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Würzburg: Gedenken an die Ermordung von Sinti und Roma | BR24

© Gemeinschaft Sant'Egidio Würzburg

Würzburg gedenkt der Ermordung von Sinti und Roma

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    Würzburg: Gedenken an die Ermordung von Sinti und Roma

    Es war eine Nacht des Grauens: Tausende von Sinti und Roma wurden vom 2. auf den 3. August 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. Anlässlich der Auflösung des sogenannten "Zigeunerlagers" hat in Würzburg eine Gedenkveranstaltung stattgefunden.

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    Etwa 40 Menschen gedachten am Würzburger Mahnmal hinter dem Dom der Ermordung von tausenden Sinti und Roma in der Nacht von 2. auf den 3. August 1944. Es waren vor allem ältere Menschen, Frauen und Kinder, die bei der Auflösung des sogenannten "Zigeunerlagers" im KZ Auschwitz-Birkenau ins Gas getrieben wurden. Etwa 4.300 Menschen wurden in jener Nacht ermordet. Aus Würzburg wurden 30 namentlich bekannte Sinti in Vernichtungslager deportiert, nur vier überlebten. Insgesamt fielen europaweit etwa 500.000 Sinti und Roma dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer.

    Kranzniederlegung am Würzburger Mahnmal

    Zum Gedenken legte Würzburgs Bürgermeister Martin Heilig am Sonntag einen Kranz vor dem Mahnmal am Paradeplatz nieder. Das 2005 eingeweihte Mahnmal besteht aus einem drehbaren Metallwürfel, der in Deutsch und Romanes die Inschrift zeigt: "Zum Gedenken an die Würzburger Sinti, die dem nationalsozialistischen Völkermord in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern zum Opfer fielen". Neben Heilig sprachen als Vertreter der Sinti Roberto Paskowski aus Ingolstadt und Rita Prigmore, Trägerin des Würzburger Friedenspreises 2013.

    Zeitzeugin Rita Prigmore: Leiden von Sinti und Roma dauert an

    Die Würzburgerin Rita Prigmore hat zahlreiche Verwandte in Auschwitz verloren. In Ihrer Ansprache erinnerte die 77-Jährige an jeden, "der durch Rassismus und den Terror der Nazis sein Leben und sein persönliches Glück auf Erden verloren hat". Eindringlich stellte Prigmore einen Bezug her zwischen der Verfolgung von Sinti und Roma und der gegenwärtigen Situation in Zeiten der Corona-Pandemie. Gerade jetzt, so Prigmore, zeige sich, dass das Leiden von Sinti und Roma immer weiter gehe:

    "Viele leben in Elendsvierteln in Armut und unter unmenschlichen Bedingungen: auf engstem Raum, ohne Zugang zu sauberem Wasser. Es fehlt an Nahrung, Hygieneartikeln und medizinischer Versorgung. Die Menschen sind dem Virus quasi schutzlos ausgeliefert. Anstelle von Hilfen durch den Staat, heizen manche Politiker die rechtsextreme Hetze an und es kam zu staatlichen Repressionen." Rita Prigmore, Sintiza aus Würzburg

    Würzburger Sintiza: Appell an die Bundesregierung

    An die Adresse der Bundesregierung appellierte Prigmore, während der EU-Ratspräsidentschaft für "eine langfristig gedachte Politik" zum Wohle der Sinti und Roma voranzubringen, "mit dem Ziel, dass in zehn oder fünfzehn Jahren mindestens 50 Prozent der Roma in Europa auf demselben Standard leben wie die Mehrheitsbevölkerung". Ihre Rede nutzte Prigmore außerdem dazu, auf die Situation alter Menschen hinzuweisen. Gerade angesichts der Corona-Pandemie zeige sich, dass "die Unterbringung älterer Menschen in großen Einrichtungen" überwunden werden müsse, so Prigmore.

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