Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Aus Wut über Artenschutzgesetz: Bauern fällen Obstbäume | BR24

© BR

Die Wut der Obstbauern in Bad Feilnbach

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Aus Wut über Artenschutzgesetz: Bauern fällen Obstbäume

Mehrere bayerische Landwirte haben ihre Obstbäume gefällt. Sie wollen vollendete Tatsachen schaffen, bevor diese als Konsequenz des Volksbegehrens "Artenschutz" unter besonderen Schutz gestellt werden.

Per Mail sharen

Im Volksbegehren Artenvielfalt steht, dass Streuobstwiesen ab einer Fläche von 2.500 Quadratmetern zu gesetzlich geschützten Biotopen werden sollen. Das erzürnt viele Obstbauern. Sie befürchten, das Sagen auf ihrem eigenen Grund und Boden zu verlieren. Die Landwirte fragen sich: Kann ich dann noch Zuschneiden? Alte Bäume rausnehmen? Gülle ausbringen?

Auch in der bekannten Streuobstwiesen-Gemeinde Bad Feilnbach wurden nach BR-Informationen bereits 20 bis 30 Obstbäume gefällt. Insgesamt stehen dort rund 25.000 Obstbäume.

"Wir lassen nicht locker"

Gerti Seebacher, die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Bad Feilnbach, stellt sogar den traditionellen Apfelmarkt in Frage.

"Wenn wir mit unserem Obstgärten nicht mehr so arbeiten können, werden wir auch nichts mehr erzeugen. Und dann gehen wir da auch nicht mehr hin. Warum sollen wir uns dahinstellen und sagen: Hallo, wir sind die letzten überlebenden Obstbauern! Aber wir lassen nicht locker. Wir werden noch kämpfen, bis das Gesetz durchgeht, weil es ums Überleben geht – um das, was wir unseren Kindern weitergeben können." Gerti Seebacher, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Bad Feilnbach

Zumindest was den Apfelmarkt angeht, können wir inzwischen Entwarnung geben: Die Organisatoren haben gegenüber dem BR inzwischen bestätigt, dass die Veranstaltung im Herbst wie geplant über die Bühne gehen wird.

Kaniber ruft Bauern zur Besonnenheit auf

Eine Überreaktion oder eine Machtprobe der bayerischen Obstbauern? Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) jedenfalls ruft zur Besonnenheit auf. Bebauungen sollen im Fall einer Privilegierung weiterhin möglich sein.

"Wir machen alles Juristische möglich und verhandeln im Landtag, dass es möglich ist, die Streuobstwiesen auch ordentlich zu nutzen. Das heißt: Eine Bewirtschaftung, eine Pflege, die Instandhaltung müssen möglich sein. Wir wollen ja alle die Streuobstwiesen bewahren. Dazu gehört auch, dass wir versuchen, Pflanzenschutz auch möglich zu machen." Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber

Obstbäume sind touristischer Faktor

Beispiel Bad Feilnbach: Die vielen Obstbäume der Gegend sind nicht nur ein Bienenparadies - sie sind auch schön anzusehen und so sind sie auch ein touristischer Faktor für die Gemeinde Bad Feilnbach. Nicht umsonst nennt man den Ort auch das "Meran Oberbayerns".

"Das ist ein großes Pfund bei uns im Tourismus. Gerade jetzt, vor vier oder fünf Wochen, wie wir die Obstblüte gehabt haben. Das ist eine traumhaft schöne Landschaft und wir arbeiten natürlich auch sehr stark mit diesen Obstbäumen. Da sind wir einzigartig, das ist ein einzigartiges Landschaftsbild." Anton Wallner, Bürgermeister Bad Feilnbach

Bürgermeister Wallner hat deshalb mit der Politik Kontakt aufgenommen. Die Obstbäume seien durch die Familien vor Ort entstanden, ganz ohne Volksbegehren und aus Liebe zur Natur. Genau das habe bis jetzt bestens funktioniert und werde erst durch das Volksbegehren in Frage gestellt, so der Bürgermeister weiter.

© BR

Die bayerische Staatsregierung hat ein großes Versöhnungsgesetzt angekündigt, das Artenschutz und Landwirtschaft unter einen Hut bringen soll. Das den bayerischen Bauern zu verkaufen, ist allerdings gar nicht so einfach.

© BR

Landwirte fällen reihenweise ihr Obstbäume. Sie sind über den Ausgang des Volksbegehrens "Artenschutz" so verunsichert, dass sie ihre Bäume lieber fällen, bevor sie unter einen besonderen Schutz gestellt werden.