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Würzburger Stadtmarketing rechnet mit geringen Preisnachlässen | BR24

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Am 1. Juli ist die Mehrwertsteuer gesenkt worden. Der Stadtmarketing-Verein "Würzburg macht Spaß" nicht damit, dass viele Einzelhändler und Gastronomen die Steuersenkung an die Kunden weitergeben.

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Würzburger Stadtmarketing rechnet mit geringen Preisnachlässen

Am 1. Juli ist die Mehrwertsteuer gesenkt worden. Der Stadtmarketing-Verein "Würzburg macht Spaß" nicht damit, dass viele Einzelhändler und Gastronomen die Steuersenkung an die Kunden weitergeben.

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Von
  • Jochen Wobser
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Zum Start der vorübergehend reduzierten Mehrwertsteuer in Deutschland rechnet der Stadtmarketing-Verein "Würzburg macht Spaß" nicht damit, dass viele Einzelhändler und Gastronomen die Steuersenkung an die Kunden weitergeben. Dem BR gegenüber sagte Geschäftsführer Wolfgang Weier, dass vor allem größere Unternehmen wie etwa Kaufhäuser die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergeben würden – kleinere eher nicht. "Die kleinen Betriebe, die im Lockdown richtig gebeutelt waren, entscheiden sich oft dafür, die Mehrwertsteuer einzubehalten, um erst mal ihren Betrieb überhaupt weiterführen zu können und die eigene Existenz zu sichern."

Café-Betreiber kann es sich nicht leisten, Steuersenkung weiterzugeben

So verfährt beispielsweise das traditionelle "Uni-Café" in der Würzburger Neubaustraße. Geschäftsführer Paul Seitz wartete zwar auch am 1. Juli dringend auf den bestellten Fachmann, der die Kasse auf die neuen Mehrwertsteuersätze umstellen sollte. Aber bei der Neuprogrammierung gehe es vor allem um den Nachweis der reduzierten Mehrwertsteuer auf dem Kassenbon, so Paul Seitz. Denn er habe sich entschlossen, den geringeren Steuersatz vorerst nicht an die Kunden weiterzugeben. "Ich hoffe, durch diesen Bonus, den wir vom Staat bekommen, die Verluste der vergangenen Wochen zumindest ein Stück weit erträglicher zu machen. Es geht hier um Existenzsicherung des Cafés und der Mitarbeiter", so Seitz. Derzeit arbeiten etwa 30 Menschen für das "Uni-Café" – sechs Festangestellte und viele studentische Aushilfen. Nach den verheerenden Wochen während des Lockdowns mit Totalausfall sei die Auslastung im Café zuletzt bei etwa 50 Prozent gewesen. "Wir sind noch weit davon entfernt, schwarze Zahlen zu schreiben", so Seitz. Möglichen Gästen, die sich beschweren, dass ihr Getränk trotz der Steuersenkung nicht günstiger ist, werde er "dann eben zehn Cent auf den Tisch legen und sagen: vielleicht bist du dann damit zufrieden."

Spielwarenladen wirbt mit Preisnachlass

Thorsten Drechsler, Inhaber des Spielwarengeschäfts "Die Murmel" in der Würzburger Augustinerstraße, hat sich entschlossen, die Senkung der Mehrwertsteuer um drei Prozent vollständig an die Kunden weiterzugeben. Ein neuer Aufkleber an der Plexiglasscheibe vor der Kasse weist die Kunden darauf hin. "Letztendlich sagt doch die Politik, das soll ein Anreiz sein für den Kunden. Dann will ich das auch für den Kunden weitergeben. Kleinvieh macht auch Mist. Und wenn der Kunde dadurch den Impuls hat, etwas mehr zu kaufen, dann ist das doch eine Win-Win-Situation", so Drechsler.

Rabatt wird per Taschenrechner abgezogen

Seine alte Schubladenkasse musste Drechsler nicht umprogrammieren. Auch die etwa 3.000 Artikel im Laden sind nicht neu ausgepreist worden. "Bei einem halben Jahr Steuersenkung und dieser Menge an Artikeln wäre das Wahnwitz gewesen", so Drechsler. Den Rabatt zieht er direkt an der Kasse per Taschenrechner ab. Drechsler hofft, dass die Steuersenkung nun auch Kaufimpulse schafft. Am wichtigsten ist ihm aber eines: "Wenn wir mit diesen ganzen Aktionen und Schutzmaßnahmen in der Corona-Zeit nur ein Menschenleben retten, dann hat sich das schon gelohnt. Mein Wunsch ist, dass wir jetzt alle zusammenhalten und daran denken, die Sicherheitsabstände einzuhalten und nicht unvorsichtig oder gleichgültig werden. Wir dürfen diese Schritte zu etwas mehr Normalität jetzt nicht wieder verspielen".

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