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Würzburger Stadtrat bringt Umbenennung von Straßennamen voran

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    Würzburger Stadtrat bringt Umbenennung von Straßennamen voran

    Weil die Namensgeber in das NS-Regime verstrickt waren, empfiehlt eine Kommission, die Benennung von neun Straßen in Würzburg zu diskutieren. Der Stadtrat hat nun beschlossen, diese Empfehlung weiterzuverfolgen.

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    Von
    • Jochen Wobser

    Vier Jahre lang hat eine Kommission aus elf Mitgliedern Biografien von einst angesehenen Würzburgern studiert. Ziel war es, ihre Rolle während der NS-Zeit zu bewerten. Die Ergebnisse hat die Kommission in einem knapp 30 Seiten umfassenden Bericht zusammengetragen. Sie empfiehlt, neun Würzburger Straßennamen in Frage zu stellen. Der Stadtrat hat nun einstimmig beschlossen, dass die Empfehlungen der "Kommission zur Überprüfung von Straßennamen" weiterverfolgt werden und in Beschlüsse münden sollen.

    Straßenumbenennung: Bürger sollen sich beteiligen

    Damit hat die Stadtverwaltung nun den Auftrag, auf Basis des Berichts der Kommission konkrete Beschlussvorschläge auszuarbeiten. Auch die Bürger sollen sich beteiligen: Im Laufe des kommenden Jahres sollen Veranstaltungen zur öffentlichen Diskussion stattfinden. Auch das hat der Stadtrat beschlossen. Wann und wie genau die Veranstaltungen stattfinden sollen, steht noch nicht fest und hängt von der Corona-Pandemie ab. Bis der Würzburger Stadtrat final über mögliche Straßenumbenennungen entscheidet, dürfte noch etwa ein Jahr vergehen.

    Kommission stellt neun Straßennamen in Frage

    Im Fokus der Kommission waren Straßen, die nach Personen benannt waren, "deren aktive Lebensphase in die NS-Zeit fällt und von denen anzunehmen ist, dass sie sich in dieser Zeit diskreditierende Handlungen zuschulden kommen ließen". Konkret empfiehlt die Kommission, die Benennung von neun Straßen in Würzburg zu diskutieren.

    Bei vier davon empfiehlt sie eine Umbenennung:

    • Heiner-Dikreiter-Weg
    • Nikolaus-Fey-Straße
    • Schadewitzstraße
    • Hermann-Zilcher-Straße

    Drei weitere sollen kontextualisiert werden, etwa durch ergänzende Erläuterungsschilder:

    • Armin-Knab-Straße
    • Peter-Schneider-Straße
    • Richard-Strauss-Straße

    Eine Straße soll entweder umbenannt oder kontextualisiert werden:

    • Karl-Ritter-von-Frisch-Weg

    In einem weiteren Fall empfiehlt die Kommission eine öffentliche städtische Veranstaltung:

    • Kardinal-Faulhaber-Platz

    Kritik an Kulturreferent Könneke

    Bei der Stadtratssitzung gab es gegen den Würzburger Kulturreferenten Achim Könneke harsche Kritik. Anlass waren Äußerungen Könnekes zur jüngsten Aktion eines anonym agierenden "NebenAn Kollektivs" in Würzburg. In einer Nacht- und Nebel-Aktion hatten Aktivisten sieben Würzburger Straßenschilder überklebt, deren Namensgeber nach Ansicht des Kollektivs menschenverachtende Ideologien vertraten. Die Namen überklebte die Gruppierung mit eigenen Vorschlägen.

    Stadtratsmitglieder der CSU kritisierten Könneke für einen Facebook-Post, in dem er die Aktion als "spontane und auf jeden Fall sehr kreative Intervention im Stadtraum zur aktuellen Debatte" bezeichnete und den Initiatoren Respekt zollte. Bei der Aktion sei nichts beschädigt worden, so Könneke. Demnach ist wohl davon auszugehen, dass die Stadt Würzburg auf eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung verzichten wird.

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