Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Würzburg: Internationaler Tag der Provenienzforschung | BR24

© Irina Hanft/BR-Mainfranken

Woher kommt die Kunst? Heute findet erstmals der Internationale Tag der Provenienzforschung statt. Auch in Würzburg beschäftigen sich seit einigen Jahren mehrere Museen und Sammlungen mit der viel zu lange ausgeklammerten Geschichte ihrer Objekte.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Würzburg: Internationaler Tag der Provenienzforschung

Woher kommt die Kunst? Heute findet erstmals der Internationale Tag der Provenienzforschung statt. Auch in Würzburg beschäftigen sich seit einigen Jahren mehrere Museen und Sammlungen mit der viel zu lange ausgeklammerten Geschichte ihrer Objekte.

Per Mail sharen

Warum gelangten antike Objekte aus der "Dritten Welt" nach Europa? Wie wurden Gegenstände aus jüdischem Besitz in der NS-Zeit geraubt oder weit unter Wert "günstig" erworben? Was meint Beutekunst? Mit solchen Fragen befasst sich Provenienzfoschung.

In Würzburg haben zwei der rund 70 Kulturinstitutionen aus fünf Ländern ihren Sitz, die für heute den "1. Internationalen Tag der Provenienzforschung" ausgerufen haben: der Kulturspeicher Würzburg mit der Städtischen Sammlung sowie das Museum am Dom der Diözese Würzburg.

Einblick in Forschungsarbeiten

Das Museum am Dom ist heute auch zentraler Veranstaltungsort. Dort geben angehende Experten Einblick in Forschungsarbeiten zur Herkunft von Kunstwerken. Es sind Teilnehmer eines Masterstudiengangs, den es seit drei Jahren an der Universität Würzburg gibt. Die Arbeiten dafür befassen sich zum Beispiel mit den "arisierten" Beständen der Kunsthandlung Seligsberger in Würzburg, aber auch orientalischen Grabungsfunden, die über Hobbyarchäologen in heimische Sammlungen gelangt sind.

Würzburger Museen stellen sich ihrer Geschichte

Mehrere Museen und Sammlungen stellen sich auch in Würzburg seit einigen Jahren der lange ausgeklammerten Frage nach der Geschichte ihrer Objekte. Welche Ergebnisse eine Überprüfung von mehr als 200 Verdachtsfällen aus der Gründungszeit der städtischen Sammlung unter dem Hakenkreuz ergeben hat, dokumentiert auf spannende Weise die Ausstellung "Herkunft und Verdacht". Sie läuft noch bis 28. April im Kulturspeicher Würzburg. Mutmaßlich vier Werke sind unrechtmäßig jüdischen Vorbesitzern entzogen worden.

Grundsatzbeschluss zur Wiedergutmachung

Der Stadtrat von Würzburg hat bereits einen Grundsatzbeschluss zur Wiedergutmachung gefasst und sich dabei an den Vorgaben der Washingtoner Erklärung von 1998 orientiert. Darin wird ein fairer und gerechter Ausgleich mit möglichen Erben gefordert. Doch diese ausfindig zu machen, gehört mit zu den Herausforderungen der Provenienzforschung.

Museum für Franken

Welche erste Ergebnisse die Provenienzforschung beim Museum für Franken ergeben hat, ist zunächst noch bis 1. Mai im Jüdischen Museum München zu sehen. Es zeigt kostbare Ritualgegenstände, die bei einer Inventarisierung auf der Festung Marienberg in Würzburg 2016 zufällig wiederentdeckt wurden. Vieles aus diesen sieben Kisten konnte dann als Raubgut aus unterfränkischen Synagogen identifiziert werden, die bei der Reichsporgromnacht geschändet worden sind. Ab 5. Juni wird die Ausstellung unter dem Titel" Sieben Kisten mit jüdischem Material. Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute" dann an ihrem Fundort im Museum für Franken auf der Festung Marienberg in Würzburg bis 20. Oktober gezeigt.