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Wohnungsnot: Erlangen setzt auf Nachverdichtung | BR24

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Ein Mittel gegen die Wohnungsnot ist das sogenannte Nachverdichten. Dabei werden neue Häuser zwischen alte gebaut und Häuser bekommen zusätzliche Stockwerke. In einer Siedlung in Erlangen wird die Zahl der Wohnungen so verdoppelt.

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Wohnungsnot: Erlangen setzt auf Nachverdichtung

Wohnungsnot, teure Mieten und explodierende Immobilienpreise. Was können die Kommunen dagegen tun? So viel bauen, wie sie eigentlich müssten, können die Gemeinden gar nicht. In Erlangen setzt man auf Nachverdichtung.

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Als beste Mietpreisbremse gilt wohl: Bauen, bauen und nochmals bauen. Denn wo viel Angebot vorhanden ist, sollten die Preise nicht steigen. Das Problem dabei ist jedoch, dass in den Städten der Platz knapp ist. Viele Kommunen setzen mittlerweile auf Nachverdichtung. Also zwischen bestehende Häuser bauen oder einfach oben drauf. Doch damit ist es nicht getan. Denn die Bewohner sind oft gar nicht begeistert, wenn sie auf einmal doppelt so viele Nachbarn haben wie zuvor. Große Herausforderungen für die Städte, wie ein Beispiel aus einem Wohngebiet in Erlangen zeigt.

Verdopplungen der Wohnungen in der Erlanger Schenkstraße

In der Schenkstraße im Erlanger Süden lebten vor einem Vierteljahrhundert noch US-Soldaten. Nach dem Abzug der Army entstanden in den alten Kasernen günstige Mietwohnungen. Jetzt wird wieder gebaut. Die Zahl der Wohnungen in der Siedlung soll sich von 400 auf 800 verdoppeln. Als die Pläne bekannt wurden, gingen die Anwohner auf die Barrikaden. Sie hatten die Befürchtung, dass der Stadtteil die Verdopplung der Einwohnerzahl nicht verkraften könnte. Die Stadt musste Bürgerversammlungen einberufen. Laut Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) war die Aufregung groß.

"Da war richtig Zoff im Haus." Florian Janik, Oberbürgermeister Erlangen

Seit nunmehr drei Jahren gleicht die Siedlung einer Großbaustelle. Denn, weil sonst kein Platz mehr ist, müssen die Häuser um zwei Geschosse aufgestockt werden. Dabei werden auch die alten Wohnungen saniert. Während der Bauarbeiten müssen die Mieter deshalb für etwa ein Jahr in Ersatzwohnungen umziehen.

Angst vor steigenden Mieten und sinkender Lebensqualität

Die Baugesellschaft wurde mit massiven Bedenken konfrontiert. Anwohner hätten Angst vor sinkender Lebensqualität, wenn bald doppelt so viele Menschen in der Siedlung wohnen sollen. Auch steigende Mieten seien eine Befürchtung. Dazu kommt die soziale Komponente, dass Mieter hinterher hier einziehen könnten, die sich nicht einbinden lassen in das bestehende Sozialgefüge, formuliert es Gernot Küchler, Gesschäftsführer GeWoBau Erlangen.

Für die städtische Wohnungsbaugesellschaft GeWoBau stellt die Situation eine große Herausforderung dar. Sie verspricht, dass die Mieten nach der Sanierung nur um einen Euro pro Quadratmeter steigen. Mieter, die schon hier gewohnt haben, zahlen dann rund sechs Euro, so die Verantwortlichen. Dafür bekommen sie eine moderne, energetisch sanierte Wohnung, lautet die Versprechung. Zwei Drittel der Wärmeenergie sollen eingespart werden. Bezahlbarer Wohnraum also im ansonsten hochpreisigen Erlangen – auch für Familien mit mittlerem Einkommen. Doch das alleine reicht nicht, auch das soziale Umfeld muss mitwachsen, sagt Oberbürgermeister Janik.

"Die soziale Infrastruktur (…) muss Schritt halten, wenn die Zahl der Bewohner steigt." Florian Janik, Oberbürgermeister Erlangen

In drei Jahren soll der Umbau der Siedlung abgeschlossen sein. Die meisten Anwohner hätten inzwischen ihre Bedenken aufgegeben, sagt die GeWoBau. Jetzt drängten sie darauf, dass die Bauarbeiten fertig werden, denn der erste von mehreren neuen Spielplätzen wartet bereits auf die jungen Anwohner.

© BR / Michael Reiner

Schenkstraße Erlangen