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Bildrechte: BR / Dagmar Bohrer-Glas

Der Wolf ist mittlerweile in Bayern heimisch geworden. Drei Viertel der Bayern finden das laut einer gut. Die Landwirte sehen es dagegen kritisch: Sie haben Angst um ihre Tiere.

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Zäune gegen den Wolf – Bauern sind skeptisch

Auch in den bayerischen Alpen wurden schon vereinzelt Wölfe gesichtet. Herdenschutz-Zäune sollen Weidetiere vor ihnen schützen. Der Bayerische Bauernverband hält wenig von den Zäunen, wie er auf dem Sudelfeld im Landkreis Rosenheim demonstriert.

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Von
  • Dagmar Bohrer-Glas

Zwei Zäune stehen auf der Alm von Rosenheims Kreisbäuerin Katharina Kern: Ein Maschendrahtzaun, 1,60 Meter hoch und gegenüber ein Weidezaun, ebenfalls 1,60 Meter hoch. Beide sind unten im Bereich des Bodens mit einer 10.000 Volt starken Stromleitung ausgestattet. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Untergrabschutz, sonst würde sich der Wolf unter dem Zaun hindurchgraben.

Kilometerlange Zäune verschlingen enorme Summe

Diese beiden Zäune sind 50 Meter lang und dienen Demonstrationszwecken. Müsste die Kreisbäuerin die eigene Almweide tatsächlich umzäunen, bräuchte es einen acht Kilometer langen Zaun, der 700.0000 Euro kosten würde, macht Katharina Kern deutlich. Die Zäune würden auch die Bewegungsfreiheit von Wanderern und Mountainbikern in den Bergen deutlich einschränken, merkt der Bayerische Bauernverband (BBV) an. Die Berge wären dann wie ein Tierpark mit Tieren in Gehegen, findet die oberbayerische Bezirksbäuerin Christine Singer.

Bauernverband: Zäune nicht praktikabel

Nicht überall könnten Pflöcke in den Boden geschlagen werden, und auch die Instandhaltung sei ein großes Problem für die Almbauern. Denn das Gras um den Stromzaun am Boden müsste ständig kurz gehalten werden, damit der Strom nicht in die Erde fließt. Für den Almbauern würde das einen enormen Arbeitsaufwand bedeuten, führt der Bauernverband weiter aus.

Die Konsequenz wäre wohl, dass viele dann keine Tiere mehr auf die Alm treiben würden, was eine Verbuschung der Kulturlandschaft nach sich ziehen würde, so der BBV. Aufgrund der immensen Kosten seien Herdenschutzzäune zudem nicht verhältnismäßig. Ab einem gewissen Zeitpunkt aber seien die Almbauern gesetzlich verpflichtet, Zäune zum Schutz der Weidetiere aufzustellen.

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Demonstrationszaun auf dem Sudelfeld.

Herdenschutzzäune sind auch Hindernisse

Nicht nur für den Wolf wären die Zäune unüberwindlich, sondern auch für andere Wildtiere, so der Bauernverband. Für Rehe gäbe es beispielsweise ebenfalls kein Durchkommen mehr. Herdenschutzhunde lehnt der BBV ab, da die Hunde aufwändig zu halten und kostspielig seien. Für Berufsschäfer seien Hunde sicherlich geeignet, nicht aber für die Weidetierhaltung eines Landwirts.

Almbauern fühlen sich mit dem Problem "Wolf" allein gelassen

Die Landwirtschaft und die Almwirtschaft hätten sich in den letzten hundert Jahren ohne Wolf weiter entwickelt. Nun werde man von jetzt auf gleich mit dem Tier konfrontiert, so die Kritik der Landwirte. Die Politik traue sich nicht gegen den Wolf vorzugehen, da er das „Lieblingstier der Nation“ sei. Doch der BBV appelliert an die Politik an die EU heranzutreten und sich dafür einzusetzen, dass die Schutzwürdigkeit des Wolfes herabgesetzt werde, ähnlich wie beim Biber. Es müsse möglich sein, den Bestand zu regulieren, so die Forderung des Bayerischen Bauernverbands.

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