BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Wolf vs. Vieh: Neues Projekt unterstützt bayerische Bauern | BR24

© dpa/pa/Bildagentur-online/Rolfes-McPhot

Wölfe im Winter

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wolf vs. Vieh: Neues Projekt unterstützt bayerische Bauern

Der Wolf ist im Freistaat auf dem Vormarsch. Was Artenschützer freut, beunruhigt Landwirte - viele fordern Abschussmöglichkeiten. Ein Großprojekt setzt beim Schutz von Viehherden nun auf Wissensvermittlung. Mit dabei: Bayern, Österreich und Südtirol.

Per Mail sharen
Von
  • Florian Haas

Die Zahl von Wölfen in Europa wächst - und damit steigen auch die Sorgen vieler Menschen. Vor allem Landwirte sind beunruhigt. Nun will ein länderübergreifendes Projekt den Schutz von Viehherden im Alpenraum voranbringen - und generell die Konflikte zwischen Mensch und Wolf verringern.

Herdenschutz im Blickpunkt

Das internationale Projekt trägt den Namen "Lifestock Protect" (Eigenschreibweise: LIFEstockProtect) und hat ein Budget von knapp fünf Millionen Euro - wobei 3,6 Millionen Euro von der EU-Kommission kommen. Beteiligt sind landwirtschaftliche Organisationen mit mehr als 16.000 Mitgliedern aus Deutschland, Österreich und Italien - die meisten von ihnen aus dem Öko-Bereich. Außerdem engagieren sich Wissenschaftler und Naturschützer.

Bei einer großen Digitalkonferenz haben einige von ihnen nun über ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Wolf gesprochen - und die Ziele des Projektes umrissen. Dazu zählt, wie erwähnt, vor allem der Schutz der Viehherden. So sollen in den nächsten fünf Jahren Maßnahmen erprobt und umgesetzt werden. Max Rossberg von der beteiligten Organisation European Wilderness Society erklärte, dass die Zeit dränge: Herdenschutz und Herdenmanagement müssten nun ernstgenommen werden.

Almbauern klagen über fehlende Schutzmöglichkeiten

Hintergrund der Sorgen ist die Tatsache, dass sich die streng geschützten Tier auch in Bayern wieder mehr zuhause fühlen. Laut aktuellen Zahlen des Landesamtes für Umwelt (LfU) gibt es acht feste Wolfsterritorien im Freistaat. Zum Vergleich: Im Monitoring-Jahr 2015/16 war es nur eines. Fast wöchentlich werden einzelne Tiere nachgewiesen, in dieser Woche am Untermain, davor in Nürnberg, nahe Amberg sowie bei Freising und Bamberg. Laut LfU sind das meist durchwandernde Tiere, die ihre elterlichen Rudel verlassen haben und auf der Suche nach einem eigenen Gebiet sind. Auch bundesweit steigt die Zahl der Wölfe - pro Jahr um etwa 30 Prozent.

© BR

Zwei Wölfe am Untermain gesichtet

Das LfU verweist darauf, dass Tierhalter für den Schutz von Schafsherden (beispielsweise durch einen Elektrozaun oder einen Herdenschutzhund) Fördermittel beantragen können. Außerdem können Nutztierhalter Schäden Luchs ersetzt bekommen. Ein Angriff auf Menschen ist seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland im Jahr 1996 nicht bekannt.

Auch Wolfsspürhunde werden ausgebildet

Und dennoch: Immer wieder wurde gefordert, den strengen Schutz des Wolfes zu lockern. Vor allem Almbauern klagen, sie könnten im unwegsamen Gelände ihre Tiere nicht sichern. Max Rossberg von European Wilderness Society sagt indes: Auch im höheren Gebirge sei der Schutz keine Unmöglichkeit - und nicht überall seien Zäune die Lösung. Viel Wissen sei vorhanden und solle nun bei dem Projekt weitergegeben werden.

Binnen fünf Jahren sollten mehr als 1.000 Landwirte, Herdenschutzberater und Hirten aus- und weitergebildet werden. In den drei Ländern sollen außerdem 20 Herdenschutzkompetenzzentren entstehen. Dort könnten sich Landwirte bei Kollegen informieren, wie Herdenschutz möglich ist. Interessant auch: 20 Wolfsspürhunde sollen ausgebildet werden. Sie zeigen an, wenn ein Riss auf einen Wolf zurückgeht - und der Landwirt entsprechend Vorsicht walten lassen muss.

(mit Material von dpa)

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!