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Naturschützer: Bayerns Flüsse in schlechtem Zustand | BR24

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Bayerns Flüssen und ihren Bewohnern geht es schlecht. Zu diesem Ergebnis kommt der WWF. Die Naturschutz-Organisation hat eine Analyse veröffentlicht, in der die Naturschützer vor allem die vielen Querbauwerke in den bayerischen Flüssen kritisieren.

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Naturschützer: Bayerns Flüsse in schlechtem Zustand

Bayerns Flüssen und ihren Bewohnern geht es schlecht. Zu diesem Ergebnis kommt der WWF. Die Naturschutz-Organisation hat eine Analyse veröffentlicht, in der die Naturschützer vor allem die vielen Querbauwerke in den bayerischen Flüssen kritisieren.

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Bayerns Flüsse und die Tiere darin leiden, so eine Studie des WWF. Die Naturschützer kritisieren, dass viele Querbauwerke das natürliche Fließen der Flüsse behindern. Rechnerisch gebe es alle 500 Meter ein Wehr, einen Absturz oder ein Wasserkraftwerk, das den Fischen den Weg durch den Fluss versperrt. Deswegen fordern die Naturschützer, keine neuen Kraftwerke mehr zu bauen und alte Anlagen, wo es geht, zu entfernen. Die Betreiber der Wasserkraftanlagen fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

WWF: 85 Prozent der Flüsse in keinem guten Zustand

Nur noch 15 Prozent der Flüsse in Bayern sind laut WWF in einem sehr guten oder guten ökologischen Zustand und bieten Fischen und anderen Flussbewohnern gute Bedingungen. Dazu gehört die Ammer. Durch den Fluss gibt es eine wichtige Wasser-Verbindung zwischen Ammersee und Staffelsee. Doch die Bedingungen waren hier schon schlechter: Nahe Weilheim stand bis vor einigen Jahren noch ein Wehr, erklärt Stefan Ossyssek vom WWF: "Bei dem Wehr war das so, dass es nicht durchgängig war. Arten wie der Huchen oder die Barbe konnten hier nicht aufsteigen und ihre Laichhabitate nicht erreichen."

Naturschützer: Wasserkraft ist nur 1,5 Prozent der Stromerzeugung

Darum entschied man sich hier gegen eine bereits geplante Wasserkraftanlage, und das Wasserwirtschaftsamt baute das Wehr zurück. Das würden sich die Naturschützer auch andernorts wünschen. Zurückbauen, wo möglich, und keine neuen Kraftwerke mehr errichten, denn das lohne sich einfach nicht, so Naturschützer Stefan Ossyssek: "Hinsichtlich der Stromproduktion muss man auch sagen, dass die kleine Wasserkraft nur 1,5 Prozent der bayerischen Stromproduktion ausmacht und eigentlich sind sich alle Experten einig, dass Sonnen- und Windenergie das größere Potenzial haben für die Energiewende."

Kraftwerksbetreiber: Wasserkraft kann die ganze Oberpfalz versorgen

Ist die sogenannte kleine Wasserkraft also verzichtbar? Viel zu einseitig dargestellt, finden die Verbände der Bayerischen Wasserkraftbetreiber. Die Leistung der kleinen Kraftwerke sei gar nicht mal so gering, mein Fritz Schweiger, Vorsitzender der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern; denn zusammengerechnet erzeugten die so viel Strom, wie etwa alle Haushalte in der Oberpfalz im Jahr verbrauchen.

Vorteile der Wasserkraft

Schweiger betreibt selbst Wasserkraftwerke bei Erding nahe des Münchner Flughafens. Man müsse auch auf die qualitativen Vorteile schauen: Die Stromerzeugung ist sehr konstant und zuverlässig. Sie schwankt weniger als bei Wind- und Sonnenenergie. Außerdem helfen die Anlagen beim Hochwasserschutz und stabilisieren Grundwasser und Gewässerbett. Und: im Laufe der Energiewende könnten sie noch wichtiger werden, um die Stromversorgungen durch viele kleine Standorte zu stabilisieren, meint der Wasserkraftbetreiber. Das sei eine wichtige Aufgabe und zugleich ein schlagendes Argument gegen den Rückbau der Anlagen.

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Bayerns Flüssen und ihren Bewohnern geht es schlecht: Das ist das zusammenfassende und erschreckende Ergebnis einer WWF-Analyse. Die Hauptursache sehen Umweltschützer in den zahlreichen Querbauten, die auch Fische am Wandern hindern.

Tierfreundliche Wasserkraftwerke

Die meisten Betriebe hätten ihre Anlagen auch schon durchgängig gemacht für die Flussbewohner - mit Fischtreppen und Umgehungsbächen. Gitter verhindern, dass größere Fische durch die Turbinen schwimmen. Und letztlich seien auch nur sieben Prozent der Querbauwerke in den bayerischen Flüssen Wasserkraftwerke. Der Großteil seien Wehre ohne Wasserkraft und andere Einbauten in staatlicher Hand.

Andere Umwelteinflüsse sind schlimmer

Außerdem glauben die Betreiber, dass andere Faktoren viel größere negative Einflüsse auf die Fischbestände haben. Ihr Argument: Wasserkraftwerke gebe es schon lange. In den vergangen 100 Jahren seien die Anlagen immer weniger geworden, trotzdem gehen die Fischbestände zurück. So müssten andere Umwelteinflusse mehr ins Gewicht fallen als die Wasserkraftwerke.

Rückbau unnützer Wasserkraftwerke

Die Naturschützer des WWF hoffen dennoch, den Rückbau von zumindest einigen Anlagen zu erreichen, und zwar dort, wo sie alt und nicht mehr rentabel sind, sie also nur noch "unnütz in der Landschaft stehen", wie Stefan Ossyssek vom WWF es ausdrückt.

Gerade habe man entsprechende Gespräche in der Röhn geführt. So ließen sich gerade bei alten baufälligen Kraftwerken Interessen von Artenschutz und den Ökostromerzeugern zusammenbringen.

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