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Die Zentrale der Sparkasse Regensburg: 2016 gewährte man dem Unternehmer Tretzel einen Millionenkredit. Wolbergs unterschrieb den Eilbeschluss.
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Uli Scherr
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Die Zentrale der Sparkasse Regensburg: 2016 gewährte man dem Unternehmer Tretzel einen Millionenkredit. Wolbergs unterschrieb den Eilbeschluss.

Hat sich der angeklagte Regensburger OB Wolbergs in ein Kreditgeschäft zugunsten seines Wahlkampfspenders Volker Tretzel eingemischt? Diesen Verdacht hat die Staatsanwaltschaft. Wolbergs selbst bezeichnete die Vorwürfe wiederholt als absurd. Ab Montag stehen im Wolbergs-Prozess vor dem Regensburger Landgericht die Vorstände der Sparkasse im Zeugenstand.

Wie kam es zum Formfehler

Die Bankmanager müssen unter anderem erklären, wie es bei der Kreditvergabe an Tretzel zu einem Formfehler kommen konnte: Die Sparkasse hatte Tretzel 2016 einen Kredit über 4,5 Millionen Euro gegeben. Ungewöhnliches Detail: Der Kredit wurde mittels eines Eilbeschlusses gewährt. Diesen Eilbeschluss hatten Wolbergs, in seiner Funktion als Vorsitzender des Sparkassenverwaltungsrates, und seine Stellvertreterin in dem Gremium, Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger unterzeichnet.

Genau das aber war nicht korrekt, bemängelte später ein Prüfer des Bayerischen Sparkassenverbandes, der vergangene Woche als Zeuge gehört wurde. Weil Tretzel nämlich ebenfalls Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse war, hätten auch die Mitglieder des speziell für solche Fragen zuständigen Kredit- und Personalausschusses dem Geschäft zustimmen müssen.

Materiell entstand der Bank kein Schaden

Immerhin: Rein materiell sei der Sparkasse durch das Kreditgeschäft mit Tretzel kein Schaden entstanden, sagte der Sparkassenprüfer aus. Aber dennoch gibt es noch offene Fragen an die Bankvorstände: Zum Beispiel, warum sie Tretzel den Millionenkredit ohne Sicherheiten ausreichten.

Wolbergs muss sich in dem Prozess vor dem Regensburger Landgericht wegen Vorteilsannahme und Verstoßes gegen das Parteiengesetz verantworten. Tretzel werden Vorteilsgewährung und Beihilfe zum Verstoß gegen das Parteiengesetz vorgeworfen. Es geht in dem Prozess unter anderem um die Frage, ob bei der Vergabe eines Bauprojektes an Tretzel dessen Spenden an die SPD eine Rolle gespielt haben. Ein Urteil wird im Frühjahr erwartet. Gegen Wolbergs sind allerdings noch weitere ähnlich gelagerte Anklagen anhängig.