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Wolbergs-Prozess: Preisnachlässe bei Wohnungsverkäufen | BR24

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Im Regensburger Korruptionsprozess geht es jetzt um Wohnungskäufe im Umfeld des suspendierten Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs. Dabei gab es Rabatte, wie sich bestätigte - und laut einem Zeugen auch ein pikantes Treffen.

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Wolbergs-Prozess: Preisnachlässe bei Wohnungsverkäufen

Im Regensburger Korruptionsprozess geht es jetzt um Wohnungskäufe im Umfeld des suspendierten Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs. Dabei gab es Rabatte, wie sich bestätigte - und laut einem Zeugen offenbar auch ein pikantes Treffen.

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Es sei eine Entscheidung des Bauträgers Volker Tretzel gewesen, dass sowohl die Mutter von Regensburgs suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) als auch dessen Schwiegermutter Wohnungen zu einem günstigen Preis bekommen sollten. Das hat ein Mitarbeiter des Bauteam Tretzel (BTT) vor Gericht bestätigt.

Wohnung plötzlich deutlich günstiger

Er war maßgeblich mit dem Vertrieb der Wohnungen befasst. Dass es sich bei der einen interessierten Käuferin um die Mutter von Joachim Wolbergs handelte, der damals noch dritter Bürgermeister der Stadt Regensburg war, sei ihm schnell nach dem ersten Kontakt klar geworden, so der Zeuge. Ihre Wunschwohnung: 107 Quadratmeter, vier Zimmer, dazu kleine Umbauten im Bad. Mit Tiefgaragenstellplatz, Fahrradabstellplätzen und einem Hobbykeller hätte rund 375.000 Euro kosten sollen. Doch bevor es zur notariellen Beglaubigung des Kaufvertrags ging, wandte sich der Mitarbeiter an seinen Chef. Danach kostete die Wohnung nur noch 339.000 Euro. Ein solcher Preisnachlass sei nicht der Regelfall, antwortete der Mitarbeiter auf Nachfrage der Richterin. Und einen Preisnachlass in der Größenordnung wie bei Wolbergs' Mutter habe es nur noch einmal gegeben.

"Es gibt 15 Käufer, die Vergünstigungen im fünfstelligen Euro-Bereich erhalten haben. Die meisten davon kämen aus dem Umfeld von Tretzel." Zeuge vor Gericht

Tretzel äußert sich selbst

"Die Wohnung ist ein Ladenhüter gewesen", sagte Volker Tretzel, der sich erstmals vor Gericht länger äußerte und selbst Fragen an den Zeugen stellte. "Kann schon sein, dass ich gesagt habe: Haut sie weg. Im Endeffekt war sie sogar teuer." Denn laut seiner Firmenphilosophie gelten für Altkunden andere Preise. "Eigentlich hätten sie die Wohnung viel billiger bekommen müssen, wenn wir uns an die eigenen Regeln gehalten hätten." Außerdem wolle man ja Prominente in den Wohnungen haben, so der Bauträger.

Verkauf als Musterwohnung

Dass die Wohnung sich nicht verkaufen ließ, bestätigte auch sein Mitarbeiter. Die ungewöhnliche Strategie des Vertriebmanns war es aber, die Wohnungen von vornherein zu einem teuren Preis anzubieten - wohl, damit bei den Kunden der Eindruck entsteht, dass die Nachfrage nach den Wohnungen groß sei und sie schnell zugreifen müssten. Eine "Preispolitik", die ihm sein Chef heute als "großen Verdienst" anrechnete. "In diesem Fall hat sie aber nicht funktioniert." Daher sein Preisvorschlag.

Doch es sind nicht nur kaufmännische Überlegungen, welche die Wohnung für die Wolbergs Mutter billiger machten. Laut der Aussage des BTT-Mitarbeiters ergibt sich der Preisnachlass auch dadurch, dass die Wohnung zum einen als Musterwohnung verkauft wurde. Und tatsächlich hat der Mitarbeiter diese als Musterwohnung auch einmal genutzt. Zum anderen sei im Vertrag festgehalten worden, dass der Innenausbau von dem Käufer selbst übernommen werden sollte.

Kein Protokoll über Sonderleistungen

Tatsächlich wurde der Innenausbau aber von der Firma BTT durchgeführt. Auffällig dabei: Die Preise für die Sonderleistungen seien nicht protokolliert worden, so der Zeuge. Und: Der verantwortliche Bauleiter war derselbe BTT-Mitarbeiter, der bereits die Renovierungsarbeiten an einem Ferienhaus und an einer Wohnung von Wolbergs organisiert und die anfallenden Handwerkerrechnungen aufgeteilt hatte. Er muss deshalb nochmals vor Gericht aussagen.

Günstiger Preis auch bei Drei-Zimmer-Wohnung

Die Wohnung der Mutter war nicht das einzige Wohnungsgeschäft zwischen BTT und Personen aus dem Umfeld von Joachim Wolbergs. Auch die Wohnung seiner Schwiegermutter wurde zu einem günstigen Preis verkauft. Eine Drei-Zimmer-Wohnung, die letzte dieser Art, die in dem BTT-Bauprojekt noch zur Verfügung stand. Auch die Schwiegermutter soll Sonderleistungen gratis bekommen haben. Der Zeuge erinnert sich an einen Besichtigungstermin, bei dem die Kaufinteressentin von ihrer Tochter begleitet wurde, der Ehefrau von Wolbergs.

Verteidigung äußert Zweifel an Zeugen

Im Fokus des Kreuzverhörs stand aber ein anderer Termin: Im Vorfeld des Verkaufs soll es zu einem Treffen zwischen Wolbergs und Tretzel gekommen sein, in dem der Bauträger dem BTT-Mitarbeiter den Kaufpreis von etwas unter 270.000 Euro mitgeteilt haben soll. Vor allem Wolbergs' Verteidigung merkte Zweifel an der Schilderung des Zeugen an. So habe der BTT-Mitarbeiter bei den Vernehmungen durch die Polizei angegeben, dass er im Vorfeld keinen Kontakt zu Herrn Wolbergs hatte. "Entweder sie haben bei der Polizei gelogen. Oder hier", warf Wolbergs' Anwalt Peter Witting dem Angeklagten deshalb vor.

Auch Stadtrat Hartl profitierte

Das Schema "Wohnung zu günstigem Preis" wiederholte sich auch ein drittes Mal, und zwar beim mitangeklagten SPD-Stadtrat Norbert Hartl. Wieder wechselte das Objekt als Musterwohnung ihren Eigentümer. Von dem Kaufpreis wurde sogar ein als "Mängel" gezeichneter Betrag abgezogen. Auf Nachfrage der Richterin fand der BTT-Mitarbeiter keine Antwort. Das Gebäude mit dieser Wohnung habe sich noch im Rohbau befunden.

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Weitere Information zur Verweildauer

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Im Prozess gegen den suspendierten Regensburger Oberbürgermeister Wolbergs sagte heute der mitangeklagte Unternehmer Tretzel aus. Es ging um eine Wohnung, die er Wolbergs Mutter besonders günstig verkauft hat. Die Frage stand im Raum, ob zu günstig.

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  • Sebastian Grosser
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