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Frau überfahren: Familie und Öffentlichkeit über Urteil empört | BR24

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Im April 2017 ist auf einem Feldweg in Untereisenheim (Lkr. Würzburg) eine junge Frau überfahren und tödlich verletzt worden. Die Strafe für den alkoholisierten 18-jährigen Unfallfahrer fällt für viele Beobachter zu mild aus.

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Frau überfahren: Familie und Öffentlichkeit über Urteil empört

Das milde Urteil gegen den Todesfahrer von Untereisenheim sorgt für Empörung in der Region und online. Vater Ronald Stahl ist enttäuscht vom Rechtssystem. Ein Mann hat betrunken seine Tochter überfahren – und ist mit einer Geldstrafe davongekommen.

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5.000 Euro Geldstrafe und ein weiteres Jahr Fahrverbot: So lautet das Urteil gegen einen 20-jährigen Mann, der vor zwei Jahren mit knapp drei Promille Alkohol eine Frau überfahren hat. Die Entscheidung des Gerichts sorgt für Empörung und Unverständnis in der ganzen Region.

Kritik am milden Urteil

"Ich finde es merkwürdig: Menschen werden wegen viel geringerer Vergehen zu Gefängnisstrafen verurteilt. In dem Fall ist ein Menschenleben nichts wert – weil der Fahrer Alkohol getrunken hat", sagte eine Passantin in der Würzburger Innenstadt zum Bayerischen Rundfunk. "Ich finde es krass, wenn man es in Relation setzt: 5.000 Euro für ein Menschenleben. Aber es gibt ja diesen Paragrafen: Dass man schuldunfähig ist, wenn man Alkohol getrunken hat", so erklärte eine junge Frau das Urteil.

Online: "Ein tolles Strafrecht haben wir."

Auch auf den Online-Kanälen des Bayerischen Rundfunks sorgt das Urteil für hitzige Diskussionen. Ein Nutzer kritisiert die Rechtsprechung in Deutschland: "Ein tolles Strafrecht haben wir. Bau irgendeinen Scheiß, dann hau dir eine Flasche Schnaps rein und schon bist du aus dem Schneider." Ein anderer hofft, dass die nächsthöhere Instanz ein "Urteil im Namen des Volkes" fällen wird. Auf der Facebook-Seite von BR Franken schreibt eine Userin: "Ein Leben ist heutzutage nichts mehr wert. Aber wehe du hast bei der Steuer geschummelt."

Vater kritisiert Rechtssystem in Deutschland

Die Familie der getöteten Frau hat mit Entsetzen auf das Urteil reagiert. Vater Roland Stahl ist enttäuscht vom deutschen Rechtssystem. "Wenn man genug Alkohol getrunken hat, darf man Menschen totfahren und kommt ohne Strafe davon. Es reicht, wenn man 5.000 Euro auf den Tisch legt", so Stahl im BR-Interview. Schwester Anabel Wagner hätte sich gewünscht, dass sich der junge Mann und seine drei Mitfahrer Reue zeigen und sich persönlich bei der Familie entschuldigen.

Familie startet Aktion gegen Alkohol am Steuer

Als Vermächtnis und im Andenken an die Tochter und Schwester startete ihre Familie eine Aktion gegen Alkohol. Sie gestalten Aufkleber mit einem Pfeil und dem Namen der Verunglückten und der Aufschrift "Gegen Alkohol am Steuer". Auf einer eigenen Homepage erzählen sie die ganze Geschichte des Unfalls. Sowohl die Familie als auch die Staatsanwaltschaft Würzburg hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Hintergrund: Todesfahrt von Untereisenheim

Am Mittwoch war ein 20-jähriger Angeklagter vom Amtsgericht Würzburg wegen fahrlässigen Vollrauschs zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro und einem weiteren Jahr Führerscheinentzug verurteilt worden. Er hatte laut Gericht im April 2017 nach einem Weinfest in Untereisenheim (Lkr Würzburg) betrunken eine junge Frau überfahren.

Die 20-Jährige war zu Fuß auf dem Nachhauseweg von dem damals 18 Jahre alten Fahranfänger auf einer Ortsstraße mit überhöhter Geschwindigkeit erfasst und laut Anklage durch den Aufprall 13 Meter weit in ein Feld geschleudert worden. Ein psychiatrischer Gutachter hatte den Angeklagten im Prozess wegen dessen Volltrunkenheit als schuldunfähig eingestuft. Daher könne er nicht für die Tötung belangt werden, es bleibe nur die fahrlässige Volltrunkenheit, begründete das Gericht das Urteil. Die drei Mitfahrer wurden wegen unterlassener Hilfeleistung zu Geldstrafen zwischen 1.000 und 2.000 Euro verurteilt.