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Würzburger Unternehmer wollen Weltmeere von Plastikmüll befreien | BR24

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Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das weltweit Schule machen soll: Drei Würzburger Unternehmer wollen die Ozeane vom Plastikmüll befreien und haben dafür das "Institut für Ozeanplastik Recycling" gegründet.

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Würzburger Unternehmer wollen Weltmeere von Plastikmüll befreien

Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das weltweit Schule machen soll: Drei Würzburger Unternehmer wollen die Ozeane vom Plastikmüll befreien und haben dafür das "Institut für Ozeanplastik Recycling" gegründet. Nun suchen sie weitere Ideen- und Geldgeber.

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Von
  • Jochen Wobser

Drei Unternehmer aus der Region Würzburg sagen der Plastikvermüllung der Weltmeere den Kampf an. Mit dem neu gegründeten "Institut für Ozean Plastik Recycling" (IFOPR) wollen Peter Bales, Balthasar Höhn und Herbert Hornung ein Projekt voranbringen, das nach einer Herkulesaufgabe klingt. Das Ziel: Plastikmüll soll im großen Stil aus den Meeren geholt und recycelt werden, um dann als neuer Werkstoff dem Wirtschaftskreislauf zuzufließen.

SKZ und FH Würzburg-Schweinfurt als Partner

Wie einer der Initiatoren, der Würzburger Unternehmensberater Peter Bales, dem BR sagte, habe das IFOPR bereits einige Kooperationspartner mit an Bord. Unter anderem die Fraunhofer-Gesellschaft, das Süddeutsche Kunststoff-Zentrum Würzburg (SKZ) und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.

Aus Müll im Meer sollen neue Produkte entstehen

Die Grundidee: Schiffe, die mit Unterstützung des Fraunhofer-Instituts entwickelt werden, sollen zwischen den großen Plastikstrudeln in den Meeren und nahe gelegenen Häfen eng getaktet hin- und herpendeln. Mit Hilfe von Maschinen sollen die Schiffe große Mengen Müll aus dem Meer abgreifen - Plastik, Fässer oder Netze. In den Häfen soll der Müll dann sortiert, gereinigt und zu Granulat verarbeitet werden. Dieses Granulat soll dann als Rohstoff für neue Produkte dienen.

Vier Tonnen Plastikmüll als Testmaterial

Nach der Gründung einer gemeinnützingen GmbH im November habe die Initiative nun "die erste Projektierungsphase" gestartet, sagt Peter Bales. Diese sei auf etwa drei Jahre angelegt. Als wichtiger Schritt stehe voraussichtlich im März 2021 an, etwa vier Tonnen Plastikmüll aus dem Pazifischen Müllstrudel zwischen Hawaii und Kalifornien zu entnehmen. Dieser Müll solle dann nach Unterfranken verbracht und zunächst im Fraunhofer-Institut sortiert, gereinigt und evaluiert werden. Am Süddeutschen Kunststoff-Zentrum solle dann erforscht werden, für welche neuen Produkte das Plastik-Granulat verwendet werden könnte.

Ein "dauerhaftes Subventionsprojekt der Menschheitsfamilie"

Denkbar seien etwa Gefäße für Reinigungsmittel, so Peter Bales. Es gehe nicht darum, "den Rohstoff Plastik" generell zu verteufeln, sondern "das hausgemachte Problem der Vermüllung unserer Weltmeere endlich mit einem ganzheitlichen Lösungskonzept anzugehen". Erste Gespräche mit Wirtschaftsunternehmen seien bereits aufgenommen worden.

Auch mit Politikern, Stiftungen und Förderprogrammen habe man Kontakt aufgenommen, um Möglichkeiten zur Finanzierung auszuloten. Bales sagt aber auch: "Das muss ein dauerhaftes Subventionsprojekt der Menschheitsfamilie werden. Recycelte Produkte sind immer etwas teurer, aber Geld darf bei diesem Thema nicht das Problem sein".

Riesige Mengen Plastikmüll gelangen in die Ozeane

In das Projekt einbezogen sind auch Reedereien und Maschinenbauunternehmen, die die Spezialschiffe ausrüsten sollen. "Die Technologie, um dieses Problem zu lösen, ist da", so Bales. "Wir wollen jetzt die Kompetenzen bündeln und eine weltweit skalierbare Lösung entwickeln, um die Weltmeere von Plastik zu befreien." Begleitend zu dem Projekt seien aber weltweite Anstrengungen nötig, um den Plastikverbrauch zu mindern und zu verhindern, dass Plastikmüll unkontrolliert in die Natur gelangt.

Laut einer Studie der Ellen McArthur Foundation, so Bales, würden derzeit 72 Prozent der gebrauchten Plastikverpackungen nicht wiederverwertet. Jedes Jahr landeten etwa zehn Millionen Tonnen Kunststoff in den Ozeanen.

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