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Wolbergs-Prozess: Wenig Aufklärung durch Angehörige | BR24

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Die Ehefrau des angeklagten suspendierten SPD-Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs, Anja Wolbergs, hat ihren getrennt von ihr lebenden Ehemann vor Gericht verteidigt.

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Wolbergs-Prozess: Wenig Aufklärung durch Angehörige

Im Regensburger Korruptionsprozess um den suspendierten OB Joachim Wolbergs haben die Ehefrau und ihre Mutter als Zeugen ausgesagt. Zur juristischen Aufklärung trugen sie wenig bei, gaben aber einige Einblicke ins Privatleben des angeklagten OB.

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Im Regensburger Korruptionsprozess haben am Donnerstag die Ehefrau des angeklagten SPD-Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs und ihre Mutter ausgesagt. Anja Wolbergs verteidigte dabei ihren Mann, von dem sie getrennt lebt. Sie sei sich sicher, dass er nie wegen seines Amts einen Vorteil bekommen wollte, sagte sie vor dem Regensburger Landgericht.

Nichts Außergewöhnliches bei Spenden bemerkt

Zu den im Raum stehenden Vorwürfen konnte Anja Wolbergs wenig Neues beitragen. Bei vielen Dingen sei sie nicht involviert gewesen. Mit dem Kauf von Wohnungen vom mitangeklagten Immobilienunternehmer Volker Tretzel durch ihre Mutter und Schwiegermutter habe sie sich wenig befasst, so Wolbergs. Auch als Kassierin des SPD-Ortsvereins Stadtsüden sei ihr bei den Parteispenden an ihren Mann und Ortsvereinsvorsitzenden nichts Außergewöhnliches aufgefallen. Dass einige knapp unterhalb von 10.000 Euro lagen, habe sie sich mit der Veröffentlichungsgrenze bei dieser Summe in Verbindung gebracht. Und bei den Renovierungsarbeiten an einem Wochenendhaus der Familie habe sie zwar die Rechnungen bezahlt, sei aber ansonsten nicht über die Arbeiten informiert gewesen. Auch dass das Unternehmen von Tretzel 20.000 Euro für die Renovierungen gezahlt hat, habe sie nicht gewusst. Die gesamte Renovierung des Wochenendhauses habe sie jedoch für eine "Schnapsidee" gehalten.

"Schlamper bei privaten Finanzen"

Einblicke gab Anja Wolbergs ins Familienleben: Dass ihr Mann bei Rechnungen keinen Überblick hatte, seine Ehefrau für wahrscheinlich. So habe sich Joachim Wolbergs auch nie für seine privaten Finanzen interessiert. Alle Rechnungen habe sie überweisen müssen, häufig habe er Rechnungen oder Mahnungen vergessen. Noch heute mache sie trotz der Trennung im Oktober 2015 seine Steuererklärung, so Anja Wolbergs. Geld sei ihm schlichtweg nicht wichtig gewesen, er sei in dieser Hinsicht ein "Schlamper" gewesen.

"Katastrophe" für Familie

Anja Wolbergs sprach Anja vor Gericht auch über die Ermittlungen und die Untersuchungshaft ihres Mannes. Ihre Kinder und sie hätten sehr darunter gelitten. Eine "Katastrophe" sei es gewesen, ihr sohn habe in der Schule davon erfahren. Und bei Besuchen im Gefängnis habe man teilweise nicht ungestört sprechen können, sagte Anja Wolbergs. Auch unter der Berichterstattung der Medien leide die Familie.

Schwiegermutter bestreitet Vorwürfe zu Wohnungskauf

Am Donnerstagnachmittag wurde Anja Wolbergs' Mutter als Zeugin gehört. Laut Staatsanwaltschaft soll sie von der Firma des mitangeklagten Bauträgers Volker Tretzel eine Wohnung zu wesentlich günstigeren Konditionen gekauft haben und Joachim Wolbergs soll das Geschäft eingefädelt haben. Diese Vorwürfe wies sie zurück:

"Der war damals schon OB, der hat für mich da nicht mehr so viel Zeit gehabt." Joachim Wolbergs' Schwiegermutter

Sie habe mit ihm nie über den Kaufpreis geredet und auch nicht mit Tretzel, sondern nur dessen Mitarbeitern zu tun gehabt. Wegen des Kaufpreises in Höhe von letztendlich 282.300 Euro habe sie nicht gehandelt. Auf die Nachfrage der Staatsanwältin, wonach doch die Wohnung ursprünglich mit rund 300.000 Euro gelistet gewesen sei, antwortete die Zeugin, dass sie sich deswegen nicht erkundigt habe. Auch ein Entwurf des Kaufvertrags sei ihr nicht zugeschickt worden.

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Im Regensburger Korruptionsprozess um den suspendierten OB Joachim Wolbergs haben die Ehefrau und ihre Mutter ausgesagt. Zur juristischen Aufklärung trugen sie wenig bei, gaben aber Einblicke ins Privatleben des angeklagten OB.

Darüber hinaus schilderte die Zeugin ihren Schwiegersohn als Menschen, der mit Begeisterung Oberbürgermeister gewesen sei. "Er hat alles versucht, den Menschen zu helfen, dadurch ist dann auch die Ehe in die Brüche gegangen." Sie habe nur einmal versucht, ihn zu instrumentalisieren. Da sei es um ein Grab für ihren verstorbenen Mann gegangen, das sie gerne auf dem Reinhausener Friedhof gehabt hätte. Doch das Bestattungsamt habe damals "Nein" gesagt. Auf ihre Bitte hin, da was zu machen, habe ihr Wolbergs gesagt, dass das nicht gehe, weil die Vorschriften klar seien.

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  • Andreas Wenleder
  • Siegfried Höhne
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