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Wolbergs-Prozess: ein Bauprojekt gegen 200.000 Euro? | BR24

© picture alliance/Armin Weigel/dpa

Joachim Wolbergs (SPD), suspendierter Regensburger Oberbürgermeister, sitzt im Verhandlungssaal im Landgericht.

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    Wolbergs-Prozess: ein Bauprojekt gegen 200.000 Euro?

    Wollte der suspendierte Regensburger Oberbürgermeister Wolbergs dem mitangeklagten Bauträger Tretzel ein Bauprojekt ermöglichen, nachdem er von ihm 200.000 Euro angeboten bekam? Darum geht es jetzt im Regensburger Korruptionsprozess.

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    Im Regensburger Korruptionsprozess um den suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) geht es ab heute um die Bebauung eines Restgrundstücks des mitangeklagten Bauträgers Volker Tretzel. Laut Anklage wollte seine Firma BTT das Gewerbegebiet am Roten-Brach-Weg in ein Wohngebiet umwandeln.

    Bei einem Termin mit BTT habe das Stadtplanungsamt aber darauf verwiesen, dass mit dem dadurch erzielten finanziellen Vorteil für das Unternehmen auch der Anteil an Sozialwohnungen von 20 Prozent auf 50 Prozent steigen müsste. Wegen des geringeren Gewinns soll Tretzel abgelehnt und sich an das Stadtoberhaupt gewandt haben.

    Finanzielle Hilfe gegen Umwandlung in Wohngebiet

    Nachdem die Ermittlungen gegen Wolbergs und Tretzel bereits liefen, sollen sich beide telefonisch darauf verständigt haben, dass Wolbergs eine Wohnbebauung ohne zusätzliche Sozialwohnungen gegenüber der Stadtverwaltung durchsetzen werde.

    Brisant ist den Ermittlern zufolge eine weitere Aussage in dem Gespräch: Im Gegenzug soll Tretzel mit Sätzen wie "Ich werde Ihnen unter die Arme greifen" Oberbürgermeister Wolbergs finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt haben, was dieser wiederum mit einem "Super" quittiert haben soll.

    Telefongespräche werden vorgespielt

    Auch soll Tretzel in dem Gespräch genauer erläutert haben, wie er die Verbindung zwischen ihm und seiner Firma mit Wolbergs verschleiern könne. Dieses und weitere Telefongespräche sollen im Verlauf der nächsten Verhandlungstage im Saal vorgespielt werden. Heute soll die Planungs- und Baureferentin der Stadt, Christine Schimpfermann, als Zeugin aussagen.

    Neben dem Bauprojekt im Regensburger Westen wird das Gericht heute wohl auch über einen Antrag der Staatsanwaltschaft entscheiden. Die Ankläger fordern, den ehemaligen Regensburger Stadtbau-Chef zu vernehmen. Er soll belegen, dass Wolbergs während seiner Einlassungen vor Gericht gelogen habe und somit unglaubwürdig sei. Nachdem die Staatsanwaltschaft ihren Antrag dazu verlesen hatte, kam es zu einem kleinen Eklat: Wolbergs bezeichnete den anwesenden Staatsanwalt als "Obergschaftler". Dieser forderte daraufhin eine gerichtliche Entscheidung, die nun verkündet werden soll: Wird die Entgleisung Wolbergs in das Protokoll aufgenommen, stehen der Staatsanwaltschaft weitere strafrechtliche Schritte gegen den OB offen.