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Wolbergs: "Ermittler haben mein Leben ruiniert" | BR24

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Joachim Wolbergs zeigt sich gegen Ende des Regensburger Korruptionsprozesses noch einmal angriffslustig. In seinem Schlusswort findet der suspendierte Oberbürgermeister erneut bittere Worte für die Strafermittler.

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Wolbergs: "Ermittler haben mein Leben ruiniert"

Joachim Wolbergs zeigt sich gegen Ende des Regensburger Korruptionsprozesses noch einmal angriffslustig. Im Schlusswort findet der suspendierte OB erneut harte Worte für die Strafermittler. Ein Satz von Volker Tretzel ließ unterdessen aufhorchen.

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Im Regensburger Korruptionsprozess hat sich der angeklagte suspendierte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs am Dienstag noch einmal angriffslustig gezeigt. Im Rahmen seines Schlusswortes kritisierte er noch einmal die Ermittlungsmethoden der Staatsanwaltschaft. Diese habe nur Belastendes ermittelt, aber nichts Entlastendes. Wolbergs bekräftigte nochmals, dass er nie käuflich gewesen sei.

"Ich fühle mich als Opfer. Die Ermittlungsbehörden haben mein Leben ruiniert, mich aufs tiefste gedemütigt. Ich muss damit leben, dass sie mir meine Ehre genommen haben." Joachim Wolbergs

Die Staatsanwaltschaft habe ihn aber nicht gebrochen. Er werde sich weiter wehren: "Verlassen sie sich darauf!", sagte der Oberbürgermeister an die Staatsanwältinnen gewandt.

Wolbergs räumt Fehler ein

Doch auch Fehler räumte Wolbergs erneut ein. Bei privaten Vorteilen durch die Firma des mitangeklagten Unternehmers sei er in mehreren Situationen zu wenig aufmerksam gewesen.

Die fast 60 Verhandlungstage seien für ihn die Hölle gewesen, sagte Wolbergs in seinem rund zweistündigem Statement. Jeder Verhandlungstag sei jedes Mal wieder ein Schlag gewesen.

Lob für die Richterin

Die Vorsitzende Richterin lobte Wolbergs dagegen ausdrücklich. Sie habe ihn wie einen Menschen behandelt, nicht wie einen Verbrecher. Auch wenn er nicht wisse, wie das Urteil ausfallen wird, habe sie ihm das Vertrauen in den Rechtsstaat ein Stück weit zurückgegeben.

Die Urteilsverkündung ist für den 3. und 4. Juli vorgesehen. Wolbergs' Verteidiger hatten für ihren Mandanten einen Freispruch beantragt. Die Staatsanwaltschaft forderte für ihn je viereinhalb Jahre Haft. In dem Prozess vor dem Regensburger Landgericht geht es um einen möglichen Zusammenhang zwischen der Vergabe eines millionenschweren Bauprojektes der Stadt an den Bauunternehmer Tretzel sowie dessen Spenden an die SPD im Kommunalwahlkampf 2014 und an den Sportverein Jahn Regensburg.

Letztes Wort der übrigen Angeklagten

Auch Wolbergs Mitangeklagte nutzen ihre Schlussworte heute um allen Vorwürfen noch einmal zurückzuweisen. Er gehe nach wie vor davon aus, dass er sich nicht strafbar gemacht habe, sagte beispielsweise der ehemalige Geschäftsführer des ebenfalls angeklagten Immobilienunternehmers Volker Tretzel. Und auch der vierte Angeklagte Norbert Hartl bekräftigt, dass die umstrittene Vergabe eines Regensburger Kasernenareals an den Unternehmer rechtens und gut für die Stadt gewesen sei.

Bauträger Volker Tretzel kritisierte bei seinem letzten Wort die Ermittlungen und die öffentliche Darstellung scharf. Er kündigte an, dass er gegenüber diversen Medien Schadenserstatzforderungen geltend machen werde. "Ich bin ja nicht irgendwer." Bis jetzt hätte das Verfahren ihn rund drei Millionen Euro gekostet, unter anderem wegen diverser Gutachten.

Volker Tretzel selbst sorgte dann noch für Lacher im Zuschauerraum. Fast beiläufig ließ er folgenden Satz fallen:

"Wolbergs hat gesagt, ihr müsst nicht so viel spenden, ihr bekommt das Grundstück sowieso." Bauunternehmer Volker Tretzel

Weniger amüsiert über den Satz war dagegen Tretzels Anwalt, der kurz auf den Tisch hauen musste, um seinen redseligen Mandanten zu unterbrechen. Er hoffe nicht, dass auch das schon strafrechtlich relevant sei, ergänzt Tretzel schnell. Ob das der Fall ist, muss das Gericht entscheiden.

💡 Was ist das Recht auf das letzte Wort?

Vor Gericht hat der Angeklagte das Recht auf das sogenannte letzte Wort. Das garantiert Paragraf 258 der Strafprozessordnung. Demnach gilt das letzte Wort, wenn die Beweisaufnahme und die Schlussvorträge abgeschlossen sind. Paragraf 258 sieht vor, dass der Angeklagte dann gefragt werden muss, ob er noch etwas zu seiner Verteidigung sagen möchte, auch wenn schon ein Verteidiger einen Schlussvortrag für ihn gehalten hat. Das Recht des letzten Worts fußt auf dem in Artikel 103 des Grundgesetzes festgeschriebenen Recht auf rechtliches Gehör. Demnach muss sich jeder Angeklagte ausreichend zu einem Vorwurf äußern dürfen. Dem Angeklagten steht es frei, wofür er sein Recht auf das letzte Wort nutzt - eine Äußerung zur Sache etwa oder einem Geständnis. (Erklärt von BR24-Redaktion)

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BR-Reporter Andreas Wenleder schidlert seine Eindrücke von den Schlussworten der Angeklagten im Regensburger Korruptionsprozess.