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Würzburger Kinderporno-Fall: Weitere Details zu Opfern | BR24

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Im Würzburger Kinderporno-Fall hat die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen. Ein Logopäde soll in Kindergärten und anderen Einrichtungen innerhalb Kinder sexuell missbraucht und Bilder und Videos im sogenannten Darknet verbreitet haben.

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Würzburger Kinderporno-Fall: Weitere Details zu Opfern

Die Zentralstelle für Cyberkriminalität in Bayern hat die Ermittlungen zum Würzburger Kinderporno-Fall abgeschlossen und neue Details zu den Opfern des Logopäden bekannt gegeben. Die Ermittler haben zehn weitere Verdächtige gefunden.

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Dem inhaftierten Logopäden aus Würzburg werden 78 Einzeltaten zur Last gelegt. 45 davon gelten als schwerer sexueller Missbrauch, der "mit dem Eindringen in den Körper" verbunden waren. Der Logopäde soll die Jungen nicht nur schwer missbraucht und dabei Kinderpornos angefertigt haben, sondern das Material auch im Darknet verbreitet haben.

Beruflicher Kontakt zu missbrauchten Kindern

Er soll die Kinder immer so lange missbraucht haben, wie er beruflichen Kontakt zu ihnen hatte. Wenn die Kinder die Einrichtung verlassen haben oder die Therapie beendet war, soll auch der Missbrauch aufgehört haben. Das wurde bei einer Pressekonferenz der Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg bekannt.

Behinderte Kinder als Opfer des Logopäden

Es gibt sieben männliche Opfer unter sechs Jahren, teils mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen. Diese Kinder soll der Logopäde gezielt ausgesucht haben. Bei ihnen sei nicht zu erwarten gewesen, dass sie sich an ihre Eltern wenden und von ihren schlimmen Erlebnissen erzählen, hieß es bei der Pressekonferenz.

Vier Tatorte in Würzburg

Nach vorläufigem Abschluss der polizeilichen Ermittlungen stehen als Tatorte zwei Praxen des Logopäden sowie zwei evangelische Kitas fest, in denen er als Therapeut tätig war. Die Taten sollen zwischen 2012 und März 2019 erfolgt sein.

Anklage im Kinderporno-Fall noch in diesem Jahr

Die Anklage gegen den Logopäden soll noch dieses Jahr erfolgen, sagte ein Sprecher der Zentralstelle Cybercrime. Ein finanzielles Motiv soll er nicht gehabt haben. Aber seine genauen Beweggründe sollen im Verfahren zur Sprache kommen, so ein Sprecher bei der Pressekonferenz. Neben dem Logopäden war auch sein Partner kurz festgenommen worden. Er war stellvertretender Leiter der betroffenen integrativen evangelischen Kita. Die Ermittler haben den Pädagogen allerdings schnell wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Tatverdacht gegen ihn hat sich nach wie vor nicht weiter erhärtet. Offenbar wusste er nichts von den Taten seines Partners.

Weitere Tatverdächtige gefunden

Infolge der Ermittlungen im Würzburger Kinderporno-Fall wurden weitere Tatverdächtige im In- und Ausland aufgespürt. Nachdem ein Logopäde im März verhaftet wurde, werteten die Ermittler 23.000 Bild- und Videodateien aus, wie die Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg mitteilte.

Ermittler verhindern weiteren Missbrauch

Zehn weitere Beschuldigte seien seitdem ermittelt und die Verfahren bereits an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben worden. Die akribische Arbeit der Bamberger Ermittler habe weitere Kindesmissbrauch-Fälle verhindert, sagte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU).

Kinderpornos aus Würzburg im Darknet

Wie Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky sagte, werde nach dem Würzburger Fall in 42 weiteren Verfahren ermittelt. Außerdem liege noch eine Vielzahl an Spuren vor, die ausgewertet werden müssen. Die bei dem 37-jährigen Logopäden gefundenen Kinderpornos wurden im so genannten Darknet in Tauschbörsen gehandelt.

Den Ermittlern zufolge wurden die ausgewerteten Bilder und Videos in mehreren europäischen Ländern, in Nordamerika und auf den Kapverdischen Inseln gefertigt. Ein Zusammenhang mit der vor kurzem in Rheinland-Pfalz in einem Bunker ausgehobenen Server-Farm bestehe nicht.

Betreiber einer Kinderporno-Tauschbörse ermittelt

Janovsky schilderte einen weiteren Fall von einem der zehn Neubeschuldigten näher. Man habe einen Nutzer einer Kinderporno-Tauschbörse ermittelt, dessen Profilbild einen etwa fünfjährigen Jungen in aufreizender Pose zeigt. Dieser Nutzer habe mehrere Serien an kinderpornografischem Video- und Bildmaterial verbreitet, vornehmlich mit Jungen zwischen vier und zehn Jahren.

Bei den Ermittlungen gegen ihn wurde bekannt, dass der Mann aus einem EU-Nachbarland erst vor kurzem eine alleinerziehende Frau mit einem fünfjährigen Sohn kennengelernt hatte. An diesem habe er auch bereits erste sexuelle Handlungen vorgenommen. Die ermittelten Beschuldigten hätten in den meisten Fällen darauf vertraut, dass sie das Darknet dauerhaft vor der Enttarnung schütze.

Minister Eisenreich fordert mehr Befugnisse für Ermittler

Im Darknet, einem schwer zugänglichen Bereich des Internets, sind viele Kriminelle aktiv und handeln dort unter anderem mit Drogen, Waffen oder eben auch mit Kinderpornografie. Minister Eisenreich mahnte mehr Befugnisse für die Ermittler an. Nach einer erfolgreichen Bundesratsinitiative sei nun der Bund gefordert. Durch Ermittlungserfolge wie diese könne man weitere Fälle von Kindesmissbrauch verhindern, sagte Eisenreich.

© BR Fernsehen

Die Ermittlungen im Kinderporno-Fall in Würzburg sind zunächst abgeschlossen und die Polizei trat mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit: Mindestens zehn weitere Tatverdächtige im In- und Ausland!