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Zahl der Straftaten in Unterfranken auf "historischem Tiefstand" | BR24

© Jochen Wobser/BR-Mainfranken

Der unterfränkische Polizeipräsident Gerhard Kallert hat am Freitag (05.06.20) die unterfränkische Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019 vorgestellt. Hierbei lagen die Schwerpunkte auf den Bereichen Computerkriminalität und Rauschgiftkriminalität.

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Zahl der Straftaten in Unterfranken auf "historischem Tiefstand"

Der unterfränkische Polizeipräsident Gerhard Kallert hat die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019 vorgestellt. Mit weniger als 50.000 Delikten sank die Zahl der erfassten Straftaten in der Region auf einen historischen Tiefstand.

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Der Regierungsbezirk Unterfranken ist so sicher wie nie zuvor. Das ist der Tenor der "Sicherheitsbilanz" für das Jahr 2019, die das Polizeipräsidium Unterfranken am Freitag in Würzburg präsentiert hat. So ist die Zahl der erfassten Straftaten 2019 laut Unterfrankens Polizeipräsident Gerhard Kallert auf einen "historischen Tiefstand" von unter 50.000 gesunken.

Insgesamt verzeichnet die Polizei Unterfranken für 2019 rund 49.400 Straftaten, im Vorjahr waren es noch mehr als 54.700. Die Aufklärungsquote ist 2019 zwar leicht um 0,2 Prozentpunkte gesunken, liegt aber immer noch bei einem hohen Wert von 71,1 Prozent.

Die sogenannte Häufigkeitszahl – also die Zahl der erfassten Straftaten bezogen auf 100.000 Einwohner – ist 2019 in Unterfranken um fast zehn Prozent auf rund 3.750 gesunken. Der bayernweite Durchschnitt liegt hier bei einer Häufigkeitszahl von rund 4.600.

Rückgang der Straftaten in Schweinfurt um 25 Prozent

Eine besonders erfreuliche Entwicklung stellte Polizeipräsident Gerhard Kallert für die Stadt Schweinfurt fest: Hier sind die Fallzahlen im Jahr 2019 um mehr als 25 Prozent gesunken. Im Langzeitvergleich sind beispielsweise der Rückgang bei Diebstahldelikten und Wohnungseinbrüchen bemerkenswert. So ist etwa die Zahl der Wohnungseinbrüche in Unterfranken von rund 1.300 im Jahr 1995 auf zuletzt knapp 360 im Jahr 2019 gesunken. Ein Ermittlungserfolg im Bereich der Eigentumskriminalität war etwa die Festnahme eines Tatverdächtigen im Oktober 2019, der für zwei Banküberfälle in Lohr (Lkr. Main-Spessart) und in Klingenberg (Lkr. Miltenberg) verantwortlich sein soll.

Sorge vor Zunahme von Geldautomaten-Sprengungen

Eine andere Art von "Banküberfällen" bereitet den unterfränkischen Ermittlern dagegen zunehmend Sorge: die steigende Zahl von Geldautomaten-Sprengungen in der Region. Laut Kriminaldirektor Holger Baumbach hat dieses bundesweite Phänomen auch Unterfranken erreicht, zuletzt habe es hier neun Fälle gegeben, etwa in Gochsheim oder Niederwerrn (Lkr. Schweinfurt). Dabei habe sich gezeigt, "dass die Täter äußerst brutal vorgehen und vor nichts zurückschrecken", so Baumbach – auch davor nicht, dass Bewohner im Haus der Bankfiliale bei der Sprengung zu Schaden kommen könnten. Einen Ermittlungserfolg in diesem Bereich gab es Ende April 2020: die Festnahme eines Tatverdächtigen in den Niederlanden, der für eine versuchte Geldautomaten-Sprengung in Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt) verantwortlich sein soll.

Anstieg bei der Computerkriminalität

Einen Anstieg verzeichnet die Kriminalstatistik auch im Bereich der Computerkriminalität: So sind die "Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung mit Tatmittel Internet" auf 192 Fälle angestiegen (2018: 149 Fälle), davon betreffen 55 Fälle den sexuellen Missbrauch von Kindern. Insgesamt sind die Fallzahlen bei der Computerkriminalität im Jahr 2019 auf fast 1.600 Fälle angestiegen (2018: rund 1.180 Fälle). Hierunter fällt beispielsweise auch die Masche des "eSIM-Swappings", bei der Betrüger illegal an Bankdaten kommen. Auch hier hatte die Polizei Unterfranken einen Ermittlungserfolg. Ein 33-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen, dadurch konnten illegale Transaktionen von knapp 200.000 Euro verhindert werden.

Polizei verstärkt Aufklärungsarbeit in Sachen Drogenkonsum

Im Bereich der Rauschgiftkriminalität sieht Polizeipräsident Gerhard Kallert das Polizeipräsidium Unterfranken "auf einem guten Weg" – auch durch das Drogenpräventionsprogramm "Flashback", das mittlerweile in allen Landkreisen an Schulen durchgeführt wird. Das Programm war ein Ergebnis erschreckend hoher Drogendelikte gerade bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren bei der Kriminalitätsstatistik im vergangenen Jahr. Inzwischen hat die Polizei Unterfranken die Zahl von Präventionsveranstaltungen an Schulen vervierfacht – und erste Erfolge lassen sich ablesen: So sind die Fallzahlen 2019 auf insgesamt knapp 5.450 Fälle gesunken (2018: knapp 5.600 Fälle), auch der Anteil der Jugendlichen, die Drogen konsumieren, ging leicht zurück. Dennoch gebe es keinen Grund zur Entwarnung, so Kallert. Durchschnittlich kämen Jugendliche in Unterfranken im Alter von 13 Jahren zu ersten Mal in Kontakt mit Drogen.

Weniger Polizeibeamte angepöbelt oder angegriffen

Was die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte im Dienst betrifft, scheint Unterfranken gegen den bayernweiten Trend zu laufen: Während Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag (04.06.20) für den Freistaat insgesamt einen Höchststand an Fällen von körperlicher oder verbaler Gewalt gegen Polizisten feststellen musste, sind die Fälle in Unterfranken 2019 um knapp zwölf Prozent zurückgegangen: Von 724 Fällen im Jahr 2018 auf nun 638 Fälle.

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