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Würzburger Sportvereine reagieren auf Kinderporno-Skandal | BR24

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Der Kinderporno-Skandal in Würzburg hat nach seinem Bekanntwerden einiges in Bewegung gebracht. Die Turngemeinde Würzburg stellt sich dem Thema offensiv entgegen, um Sexualverbrechen künftig zu verhindern.

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Würzburger Sportvereine reagieren auf Kinderporno-Skandal

Ein Turnleiter und Logopäde, der Kinderpornos gedreht und verbreitet hat: Die Nachricht schockte Eltern, Angehörige und auch Sportvereine in Würzburg. Wie gehen sie in ihren Turnstunden damit um?

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"Sport ist eine körperliche Angelegenheit", sagt Jutta Bouschen, Geschäftsführerin bei der DJK Würzburg. Als Sportverein sei man sich der Verantwortung bewusst, Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Annähernd 2.000 Mitglieder hat die DJK: Fußballer, Schwimmer, Judoka. Auch eine Kindersportschule bietet der Verein an. Da sei natürlich Körperkontakt notwendig, etwa bei Hilfestellungen aus Sicherheitsgründen. Doch Bouschen weiß: Auf das Wie kommt es an.

Kinderporno-Fall: Schock im ganzen Verein

Als im vergangenen März einer der DJK-Übungsleiter wegen des Verdachts auf schweren sexuellen Missbrauch an Jungen im Kindergartenalter verhaftet wurde, war das natürlich ein Schock. Denn der 37 Jahre alte Logopäde, der im Verein integratives Turnen leitete, galt nicht nur als kompetent. Er war auch äußerst beliebt.

Im Sportverein selbst kam es nach derzeitigem Wissen zu keinen Übergriffen. Jutta Bouschen sagt, dass sich die offene Bauweise der Turnhalle bewährt hat. Denn der Raum lässt sich von verschiedenen Seiten einsehen: durch Fenster in der Eingangstür, ebenso wie von der Kabine des Hallenwarts. Vor allem aber sei auf der Tribüne immer mit unerwarteten Zuschauern zu rechnen. Diese verbindet Umkleide und Verwaltungsräume miteinander.

Über diese bauliche Vorsichtsmaßnahme hinaus, will der Verein von Juli an alle Übungsleiterinnen und Übungsleiter auf Präventionsschulungen schicken. Der Anstoß dazu kam durch den sogenannten Kinderporno-Skandal.

Schulungen für Trainerinnen und Trainer

Solche Schulungen sind bei der Turngemeinde Würzburg (TGW) bereits verpflichtend. Bei dem rund 2.500 Mitglieder zählenden Verein habe man sich bereits vor dem Kinderporno-Fall mit dem Thema befasst.

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Ein Turnleiter und Logopäde soll Kinderpornos gedreht und verbreitet haben. Die Nachricht schockte Eltern, Angehörigen und auch die Sportvereine in und um Würzburg. Wie gehen sie in ihren Turnstunden damit um?

Gerade arbeitet der Verein an einem Konzept, sagt TGW-Geschäftsführer Raimund Schäfer, um sogenannte "1:1-Situationen" möglichst zu vermeiden. Ein Kind soll also nicht mit einem Trainer alleine sein. Wo das nicht möglich ist, gibt es Regeln, wonach etwa kleinere Kinder, die noch Hilfe beim Toilettengang benötigen, ausschließlich von weiblichen Kräften begleitet werden. Auch Trainergespräche zur sportlichen Entwicklung sollen nicht mehr spontan stattfinden, sondern möglichst von zwei Übungsleitern geführt werden – oder zumindest nicht im "stillen Kämmerlein", sondern bei geöffneter Tür.

Sportvereine fordern offensiven Umgang

Die beiden großen Würzburger Turn- und Sportvereine sind sich einig darin, dass man vor krimineller Energie nie ganz sicher sein kann. Aber man will es potenziellen Sexualstraftätern so schwer wie möglich machen. Die entscheidende Voraussetzung dafür sei ein offensiver Umgang mit dem Thema.