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Wohnraum vs. Tourismus: Stadt Zwiesel bleibt hart | BR24

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Vor 25 Jahren wurde in Zwiesel eine Ferienanlage gebaut, doch die Touristen wollten nicht kommen. Die Apartments stehen leer, wären aber sehr begehrt - etwa bei den Schülern der Glasfachschule. Die Stadt allerdings verbietet die Dauervermietung.

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Wohnraum vs. Tourismus: Stadt Zwiesel bleibt hart

Es läuft nicht mit dem Tourismus in Zwiesel im Kreis Regen. Eine Ferienanlage mit 133 Wohnungen ist so gut wie immer verwaist. Stattdessen bekommt die Besitzerin fast wöchentlich Anfragen zur Dauer-Miete. Da hat die Stadt aber was dagegen.

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Zwiesel ist eine schöne kleine Stadt im Bayerischen Wald. Trotzdem läuft es nicht so gut mit dem Tourismus. Viele Ferien-Appartements stehen leer. Obwohl sie eigentlich sehr begehrt wären. Nur nicht von Touristen, sondern von Mietern, die günstigen Wohnraum suchen. Zum Beispiel die Schüler der Glasfachschule. Sie suchen händeringend bezahlbare Wohnungen, denn die sind rar in Zwiesel. Aber die Stadt verbietet die Dauermiete und sträubt sich gegen die Änderung des Nutzungsrechts.

Tourismus-Konzept ging nicht auf

"Zonenrandgebietsförderung" unter diesem sperrigen Stichwort wurde in Zwiesel vor 25 Jahren eine Ferienanlage gebaut, um den Tourismus in großem Stil zu fördern. Das Konzept ging nicht auf, die Anlage stellte den Betrieb ein. Die Apartments wurden verkauft. Aber auch Privatleute schafften es nicht, die Touristen nach Zwiesel zu locken.

Inge Drinhaus ist stolz auf ihr kleines, renoviertes Ferienapartment. Eigentlich will sie es an Touristen vermieten, doch die bleiben aus. Die Anlage mit 133 Apartments ist so gut wie verwaist. Der Fremdenverkehr läuft nicht. Stattdessen gibt es fast wöchentlich Anfragen zur Dauer-Miete.

"Es bietet sich ja an, wenn hier Glasschüler, Soldaten oder sonst irgendwelche Referendare, Lehrer, wenn die für ein halbes Jahr da einziehen und alles gut - ja, was ist das Problem?" Inge Drinhaus, Vermieterin

Das Problem: Die Stadt Zwiesel hat den Antrag der Mehrheit der Eigentümer auf Nutzungsänderung abgelehnt. Hier darf also keiner dauerhaft wohnen. Sonst drohen Bußgelder. Unverständnis auch bei Eigentümer Johann Braun:

"Wenn eine Vermietung zukünftig nicht möglich ist, dann werden die Eigentümer nicht mehr bereit sein, hier zu investieren. Bisher ist die Anlage eigentlich immer renoviert worden, alles ist in Schuss, Infrastruktur, Internet ist vorhanden, neue TV-Anlage, Heizungsanlage, also alles aktuell." Johann Braun, Eigentümer

Zwiesels Bürgermeister spielt nicht mit

Damit Leerstand vermieden wird, wollen zwei Drittel der Eigentümer eine Mischnutzung von Feriengästen und Dauermietern. Für Franz-Xaver Steiniger, den Bürgermeister von Zwiesel (ohne Partei), ist die Sache jedoch klar: Die Anlage ist ein Sondergebiet für rein touristische Nutzung und kein Wohnraum. Er sagt, viele Eigentümer hätten von Anfang an auf Dauermieter spekuliert.

"Und die haben sich gedacht, ah, dann mache ich vielleicht ein anderes Businessmodell draus, ich kaufe mir günstig so eine Anlage und mache Dauervermietung. Das geht allerdings nicht, das geht nicht, weil es eine ganz klare gesetzliche Regelung gibt, sprich, es gibt einen festgesetzten Bebauungsplan, und danach muss man sich richten." Franz-Xaver Steininger, Bürgermeister in Zwiesel

Die Eigentümer befürchten, die Stadt wolle sie gänzlich loswerden. Einen interessierten Investor gibt es bereits, der will es angeblich wieder zur Topanlage machen.

Wohnraum versus Tourismus - der Gewinner in Zwiesel scheint klar. Entgegen dem bundesweiten Trend, der genau in die andere Richtung geht - eben Wohnraum zu schaffen und Nutzung à la AirBnB zu vermeiden.