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Allgäuer Tierskandal: Wut und Tränen bei Bürgergespräch | BR24

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Misshandelte Kuh in Bad Grönenbach

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Allgäuer Tierskandal: Wut und Tränen bei Bürgergespräch

Rund 500 Besucher kamen zum Bürgergespräch der "Soko Tierschutz" zum Tierschutzskandal in Bad Grönenbach. Bei der emotionalen Diskussion wurden vor allem mehr Kontrollen gefordert.

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Es war ein emotionaler Moment gleich zu Beginn des Bürgergesprächs der "Soko Tierschutz", als noch einmal die heimlich aufgenommenen Bilder aus dem Großbetrieb in Bad Grönenbach gezeigt wurden. Viele der rund 500 Besucher in der Kemptener BigBox konnten nicht hinsehen, anderen ließen ihren Gefühlen freien Lauf und weinten.

Bauernverband und CSU sagten Teilnahme ab

Es war der Auftakt für eine über zwei Stunden dauernde Diskussion mit teilweise sehr emotionalen Beiträgen. Viele machten dabei ihrem Entsetzen und ihrem Ärger über die mutmaßlichen Zustände in dem Unterallgäuer Betrieb Luft. Auf dem Podium stellten sich neben Vertretern des Augsburger Vereins "Soko Tierschutz" auch die Landtagsabgeordneten Dominik Spitzer (FDP), Gisela Sengel (Grüne), Leopold Herz (Freie Wähler) und Michael Edenhofer (ÖDP) den Fragen. CSU und Bauernverband hatten ihre Teilnahme laut Friedrich Mülln, dem Vorstand der "Soko Tierschutz", abgesagt.

Politiker fordern mehr und stärkere Kontrollen

Die Vertreter der Parteien forderten in Kempten alle mehr und intensivere Kontrollen, gerade von landwirtschaftlichen Großbetrieben. Die Kontrollen sollten dabei "wegen der Nähe" nicht von den Landratsämtern durchgeführt werden, sondern von einer höheren staatlichen Stelle mit weitreichenden Kompetenzen, die bis zur Betriebsschließung reichen sollten.

Maßnahme der Freien Wähler erhält wenig Applaus

Leopold Herz von den Freien Wählern und Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Landtag betonte, dass man mit der CSU einen Antrag erarbeitet habe, der vorsehe, dass landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 500 Tieren "verstärkt kontrolliert werden". Der Beifall bei den Zuschauern dafür hielt sich in Grenzen.

Grüne fordern gleiche Überwachung bei Rinder- und Hühnerhaltung

Mehr Applaus erhielt dagegen Gisela Sengel von den Grünen, die die Staatsregierung und den Bauernverband als "Mitschuldige" kritisierte. Deren Agrarpolitik in den letzten Jahren habe zu immer größeren Betrieben geführt. Sengel forderte für die Rinderhaltung eine ähnliche Überwachung wie bei Hühnergroßbetrieben.

Landwirte wehren sich gegen Generalverdacht

Unter den Besuchern des Bürgergesprächs waren auch mehrere Landwirte und Landwirtinnen. Sie wehrten sich gegen einen Generalverdacht gegen ihren Berufsstand. Unter ihnen kam es dann auch zum Schluss zu heftigen Protesten, als Friedrich Mülln von der "Soko Tierschutz" 5.000 Euro Belohnung auslobte für Beweise, dass männliche Kälber unter entsetzlichen Bedingungen getötet und entsorgt würden. Dies fordere zu einer "Hetzjagd gegen jeden Landwirt" auf, protestierten viele Anwesende.

"Soko Tierschutz" deckte mutmaßlichen Skandal auf

Die Tierrechtsorganisation "Soko Tierschutz" hatte die mutmaßlichen Missstände in dem Großbetrieb in Bad Grönenbach aufgedeckt. Über mehrere Wochen hatte der Verein heimlich in den Ställen des Hofs mit 1.800 Kühen gedreht. Die Aufnahmen stellte der Verein dann dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz", dem ARD-Magazin "Fakt" und der Süddeutschen Zeitung zur Verfügung. Sie zeigen, wie Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden. Die Staatsanwaltschaft Memmingen ermittelt inzwischen in dem Fall.

© BR/Christoph Scheule

Podium beim Bürgergespräch zum Allgäuer Tierskandal