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Würzburger Forscher rechnet mit "Barcelona-Klima" im Maintal | BR24

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Ein paar Hitzetage machen noch keinen Klimawandel, sagt Heiko Paeth von der Uni Würzburg. Aber die Statistiken des Klimaforschers zeigen: Hitzesommer häufen sich, gerade in Unterfranken. Für das Maintal sagt Paeth ein "Barcelona-Klima" voraus.

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Würzburger Forscher rechnet mit "Barcelona-Klima" im Maintal

Ein paar Hitzetage machen noch keinen Klimawandel, sagt Heiko Paeth von der Uni Würzburg. Aber die Statistiken des Klimaforschers zeigen: Hitzesommer häufen sich, gerade in Unterfranken. Für das Maintal sagt Paeth ein "Barcelona-Klima" voraus.

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Die für Juni ungewöhnliche Gluthitze dieser Woche ist für den Klimaforscher Heiko Paeth von der Universität Würzburg ein wichtiger Forschungsgegenstand. Grund ist ein Projekt, mit dem ein Team um Heiko Paeth das Würzburger Stadtklima vermisst. An insgesamt sieben speziellen Stationen im gesamten Stadtgebiet werden alle zehn Minuten verschiedene meteorologischen Größen wie Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit oder Niederschlag gemessen und auf einem Server der Uni gespeichert.

Klimaforscher misst "Wärmeinsel-Effekt" in Würzburg

Besonderes Interesse gilt dabei dem sogenannten Wärmeinsel-Effekt in Städten – also den Unterschieden in einer aufgeheizten Stadt wie Würzburg im Vergleich zur kühleren ländlichen Umgebung. Bisher gibt es kaum fundierte wissenschaftliche Daten zu diesem Effekt. Würzburg sei für diese Messungen prädestiniert, so Paeth. Denn wegen der Kessel-Lage sei der Wärmeinsel-Effekt hier besonders hoch – an manchen Tagen bis zu sechs Grad im Vergleich zum Umland.

"Zur topographischen Lage in Würzburg kommt hinzu, dass wir im Maintal und auch in den Nebentälern hohe Bebauung haben, die teils schon vor fast 100 Jahren entstanden ist, als man über Frischluftschneisen und Stadtklima noch gar nicht gesprochen hat. Dadurch ist die Belüftung in Würzburg schlechter als in vielen anderen Städten." Heiko Paeth, Klimaforscher Universität Würzburg

Heiko Paeth: "Sportsgeist" beim Klimaschutz nicht verlieren

Mit Hilfe der ausgewerteten Daten will Paeth Impulse liefern, durch welche Maßnahmen das Stadtklima in Städten wie Würzburg auch in Zukunft noch erträglich gestaltet werden kann. Denn der menschengemachte Klimawandel sei zwar nicht mehr komplett aufzuhalten, so Paeth, das Ausmaß hingegen sei sehr wohl noch zu beeinflussen.

"Ob wir jetzt zweieinhalb oder fünf oder sogar sechs Grad Erwärmung haben, macht einen riesigen Unterschied für die Lebensbedingungen auf diesem Planeten. Also wir sollten unseren Sportsgeist nicht verlieren." Heiko Paeth, Klimaforscher Universität Würzburg

Die Prognose: trockene Sommer und Starkregen

Für das ohnehin trockene Unterfranken sagte Heiko Paeth bisher ähnliche Klimaverhältnisse wie in Bordeaux voraus. Diese Prognose hat der Klimaforscher inzwischen sogar nach oben korrigiert:

"Mittlerweile bin ich gar nicht sicher, ob es nicht vielleicht auch Barcelona werden könnte, weil wir mehr Treibhausgase emittieren, als wir noch vor 20 Jahren als ungünstigsten Fall erachtet haben." Heiko Paeth, Klimaforscher Universität Würzburg

Künftig seien regelmäßig sehr trockene Sommer zu erwarten, unterbrochen von Starkniederschlägen, die zwar viel Regenmenge bringen, aber wenig Durchfeuchtung im Boden. Und das seien die "ultimative Herausforderungen für Land- und Forstwirtschaft, inklusive Sonderkulturen wie Wein", so Paeth.

Internetportal soll Landwirtschaft in Unterfranken helfen

Ein weiteres Forschungsprojekt gilt deshalb den Zukunftsprognosen für Forstbetriebe, Obst- und Gemüsebauern sowie Winzern in Unterfranken. Insgesamt 16 Betriebe sind an diesem "BigData@Geo-Projekt" für Unterfranken beteiligt. Entstehen soll ein Internetportal, wo per Mausklick die Klimabedingungen der Zukunft für jede einzelne Parzelle ablesbar werden sollen – kostenlos und für sämtliche Betriebe in Unterfranken. Das auf vier Jahre angelegte Projekt läuft noch bis Ende 2021.