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Chan-jo Jun

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    Würzburger Anwalt geht gegen Facebook vor

    Facebook muss sich erstmals vor einem deutschen Gericht verantworten - und zwar in Würzburg. Der dort ansässige Anwalt Chan-jo Jun vertritt einen Flüchtling. Dieser wehrt sich gegen eine Falschnachricht, die noch immer online steht.

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    Zielscheibe der Hass-Attacke ist der Syrer Anas Modamani. Er war 2015 quasi über Nacht berühmt geworden, weil er ein Selfie mit Kanzlerin Angela Merkel geknipst hatte, das um die Welt ging. Jetzt wird auf Facebook behauptet, Modamani sei einer der Täter, die vor Weihnachten in Berlin einen Obdachlosen angezündet haben. Eine völlig haltlose Behauptung, so Chan-jo Jun. Das Bild ist über 500mal geteilt worden, verstößt aber laut Facebook nicht gegen Community-Standards.

    "Deutsches Recht gilt auch für Facebook"

    "Gegenstand des gerichtlichen Verfahrens ist zunächst einmal die Verbreitung der unwahren Tatsachenbehauptung", sagte Chan-jo Jun dem BR. Zudem gehe es darum, dass das soziale Netzwerk sich weigere, solche Falschnachrichten zu löschen. "Für Facebook sind Falschnachrichten und Beleidigungen kein Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards, wohl aber ein Verstoß gegen das deutsche Recht", so Jun weiter. Er wolle mit dem Prozess beweisen, dass deutsches Recht auch für Facebook gilt.

    Internet-Portal stellte Kontakt her

    Mimikama, ein Portal für Aufklärung und gegen Fake-News, hatte den Kontakt zwischen Jun und Modamani hergestellt. "Zum einen, weil sie wussten, dass ich nach einem Musterfall suche", erklärt der Anwalt. Zum anderen, weil über den jungen Syrer bereits im Sommer 2016 Falschnachrichten verbreitet worden waren. Damals wurde behauptet, er sei an den Brüssel-Attentaten beteiligt gewesen. Und nun wieder eine falsche Behauptung. "Dagegen wollte er sich wehren und suchte nach einem Anwalt."

    Termin für die Verhandlung am Landgericht Würzburg ist der 6. Februar.