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Nach dem tödlichen Messerangriff von Würzburg wird der Tatverdächtige bis auf Weiteres in der Psychiatrie untergebracht. Die Ermittler gehen davon aus, dass 24-Jährige zum Zeitpunkt der Tat schuldunfähig oder vermindert schuldfähig war.

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Würzburger Messerangriff: Täter wird in Psychiatrie verlegt

Der Somalier, der in Würzburg drei Frauen mit einem Messer getötet hat, wird in eine Psychiatrie verlegt. Das hat das Amtsgericht Würzburg entschieden. Gutachter kommen zu der Einschätzung, dass der Mann möglicherweise schuldunfähig war.

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Von
  • BR24 Redaktion

Der Messerangriff in Würzburg liegt inzwischen mehr als drei Wochen zurück. Eine Vernehmung des Angreifers war bisher allerdings noch nicht möglich. Er sei in seinem aktuellen Zustand kaum in der Lage, überhaupt zu kommunizieren, sagte sein Pflichtverteidiger Hans-Jochen Schrepfer auf BR-Anfrage. Der Täter wird jetzt von der Untersuchungshaft in eine psychiatrische Einrichtung verlegt. Das hat das Amtsgericht Würzburg entschieden. Wie die Generalstaatsanwaltschaft und das Bayerische Landeskriminalamt mitteilen, kommt die psychiatrische Begutachtung derzeit zu der Einschätzung, dass der Beschuldigte zur Tatzeit möglicherweise schuldunfähig gewesen ist.

Täter möglicherweise schuldunfähig

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte zuvor eine Verlegung des Somaliers nach Paragraf 126a der Strafprozessordnung beantragt. Darin heißt es, dass der Täter die Tat "im Zustand der Schuldunfähigkeit oder verminderten Schuldfähigkeit" begangen hat. In einem solchen Fall ist eine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt die einzige Möglichkeit, ihn weiter in Gewahrsam zu behalten.

Psychiatrische Untersuchung von hoher Bedeutung

Die Erstellung der abschließenden Gutachten werde jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, heißt es von den Ermittlern. Die Ergebnisse der psychiatrischen Untersuchung seien von hoher Bedeutung für das gesamte Verfahren. Daher seien zwei renommierte Sachverständige damit beauftragt worden. Was bereits vorliegt, ist das Ergebnis eines toxikologischen Gutachtens. Demnach habe der 24-Jährige während der Tat nicht unter dem Einfluss von Drogen gestanden.

Bisher keine Hinweise auf islamistisches Motiv

Die Ermittler suchen weiterhin nach dem Motiv des Somaliers. Islamwissenschaftler arbeiten derzeit an einer Bewertung, ob und inwieweit religiöse Überzeugungen des Beschuldigten bei der Tat eine Rolle gespielt haben könnten. Zeugen wollen während seines Angriffs zweimal den Ausruf "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gehört haben.

Die Auswertung der beiden Mobiltelefone habe weder Hinweise auf Propagandamaterial oder sonstige extremistische Inhalte noch auf etwaige Mittäter oder Mitwisser ergeben. Papierzettel, die kurz nach der Tat am Tatort gefunden wurden, hätten sich als unverdächtig herausgestellt und würden in keinem Zusammenhang mit der Tat oder dem Täter stehen. Die Operative Fallanalyse Bayern (OFA) wurde in die Analyse des Tatgeschehens mit eingebunden.

Pflichtverteidiger: "Er hat eine schwerwiegende Erkrankung"

Pflichtverteidiger Schrepfer schildert seine Begegnungen mit dem Täter wie folgt: "Es gibt Phasen, wo er klar wirkt. Das kann aber sehr schnell umklappen. Zuletzt hat er wie apathisch gewirkt." Demnach spricht der Somalier selbst mit seinem Anwalt Hans-Jochen Schrepfer so gut wie nicht. Schrepfer sucht ihn mit einem Dolmetscher auf, der Somali spricht. Der Rechtsanwalt geht nicht davon aus, dass sich ein islamistisches Motiv bei seinem Mandanten erhärtet und sagt: "Es zeichnet sich ab: Er hat eine ganz schwerwiegende Erkrankung."

Messerangriff in der Würzburger Innenstadt

Am 25. Juni hat der angeklagte Somalier in einem Kaufhaus und anschließend auf dem Barbarossaplatz in Würzburg offenbar wahllos auf Menschen eingestochen. Drei Frauen sind dabei gestorben, sechs Menschen sind schwer verletzt worden. Inzwischen befindet sich keiner der Verletzten mehr in Lebensgefahr. Die Polizei hat den 24-Jährigen mit einem gezielten Schuss in den Oberschenkel gestoppt und festgenommen.

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