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Würzburger "Dienst-Tag"-Demo fordert mehr Geld für Pflege | BR24

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Zu Beginn der Corona-Pandemie haben Menschen in helfenden Berufen Wertschätzung erfahren. Der Applaus ist verebbt, verbessert haben sich die Arbeitsbedingungen nicht. Deshalb hat in Würzburg der erste "Dienst-Tag für Menschen" stattgefunden.

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Würzburger "Dienst-Tag"-Demo fordert mehr Geld für Pflege

Zu Beginn der Corona-Pandemie haben Menschen in helfenden Berufen Wertschätzung erfahren. Der Applaus ist verebbt, verbessert haben sich die Arbeitsbedingungen nicht. Deshalb hat in Würzburg der erste "Dienst-Tag für Menschen" stattgefunden.

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Es war eine "stille Demo" und zugleich ein Aufschrei, dass sich etwas ändern muss. 50 Beschäftigte von Seniorenheimen, Krankenhäusern und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung haben in Würzburg für bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Die Demo am Unteren Markt stand unter dem Motto "Dienst-Tag für Menschen". Sie war der Auftakt für weitere Aktionen, die zunächst bis Jahresende stattfinden sollen: immer dienstags und an wechselnden Orten der Stadt.

Corona verschärft Situation in Pflegeberufen

Mit Transparenten und Handzetteln machten die Teilnehmenden auf ihre Anliegen aufmerksam: weniger Bürokratie, mehr Personal und mehr Zeit für die pflegebedürftigen Menschen, eine höhere Bezahlung. Sie forderten die Einführung einer 35-Stunden-Woche in Pflegeberufen.

Weil die Zahl wegen der Corona-Auflagen auf 50 begrenzt war, mussten sich die Teilnehmenden vorab für die Demo registrieren. Zum Auftakt der "Dienst-Tage" waren viele Leiterinnen und Leiter von Würzburger Einrichtungen gekommen. "Um ganz bewusst ein Zeichen zu setzen, dass auch wir hinter den Forderungen stehen", sagte Walter Herberth. Er ist Oberpflegeamtsdirektor bei der Würzburger Stiftung Juliusspital.

Teilnehmer sieht "Mängel im System"

"In den vergangenen Monaten hat die Corona-Krise die Mängel des Systems aufgedeckt, die wir als Insider schon seit Jahren anprangern", sagte Herberth weiter. Viele Mitarbeiter in der Pflege und in Krankenhäusern seien am Ende ihrer Kräfte.

Nach den zahlreichen Bekundungen von Wertschätzung zu Beginn der Pandemie sei nun die Politik gefordert. Herberth forderte sie auf, "diese helfenden Berufe attraktiver und letztlich überhaupt leistbar zu machen".

© BR/Jochen Wobser

Erste "Dienst-Tag für Menschen"-Demo am Unteren Markt in Würzburg

Enge Personalschlüssel und Pflege im Hamsterrad

"Der Personalschlüssel ist viel zu eng", beklagt auch Rolf Müßig. Er ist Geschäftsführer der Würzburger Arche, einer Gesellschaft für Alten- und Behindertenhilfe auf dem Heuchelhof. "Unsere Mitarbeiter fühlen sich wie in einem Hamsterrad, ohne dass sich da was zum Besseren entwickeln würde. Wir prangern das seit 15 Jahren an", sagte er.

Auch wenn es bei den Beschäftigten in einer Einrichtung keinen Corona-Fall gebe, würden viele wegen der Pandemie ausfallen. "Wir haben derzeit fünf Mitarbeiter, die auf ihr Testergebnis warten", sagte Müßig. Die Bewohner müssten natürlich weiterhin versorgt werden. Egal, wie kritisch die Personalsituation ist.

Veränderungen statt Wertschätzung auf Zeit

Für Johannes Spielmann, den Geschäftsführer der Würzburger Blindeninstitutsstiftung, geht es vor allem darum, die Gesellschaft zu sensibilisieren. "Die Wertschätzung zu Beginn der Pandemie ist schon wieder abgeflaut. Das ist alles wieder 'business as usual'", sagte Spielmann. Darum sei es gerade jetzt wichtig, "immer wieder Zeichen zu setzen und Forderungen zu äußern".

Dies wird am zweiten "Dienst-Tag" wieder passieren. Die nächste Aktion ist vor dem Würzburger Juliusspital geplant.

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