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Wolbergs: "Diese Staatsanwaltschaft kriegt mich nicht klein" | BR24

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Im Regensburger Korruptions-Prozess hat Joachim Wolbergs (SPD) heute seine persönlichen Verhältnisse offenlegen müssen. Der Oberbürgermeister sprach über seinen Werdegang, seine finanzielle Situation und die Belastung für ihn und seine Familie.

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Wolbergs: "Diese Staatsanwaltschaft kriegt mich nicht klein"

Im Regensburger Korruptions-Prozess hat Joachim Wolbergs (SPD) heute seine persönlichen Verhältnisse offenlegen müssen. Der Oberbürgermeister sprach über seinen Werdegang, seine finanzielle Situation und die Belastung für ihn und seine Familie.

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Es ist ein kurzer Moment der Stille im Sitzungssaal 104: Gerade hat Joachim Wolbergs angesetzt, um über seine Familie und die Belastung durch das Verfahren zu sprechen. Doch dem Oberbürgermeister versagt die Stimme. Während Wolbergs mit den Tränen kämpft, unterbricht die Vorsitzende Richterin Elke Escher die Verhandlung und gibt dem OB Zeit, sich wieder zu sammeln. Es ist nicht der einzige emotionale Moment an diesem Verhandlungstag, an dem Joachim Wolbergs Gemütslage ständig zwischen Kampfgeist und Verzweiflung schwankt.

Wolbergs muss Privates preisgeben

Vor der Unterbrechung hatte Wolbergs bereits über seinen beruflichen und politischen Werdegang sprechen müssen, über seine Kindheit und über seine Finanzlage. Alles Themen, zu denen ein Angeklagter vor Gericht aussagen muss, da im Fall einer Verurteilung auch die Höhe der Strafe davon abhängen kann. Wolbergs stellt sich ausführlich den Fragen. Seine Kindheit beschreibt er als behütet. Ein guter Schüler sei er nicht gewesen: Für das Abitur habe er ein Jahr länger gebraucht. Seine beiden Studiengänge - Lehramt und Jura - habe er schon nach wenigen Semestern abgebrochen. Dass er sein Jura-Studium nicht abgeschlossen hat, bereut Wolbergs heute:

"Ich wäre zur Staatsanwaltschaft gegangen, die brauchen gute Juristen." Joachim Wolbergs

Wolbergs legt damit den Grundstein für seinen weiteren Vortrag, in dem die Ermittlungsbehörde nicht gut wegkommt.

Attacken gegen die Ermittler

Die Staatsanwaltschaft habe ihm alles genommen. Das Verfahren bestimme jetzt sein Leben von morgens bis abends. "Ich stehe morgens damit auf und gehe abends damit ins Bett", so Wolbergs. Die Untersuchungshaft habe alles verändert und ihn sein Amt gekostet. Ausführlich beschreibt er die Haft: Seine Einweisung in die psychiatrische Abteilung des Straubinger Gefängnis, aus der er aber bald wieder entlassen wird, die Pritsche mit dünner Matratze in seiner Zelle, die Gefängnisbibliothek, in der nur Gartenbücher zu bekommen waren und die Besuche der beiden Kinder. Noch heute würden sie unter der Situation leiden.

Auch einen notwendigen Freigang zu einem Straubinger Augenarzt erwähnt Wolbergs. In Häftlingskleidung habe er im Wartezimmer Platz nehmen müssen. Im letzten Moment seien ihm wenigstens Hand- und Fußfesseln erspart geblieben. Im Gefängnis habe er aber auch Menschlichkeit erlebt. Die Angestellten, aber auch die Mithäftlinge, hätten ihn sehr gut behandelt, sagt Wolbergs.

© picture alliance/Armin Weigel/dpa

Die Staatsanwaltschaft musste sich harte Vorwürfe des Oberbürgermeisters anhören.

"Ich lebe keinen Luxus"

Als Wolbergs dann zu seinen Finanzen aussagt, wird klar, dass er nicht nur psychisch unter dem Verfahren zu leiden hat. Als Oberbürgermeister habe er 7.200 Euro netto verdient und sei mit Nebeneinkünften auf etwa 10.000 Euro netto gekommen, berichtete Wolbergs. Seit der Suspendierung sei sein Gehalt um 50 Prozent gekürzt, so dass er 3.600 Euro netto einnehme, ohne weitere Nebeneinkünfte. Schön sei es nicht, das alles offenzulegen. Er wolle aber auch mit Gerüchten aufräumen.

"Von 3.600 Euro könnte ich sensationell leben, ich lebe keinen Luxus." Joachim Wolbergs

Jedoch: 2.500 Euro Unterhalt für die Familie, dazu Miete, Auto, Versicherung, Zeitungsabos und die Mitgliedschaft in mehr als 100 Vereinen - die monatlichen Ausgaben sind höher als die Einnahmen.

Prozess kostet jede Menge Geld

Auf etwa 270.000 Euro beziffert er die notwendigen Ausgaben für das Verfahren und seine Verteidigung. Der Prozess bringe ihn an seine finanziellen Grenzen. Nur da er eine große Summe geerbt habe, könne er sich das überhaupt leisten. Viele Menschen könnten das aber nicht, sagt Wolbergs und greift die Staatsanwaltschaft erneut scharf an.

Die Ermittlungen und die Verfahren gegen ihn würden in die Länge gezogen. Mit so einem System könne die Staatsanwaltschaft die Beschuldigten an den Abgrund bringen, sagt Wolbergs. Die drohenden weiteren Verfahren könne er sich eigentlich nicht mehr leisten. Für den Fall, dass er sein Amt endgültig verlieren sollte, habe er keinen Plan B, sagt der suspendierte Oberbürgermeister. Er will auch deshalb weiter um seine vollständige Rehabilitierung kämpfen: "Diese Staatsanwaltschaft kriegt mich nicht klein."

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Autor
  • Andreas Wenleder
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