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Ein Obdachlosenlager in München
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Eva Lell
BR24 Redaktion
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Ein Obdachlosenlager in München

Die Zahl der Wohnungslosen in Bayern ist in den vergangenen Jahren um 28,7 Prozent gestiegen. Das geht aus der zweiten Erhebung zur Wohnungslosigkeit in Bayern hervor, die das bayerische Sozialministerium am Donnerstag veröffentlicht hat.

Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) betonte, der Anteil der Wohnungslosen an der Bevölkerung sei mit 0,1196 Prozent weiterhin gering. "Dennoch", sagte Schreyer, "ist jeder wohnungslose Mensch einer zu viel."

Angespannter Wohnungsmarkt

Mitte des Jahres 2017 waren dem Bericht zufolge 15.517 Menschen in Bayern wohnungslos, Mitte 2014 waren es noch 12.053. Als Gründe für den Anstieg nennt der Bericht "die deutlich gestiegene Zuwanderung nach Bayern verbunden mit dem angespannten Wohnungsmarkt".

Ein Teil des Anstiegs wird außerdem darauf zurückgeführt, dass 2017 mehr Kommunen und freie Träger sich mit Zahlen zur Wohnungslosigkeit zurückgemeldet haben als bei der ersten Erhebung 2014.

Der Bericht verweist auch darauf, dass im Bundesland Nordrhein-Westfalen die Anzahl wohnungsloser Personen über denselben Zeitraum um 52,8 Prozent gestiegen ist.

Auch Menschen in Hilfsunterkünften gelten als wohnungslos

Als wohnungslos gelten nicht nur Menschen, die obdachlos sind und auf der Straße leben. Die heute veröffentlichte Statistik bezieht auch Menschen mit ein, die in kommunalen Notunterkünften oder in Unterkünften von freien Trägern der Wohnungslosenhilfe untergebracht sind.

Mitgezählt werden auch Menschen, die Beratungsstellen aufgesucht haben und unmittelbar von Wohnungslosigkeit bedroht sind.

SPD fordert jährliche Wohnungslosenstatistik

Die SPD-Abgeordnete und Vorsitzende des Sozialausschusses im Landtag, Doris Rauscher, erneuerte auf BR-Anfrage ihre Forderung nach einer jährlichen amtlichen Wohnungslosenstatistik für Bayern.

Sie kritisierte, dass CSU und Freie Wähler im Januar einen Antrag der SPD mit Maßnahmen zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit abgelehnt haben, und äußerte die Sorge, dass "diese Themen auf die lange Bank geschoben werden".