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Wolbergs-Prozess: Kripobeamter sieht Vorteile für Familie des OB | BR24

© dpa-Bildfunk/Armin Weigl

Der suspendierte Regensburger OB Joachim Wolbergs betritt den Gerichtssaal

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    Wolbergs-Prozess: Kripobeamter sieht Vorteile für Familie des OB

    Im Prozess gegen den Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hat der Chef-Ermittler der Kriminalpolizei ausgesagt. Es ging um Vorteile, die der OB und seine Familie vom mitangeklagten Immobilienunternehmer Volker Tretzel bekommen haben soll.

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    Die zentrale Frage im Gerichtsaal war in den vergangenen Tagen: Hat die Familie von Joachim Wolbergs aufgrund von dessen Stellung als OB Rabatte in Höhe von mehreren Zehntausend Euro bei Wohnungskäufen bekommen? Heute erklärte der leitende Kripo-Beamte die Vorwürfe der Ermittler.

    Er sagte aus, dass eine Wohnung, die Wolbergs' Mutter nutzen sollte, deutlich günstiger an die Familie ging, als in einer Preisliste des Unternehmens. Auch soll die Wohnung günstiger als eine nahezu identische Wohnung gewesen sein, die der Kripobeamte zum Vergleich herangezogen hatte.

    Ungewöhnliche Rabatte

    Zusätzlich soll der Innenausbau nicht abgerechnet worden sein. Tretzels Firma habe diesen aber durchgeführt, so der Ermittler. Im Kaufvertrag sei dieser Bereich aber ausgenommen worden. Ein Zeuge, der mit dem Verkauf der Wohnung befasst war, hatte diesen Vorgang in seiner Aussage bei der Polizei als ungewöhnlich beschrieben, sagte der Kripo-Beamte. Beim Wohnungskauf von Wolbergs' Schwiegermutter habe er aber kein Mitwirken des Oberbürgermeisters feststellen können. Auch bei diesem Wohnungskauf soll es aber ungewöhnliche Rabatte gegeben haben, so der Zeuge.

    Verteidiger werfen Ermittlern ungenaue Prüfung vor

    Die Verteidiger der Angeklagten warfen den Ermittlern im Laufe der Vernehmung vor, nicht genau geprüft zu haben, inwiefern Rabatte bei Wohnungsverkäufen der Firma generell üblich seien. Die Wohnungen wären im Vergleich nicht ungewöhnlich billig verkauft worden, so die Anwälte. Die Kripo hätte noch mehr Vergleichswohnungen heranziehen sollen. Man habe sich auf eine Arbeitshypothese versteift und nichts zur Entlastung der Angeklagten ermittelt, so Wolbergs-Verteidiger Peter Witting. Den Vorwurf, man habe schlampig ermittelt, wies die Staatsanwaltschaft nach einem lauten Wortgefecht im Gerichtssaal zurück. Man könne die Rabatte "schwarz auf weiß mit E-Mails nachweisen", so die zuständige Staatsanwältin.

    Belastende Telefonmitschnitte

    Nach der Vernehmung des Kriminalpolizisten ließ das Gericht Telefonate aus der Telefonüberwachung der Beteiligten vorspielen. In einem Gespräch mit Joachim Wolbergs lässt Immobilienunternehmer Volker Tretzel den Oberbürgermeister wissen, dass er an einen guten Ausgang der Sache glaube: "Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Sie werden als strahlender Sieger aus der Sache herausgehen!", sagt Tretzel zu Wolbergs.

    Ein anderes Telefon-Gespräch ist für den mitangeklagten Ex-Tretzel-Mitarbeiter Franz W. deutlich unangenehmer. Darin weist er seinen Gesprächspartner auf möglicherweise belastende Rechnung für Handwerker hin. Er solle nachfragen, "ob das gut ist, wenn die ganzen Handwerkerrechnungen im Archiv sind, oder in der Buchhaltung. Weißt was ich meine?" Mit Blick auf mögliche weitere Hausdurchsuchungen ergänzt W. dann noch: "Es kann nämlich sein, dass die nochmal vor der Tür stehen." Sein Gesprächspartner erwidert in dem Telefonat jedoch: "Ich halte mich da komplett raus!"

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    Regionalnachrichten aus der Oberpfalz

    Von
    • Andreas Wenleder
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