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Wolbergs-Prozess: Tretzel-Satz nur ein "Scherz"? | BR24

© Armin Weigel/dpa-bildfunk

Immobilienunternehmer Volker Tretzel und Regensburgs suspendierter Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (ehem. SPD)

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Wolbergs-Prozess: Tretzel-Satz nur ein "Scherz"?

Im Regensburger Korruptionsprozess hat sich der suspendierte OB Wolbergs noch einmal zu Wort gemeldet. Anlass war eine umstrittene Äußerung im Schlusswort des mitangeklagten Volker Tretzel. Diese wollte Wolbergs' Verteidiger geraderücken.

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Das letzte Wort des angeklagten Bauträger Volker Tretzel war heute nochmals Thema im Korruptionsprozess um Regensburgs suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Der hatte gesagt: "Wolbergs hat zu mir gesagt: Ihr müsst nicht so viel spenden. Ihr bekommt das Grundstück sowieso. Ich hoffe, das hat jetzt keine strafrechtliche Relevanz."

Wolbergs-Anwalt: "Schräger Scherz von Tretzel"

Wegen Tretzels Schlusswort beantragte die Verteidigung von Wolbergs, sich dazu erklären zu dürfen. Wolbergs Anwalt Peter Witting sieht in dem Satz einen "schrägen Scherz von Tretzel". Anders könne er sich die Äußerung nicht erklären, so Witting weiter. "Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgegangen ist." Auch Wolbergs hat die Äußerung als Scherz verstanden, "wie viele andere auch." Am letzten, ungeplanten Verhandlungstag vor dem Urteil wollte der OB daher nochmal klarstellen: "Einen solchen Satz hat es von mir nicht gegeben."

Anklage sieht sich bestätigt

Der mitangeklagte Bauträger Volker Tretzel äußerte sich vor Gericht nicht mehr selbst. Er ließ über seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. "Es ist richtig: Eine solche Äußerung von Herrn Wolbergs hat es nicht gegeben." Die Bemerkung von Tretzel sei "scherzhaft" gemeint gewesen.

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. "Mit seinen letzten Worten hat der Angeklagte Tretzel genau das eingeräumt, was ihm zur Last gelegt wird." In Abrede zu stellen, dass es eine Verknüpfung zwischen Tretzels Spendentätigkeit und dem Kauf des Nibelungenkasernenareals gegeben habe, gelinge nicht, so die leitende Staatsanwältin. Tretzels Äußerung sei spontan und aus freien Stücken gekommen und bestätige auch "eindrucksvoll", dass die Angeklagten korrupt gehandelt hätten. "Wer das Gegenteil behauptet, ignoriert die Fakten." Die Kläger bleiben daher bei ihren Anträgen und dem geforderten Strafmaß von viereinhalb Jahren.

Wütende Reaktionen bei Verteidigern

Die Erklärung der Staatsanwaltschaft sorgte bei Wolbergs, seinen Anwälten und der Tretzel Verteidigung für teils wütende Reaktionen. "Viel Lärm um gar nichts", nannte Tretzels Anwalt die Erklärung der Staatsanwaltschaft. Wolbergs reagierte emotional. "Ich muss mir zum wiederholten Male sagen lassen: Ich lasse mich kaufen oder sei korrupt." Wenn er könnte, würde er die Ermittler verklagen. "Wenn sie Rechtsstaatlichkeit vertreten, dann Gnade uns Gott", sagte Wolbergs und führte an: "Einen Dreck machen Sie."

Hartl froh über Prozess-Ende

Von dieser Debatte außen vor ist eigentlich der wegen Beihilfe zur Korruption Mitangeklagte Norbert Hartl. Er erklärte in seinem Schlusswort, dass er froh wäre, wenn der Prozess endlich vorbei sei. Die vorsitzende Richterin Elke Escher stimmte ihm zu: "Da sind Sie nicht allein."

Am 3. Juli soll das Urteil verkündet werden. Die Begründung wird wohl zwei Tage dauern.