeinrichtungen betroffen als anderswo in Unterfranken. Außerdem ist das Eintrittsalter der Menschen im ländlichen Raum viel höher - dementsprechend mehr Vorerkrankungen haben sie und sind so anfälliger für das Virus.

LGL: Keine eindeutige Erklärung für Inzidenzen

Nochmal ein Blick auf andere Kommunen: Coburg oder Fürth liegen mit ihrer Inzidenz über 200, Regensburg oder Bamberg ähnlich wie Würzburg. Wie sind diese Unterschiede zu erklären? Dazu gibt es keine Untersuchungen, sagt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Bayern.

Zum einen, weil man das Testkonzept der verschiedenen Städte nur ganz schwer vergleichen könne, zum anderen, weil diese Zahlen auch immer nur Momentaufnahmen seien, die keinen Trend abbilden.

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